Gesundheitsanwendungen: Die Psychologie hinter dem Klick

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Autor: Michaela Endemann-Wright

Warum fühlen sich manche Gesundheitsanwendungen intuitiv an, während andere frustrieren? Die Antwort liegt selten allein in der Technik. Entscheidend ist, wie das System mit der menschlichen Wahrnehmung und Informationsverarbeitung zusammenspielt.

Menschen vergleichen jedes neue System mit den besten Erfahrungen, die sie bereits mit vergleichbaren Anwendungen gemacht haben. Bricht eine Anwendung mit diesen Erwartungen oder überfordert sie die Benutzer, kann die Akzeptanz schnell sinken. Die Folgen reichen von Fehlbedienungen bis zu Kaufabbrüchen, denn die Konkurrenz ist oft nur einen Klick entfernt. Benedikt Salzbrunn, Senior Lecturer & Researcher an der FH Technikum Wien und an der Technikum Wien Academy, sagt: „Reine Oberflächengestaltung greift schon lange zu kurz. UX (User Experience, Red.) betrachtet das Gesamterlebnis.“ Das sei wie bei einer Bahnreise: „Bei der entscheidet auch das Zusammenspiel aus Buchung, Fahrt und Bahnhofsgebäude über den Erfolg.“

Stressresistent.
Beatmungsgeräte müssen unter Druck so fehlerfrei wie möglich zu bedienen sein. Die Gestaltung der Benutzeroberflächen ist dabei entscheidend.

Die Psychologie dahinter

Gesichertes Grundlagenwissen aus den Bereichen Informationsverarbeitung, Wahrnehmung und Entscheidungsfindung helfen zu verstehen, wie Menschen wahrnehmen, denken und entscheiden.

Verena Seibert-Giller ist externe Senior Lektorin an der Technikum Wien Academy und der FH Technikum Wien: „Alle unsere Handlungen und Entscheidungen bauen auf mentalen Modellen (MM) auf, die wir im Zuge unseres Lebens entwickelt haben.“ Diese würden laufend verstärkt oder – seltener – adaptiert. „Ein Reiz ruft das entsprechende MM unbewusst ab. Das können ein Wort oder ein Ort sein. Handlungen entwickeln sich dann wie ein Script.“ Dies passiere insbesondere in stress­belasteten Situationen, auch wenn Reaktionen möglicherweise ungeeignet sind. Um resiliente Systeme zu bauen, müsse man sich damit auseinandersetzen, welche MM, welche Vorstellungswelten die zukünftigen Benutzer zu dem betroffenen Thema oder den Tätigkeiten haben, so die UX-Psychologin.

Wie wichtig das ist, zeigt ein Beispiel aus dem medizinischen Umfeld. Technikum-Wien-Forscher Benedikt Salzbrunn: „Bei einem Jet-Beatmungsgerät mit rein berührungsempfindlichem Display im OP-Umfeld zeigte sich, dass eine am Zeichentisch logische Bedienung unter Zeit- und Handlungsdruck ohne haptisches Feedback zu Fehlbedienungen führen kann. Erst empirisches Testen stellt sicher, dass Systeme das Personal in kritischen Momenten intuitiv unterstützen.“ Gleichzeitig sinkt offenbar die Bereitschaft, viel Zeit in die Einarbeitung zu investieren. Dazu Seibert-Giller: „Während man früher froh sein musste, dass es eine digitale Lösung/Unterstützung gibt, erlaubt die heutige vielfältige Auswahl, kritischer und anspruchsvoller zu sein, und man bekommt zu hören warum dies nicht so einfach wie bei XY sein könne.“

UX als Wirtschaftsfaktor

Wer die psychologischen Prinzipien hinter der Mensch-Computer-Interaktion berücksichtigt, kann Systeme entwickeln, die verständlicher und leichter bedienbar sind – und Frustration möglichst gar nicht erst entstehen lassen. Damit wird UX zum wirtschaftlichen Faktor. Tools wie die „Psychology Lens“ unterstützen dabei, psychologische Erkenntnisse bereits in der Entwicklung zu berücksichtigen. Auch Weiterbildungen setzen hier an. Das vor zehn Jahren gestartete MBA-Programm „UX Management“ an der FH Technikum Wien verbindet Produktentwicklung, Technik, Psychologie und Management. Ergänzt wird das Angebot durch eine lebendige UX-Community in Wien, die Unternehmen für das Thema sensibilisiert. 

Quellen und Links:

Menschliche Denk- und Verhaltensweisen verstehen lernen:
academy.technikum-wien.at/seminare/user-experience-psychology

Applied psychology at your fingertips:
uxpsychology.at/ux-psychology-lens

Technikum Wien UX Summit 2026:
academy.technikum-wien.at/technikum-wien-ux-summit-2026