Brocks Panorama

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Heinz Brock

Aktuelles aus der internationalen Welt der Gesundheitswirtschaft.

WHO
Notfallteams für raschen weltweiten Einsatz

In Jerewan, der Hauptstadt von Armenien, fand vom 5. – 7. Oktober das 5. EMT Global Meeting unter Mitwirkung von über 500 Teilnehmern aus 110 Ländern statt. Dabei wurde aus den Erfahrungen der letzten Naturkatastrophen, Infektionsausbrüchen und militärischen Konflikten die Strategie der WHO bis 2030 diskutiert und festgelegt. Global schnell verfügbare Notfallteams sind im Aufbau, die auf die Erfahrungen und Experten von EMTs (Emergency Medical Teams) zurückgreifen können. Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Generaldirektor der WHO (Bild unten), gab das Ziel vor, dass jedes Land der Welt befähigt sein soll, auf nationale Notfallszenarien rasch und effektiv zu reagieren, und dafür regionale und lokale Kapazitäten, sogenannte EMTs, mobilisieren kann. Die EMT-Initiative wurde von der WHO nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti 2010 gegründet und wuchs rasch zu einem Netzwerk von qualifizierten Teams aus Medizinern, Pflegepersonen und Einsatzkräften heran. Die WHO hat bisher schon 37 internationale Teams geprüft. (1)

Deutschland
Projekt Gesundheitskiosk in Bedrängnis

Die Ampelkoalition will Gesundheitskioske nach dem Vorbild der „Community Health Nurse“ bundesweit zu einem neuen Angebot für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen machen. Nach harter Kritik durch die Ärzteverbände steigen nun auch mit den Hamburger Ersatzkrankenkassen wichtige Finanziers für das Pilotprojekt im Hamburger Stadtteil Billstedt-Horn aus. Damit gerät ein Vorzeige-Projekt von Gesundheitsminister Karl Lauterbach noch vor der Einbringung des Gesetzesentwurfs in den Bundestag in ernsthafte Schwierigkeiten. In sozial benachteiligten Gebieten sind die Lebens- und Gesundheitschancen schlechter als in besser situierten Stadtteilen, heißt es in einer Mitteilung des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss). Das Projekt INVEST Billstedt/Horn in Hamburg zeige exemplarisch, wie sich Gesundheit in sozial benachteiligten Stadtteilen verbessern und der Einsatz vorhandener Ressourcen optimieren lasse. Vermittelt werden im Gesundheitskiosk Arzttermine, Sitzungen beim Psychotherapeuten, Ernährungs- und Sportkurse oder Beratungen zum Umgang mit chronischen Erkrankungen.

Schweiz
Zwingender Einsatz von Generika

Den anstehenden Prämienschock bei den Krankenkassen vor Augen, verständigten sich die Verbände von Krankenkassen, Spitälern, Apotheken und Ärzten mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf einen Weg, um Fehlanreize beim Verkauf von Medikamenten in der Apotheke zu beseitigen. Generika haben in der Schweiz einen deutlich geringeren Marktanteil als in den meisten übrigen Ländern Europas. Zugespitzt lässt sich sagen: Alle werben für mehr Generika, aber niemand stellt die Patienten darauf um. Im Unterschied zum Ausland fehlt der politische Druck auf Ärzte und Spitäler. Es hat auch mit den Patienten zu tun. In der Schweiz genießen Wahlfreiheit, Therapienutzen und Servicequalität einen besonders hohen Stellenwert. Womöglich ist es in der Schweiz aber bald vorbei mit der grenzenlosen Wahlfreiheit. Das BAG schlägt vor, Patienten einen höheren Selbstbehalt zahlen zu lassen, wenn sie auf einem Originalprodukt bestehen. Ist ein günstigeres Präparat erhältlich, sollen sie künftig 50 % statt wie bisher 20 % draufzahlen. (2)

Quellen und weiterführende Lesetipps:

[1] worldhealthorganization

[2]  NZZ am Sonntag | 02.10.2022

Dr. Heinz Brock ist emeritierter Ärztlicher Geschäftsführer des Kepler Universitätsklinikums und Kongresspräsident des Österreichischen Gesundheits­wirtschaftskongresses ÖGWK.
heinz.brock@weitmoser-kreis.at

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