Transkulturelle Kompetenz in der Ernährung - wie kulturelle Vielfalt schmeckt

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Diätologie-Studierende der FH Gesundheitsberufe OÖ probierten sich in der Lehrveranstaltung „Transkulturelle Kompetenz in der Ernährung“ in der vielfältigen Welt des Essens aus. Sie besuchten Supermärkte anderer Länder, kauften ein, ließen sich die traditionellen Gerichte erklären und kochten drauf los. So entstand ein bunter Bogen an Köstlichkeiten von Japan, Thailand, Persien und Südamerika bis nach Russland. Und parallel dazu entwickelte sich Verständnis für andere Kulturen, was im therapeutischen Setting für DiätologInnen sehr wichtig ist.

Waren wir nicht alle schon neugierig auf die Kulinarik anderer Länder bei Urlaubs- oder Geschäftsreisen? Und haben wir uns nicht gefreut, nach der Rückkehr wieder vertraute und bekannte Gerichte zu genießen? In einer globalisierten Welt haben wir nahezu täglich mit unterschiedlichen Kulturen zu tun. Seien es Mitarbeiterinnen oder Kolleginnen oder im Gesundheitsbereich auch PatientInnen. Und wer weiß schon wirklich, wie man Mochi (Japan) macht oder was ein Shorbet Adas (Ägypten) ist, dass Gallo Pinto aus Nicaragua kommt und Rivani ein türkischer Grießkuchen ist – und zu welchen Anlässen und Feiern diese Gerichte auf den Tisch kommen.

Auf Grund dieser Bedeutung und um das Verständnis anderer Kulturen in Bezug auf Essen & Trinken zu erhöhen, ist im Curriculum des Bachelor-Studienganges Diätologie die Lehrveranstaltung „Transkulturelle Kompetenz in der Ernährung“ im 1. Semester mit einem Umfang von 17 Einheiten vorgesehen. Geleitet wird die Lehrveranstaltung von Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Anna M. Dieplinger, die mit ihrem beruflichen Hintergrund aus dem Gesundheitswesen und aus der Soziologie dieses Thema umfassend beleuchtet.

Die Herausforderung beginnt im Laden

Die Diätologie-Studierenden der FH Gesundheitsberufe OÖ haben sich der Herausforderung gestellt. Zunächst suchten sie sich ein Geschäft, wo traditionelle und ländertypische Lebensmittel zu kaufen sind. Im Geschäft selbst standen sie dann vor großen Herausforderungen, z.B. der Beschriftung der Lebensmittel in der Ursprungssprache. Meist erklärten die VerkäuferInnen aber, um welche Lebensmittel es sich handelt, und auch, wie sie zubereitet werden, was im jeweiligen Land dazu gegessen/getrunken oder zu welchen Anlässen es gekocht wird.

Die Studierenden sagen heute, dass sie zuvor keinen Anlass hatten in einen kulturspezifischen Shop zu gehen. Sie haben aber so viele positive Erfahrungen erleben dürfen – zum einen das sehr spezielle Lebensmittelangebot in diesen Shops und zum anderen die Freude der Verkäufer*innen über das Interesse an den Zutaten und der traditionellen Zubereitung von Gerichten. „Die Studierenden haben sich sehr engagiert mit den Themen interkulturelle Ernährung auseinandergesetzt. Sie zeigten sich experimentier- und kontaktfreudig, probierten Rezepte und Zubereitungsformen aus und berichteten über ihre Erfahrungen. Die Theorie sollte immer auch der Praxis folgen, um letztlich den Nutzen des Gelernten darzustellen. Solche Experimente sind es, an die man sich erinnert.“ bestätigt Anna Dieplinger den Nutzen dieser Lehrveranstaltung.

Das Kochen der Gerichte stellte die Studierenden vor weitere Herausforderungen: Dass die japanische Süßspeise – runde Teigbällchen – auch wirklich rund werden, oder wie man Lemongras dann tatsächlich in der Sauce verwendet, welche Varianten es beim Kochen mit Bulgur und Couscous gibt oder welche Eigenschaften bis dato unbekannte Zutaten haben.

Digitales kochen

Die sonst in Präsenz stattfindende Lehrveranstaltung und das anschließende gemeinsame Kochen mussten aufgrund der div. Covid-Auflagen online durchgeführt werden, die Studierenden kochten die Gerichte zu Hause nach, erstellten Fotos und Dokumentationen.

Das Verständnis für andere Kulturen ist für Diätologinnen im therapeutischen Setting enorm wichtig. Das Wissen um typische Lebensmittel, Zubereitungsarten und traditionelle Gerichte erleichtert den Gesprächseinstieg, fördert Empathie und ist für die Kommunikation auf Augenhöhe wichtig – im therapeutischen Setting genauso wie mit Kolleginnen und im privaten Kreis. „Die Lehrveranstaltung „Transkulturelle Kompetenz in der Ernährung“ bereitet die Studierenden auf den Berufsalltag vor und fördert im Zusammenhang mit anderen Lehrveranstaltungen wie Lebensmittelkunde oder Ernährungsökologie das Verständnis für Kulinarik, Kultur und Nachhaltigkeit.“ so Klaus Nigl, Studiengangsleiter Diätologie.

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