Der Einsatz von „Objectives and Key Results (OKR)“ und Kennzahlen im klinischen Managementsystem erlaubt die flexible Steuerung komplexer klinischer Abläufe und verspricht die präzise Ausrichtung auf strategische Zielvorgaben.
Vor dem Hintergrund der steigenden Erwartungen an Versorgungsqualität, Patientensicherheit, ökonomische Effizienz und Mitarbeiterbindung sehen sich Einrichtungen des Gesundheitswesens zunehmend mit der Herausforderung konfrontiert, unter volatilen und komplexen Rahmenbedingungen tragfähige Steuerungsansätze zu etablieren, die strategische Zielsetzungen mit operativer Umsetzbarkeit nachhaltig verknüpfen. Konventionelle Managementsysteme stoßen zunehmend an ihre Grenzen, wenn es um die flexible Steuerung komplexer klinischer Abläufe und die konsistente Ausrichtung auf strategische Zielvorgaben geht.

Feste Zuordnung. Das OKR-System schafft durch präzise Ziele und messbare Ergebnisse einen strukturierten Rahmen, der Fokus und Transparenz in den Spitälern fördert.
Zwar rücken moderne Ansätze wie Lean Management, Agiles Management oder Evidence-Based Management stärker in den Fokus, doch fehlt es häufig an einer integrierten Steuerungslogik, die operative Verbesserungsprozesse systematisch mit übergeordneten Qualitäts- und Unternehmenszielen verknüpft. In diesem Spannungsfeld erweist sich das OKR-Modell als vielversprechender Ansatz, um strategische Zielklarheit und operative Umsetzung wirkungsvoll zu verbinden – insbesondere in Zusammenschau mit einem leistungsfähigen klinischen Qualitätsmanagement.
Klare Strukturen
Das OKR-System beruht auf zwei komplementären Elementen: Objectives definieren ambitionierte, qualitativ ausgerichtete Zielzustände mit strategischer Orientierung und motivierender Wirkung, während Key Results die Zielerreichung anhand konkreter, messbarer und überprüfbarer Kriterien quantifizieren (vgl. Doerr 2018; Marr 2021).

Durch die Kombination aus strategisch ausgerichteter Zielsetzung und präzise messbaren Ergebniskriterien etabliert das OKR-System ein klar strukturiertes Rahmenwerk, das auf Fokussierung, Transparenz und Verantwortlichkeit ausgerichtet ist. Es fördert nicht nur eine einheitliche Zielklarheit auf allen Organisationsebenen, sondern schafft die Grundlage für eine durchgängige Steuerung entlang relevanter Qualitäts- und Leistungsindikatoren. Gerade im hochkomplexen, stark regulierten Umfeld des Gesundheitswesens, welches von interprofessioneller Zusammenarbeit, begrenzten Ressourcen und kontinuierlichem Verbesserungsbedarf geprägt ist, eröffnet OKR einen wirkungsvollen Ansatz zur Verknüpfung von bereichsübergreifender Koordination und operativer Umsetzungskraft. Damit positioniert sich OKR als tragfähiges Instrument zur zielgerichteten Weiterentwicklung klinischer Qualität im Spannungsfeld zwischen strategischen Anforderungen und praktischer Alltagstauglichkeit.
Der zugrunde liegende Steuerungsprozess folgt einem klar definierten, zyklischen Ablauf, der in regelmäßigen Intervallen durchlaufen wird. Im Mittelpunkt steht kein einmaliger Zielsetzungsakt, sondern ein dynamischer Regelkreis aus Definition, Umsetzung, Evaluation und gezielter Anpassung. Diese wiederkehrende Struktur fördert einen lernenden Organisationsprozess, der sowohl die strategische Orientierung schärft, als auch die operativen Weiterentwicklungen systematisch ermöglicht. Jeder Durchlauf baut auf den Erkenntnissen des vorhergehenden auf und unterstützt so die schrittweise und nachhaltige Etablierung einer zielgerichteten und wirksamen Führungspraxis im klinischen Kontext.

Mit Leben erfüllen
Eine nachhaltige Umsetzung zielorientierter Steuerungsprozesse im Gesundheitswesen setzt deren kulturelle Verankerung über sämtliche Ebenen der Organisation voraus. Nur wenn Zielklarheit, kontinuierliche Verbesserung und Eigenverantwortung nicht als losgelöste Elemente des Managements, sondern als integrale Bestandteile einer lernenden Organisation verstanden werden, entfalten solche Ansätze ihr volles Potenzial. An dieser Schnittstelle kommt im Kontext von Gesundheitseinrichtungen dem klinischen Qualitätsmanagement eine zentrale Funktion zu: Es stellt nicht nur bewährte Strukturen und Methoden bereit, sondern verfügt über eine etablierte Systematik der kontinuierlichen Weiterentwicklung, die eng mit modernen Führungs- und Steuerungsprinzipien kompatibel sind.
Durch die systematische Einbindung in bestehende Managementsysteme, etwa im Rahmen der Qualitätsziele oder im Kontext der Managementbewertung nach ISO 9001 und ISO 7101, lassen sich strategische Zielsetzungen und messbare Resultate strukturell und nachvollziehbar verankern. Methodisch wird dieser Prozess durch bewährte Werkzeuge wie den PDCA-Zyklus, Risiko- und Ursachenanalysen flankiert, die eine strukturierte Umsetzung und Überprüfung ermöglichen. Die Nutzung belastbarer Kennzahlen unterstützt darüber hinaus eine datenbasierte Steuerung und schafft die Voraussetzung für faktengeleitetes Entscheiden sowie gezielte Verbesserungspfade. Diesbezüglich erweist sich das Qualitätsmanagement nicht nur als unterstützendes Element, sondern als tragfähige Plattform, um eine zielgerichtete Steuerung systematisch zu operationalisieren und dauerhaft in einem modernen, strategiegeleiteten Klinikmanagement zu verankern.

Autorin:
Natasa Neuhold, MA, BA
Leitung Stabsstelle Qualitätsmanagement am Kepler Uniklinikum und Abteilungsleitung Integriertes Klinisches Management in der OÖG
Dissertantin am Institut für Management und Ökonomie im Gesundheitswesen – UMIT Tirol
natasa.neuhold@kepleruniklinikum.at
Quellen und Links:
Doerr, J. (2018): Measure What Matters: How Google, Bono, and the Gates Foundation Rock the World with OKRs. New York: Portfolio Penguin.
Marr, B. (2021): Business Trends in Practice: The 25+ Trends That Are Redefining Organizations. Hoboken, Wiley.
Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit dem Kepler Universitätsklinikum. (Entgeltliche Einschaltung)

