Roche-Chef: Europa droht Rückfall bei Pharma-Innovationen

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Autor: Scho

Europa droht nach Einschätzung von Roche-Chef Thomas Schinecker in der Medikamentenforschung weiter hinter die USA und China zurückzufallen. Europa sei bereits weit abgeschlagen und habe in den meisten Branchen das Rennen verloren, sagte Schinecker der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Grund dafür seien eine ausufernde Bürokratie und eine Politik, die Arbeitsplätze gefährde.

Unlogische Vorschriften würden Innovationen bremsen und eine der wenigen verbliebenen industriellen Stärken der Region untergraben. „Pharma ist noch eine der Branchen, in denen Europa mitmischen kann, aber es müssen die richtigen Entscheidungen getroffen werden“, erklärte der Manager.

Hintergrund der Warnungen ist die Preispolitik von US-Präsident Donald Trump. Dessen Regierung will die Medikamentenpreise auf dem lukrativen US-Markt an die niedrigeren Preise in anderen Ländern, darunter in Europa, koppeln. Um zu verhindern, dass günstige europäische Preise als Maßstab für den US-Markt herangezogen werden und dort die Gewinne schmälern, zögern viele Pharmakonzerne derzeit mit Markteinführungen in Europa. Seit Einführung dieser US-Politik im Mai vergangenen Jahres ist die Zahl der neuen Medikamenteneinführungen in Europa einer Analyse von GlobalData zufolge um rund ein Drittel gesunken.

Zum anderen sorgen nationale Kostendämpfungspläne für massiven Unmut in der Branche. So drohte AstraZeneca-Chef Pascal Soriot im „Handelsblatt“, wegen des geplanten Sparpakets der Bundesregierung für die gesetzliche Krankenversicherung ab dem kommenden Jahr keine neuen Medikamente mehr in Deutschland auf den Markt zu bringen.

Im Gegensatz zu AstraZeneca wollen Roche und der französische Konkurrent Sanofi neue Medikamente trotz der Kritik weiterhin in Europa auf den Markt bringen. So bereitet Roche etwa die Einführung des Brustkrebsmittels Giredestrant vor, für das der Konzern bis Ende des Jahres auf eine US-Zulassung hofft. Schinecker betonte, Roche verhandle derzeit mit den Regierungen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien über Preise und Innovationsanreize. Reiche Länder müssten ihren fairen Beitrag leisten, damit die Forschung finanziert und der Zugang zu Medikamenten in ärmeren Märkten erhalten bleibe.

Auch Sanofi-Finanzchef Francois-Xavier Roger bekräftigte die Absicht, neue Präparate in Europa einzuführen. Die US-Politik zwinge das Unternehmen jedoch dazu, das eigene Vorgehen zu überdenken und einige Preise anzuheben.

(APA/Reuters/red.)

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