Universitätsstudie der MedUni Graz untermauert Evidenz osteopathischer Behandlungen

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Autor: Scho

Über 10% der Bevölkerung über 15 Jahre suchen laut einer Umfrage der Statistik Austria 2019 zumindest einmal im Jahr eine Osteopathin bzw. einen Osteopaten auf. Anders als in anderen europäischen Ländern, kann Osteopathie in Österreich nicht als eigenständiger Gesundheitsberuf ausgeübt werden, sondern nur als Ergänzung, sofern man eine ärztliche Approbation hat oder als Physiotherapeutin oder Physiotherapeut arbeitet. Die Österreichische Gesellschaft für Osteopathie (OEGO) als freiwillige Standesvertretung hat es sich zur Aufgabe gemacht, für ihre Berufsgruppe die gesetzliche Anerkennung zu erwirken. Mit einem international anerkannten akademischen Ausbildungscurriculum und klaren Qualitätskriterien will man sich im Sinne der Patientensicherheit von Trittbrettfahrern und oftmals gleichlautenden esoterischen Praktiken abgrenzen, erläuterte die Präsidentin der OEGO, Margit Halbfurter, MSc, D.O. zur Einleitung des dritten Talks bei den PRAEVENIRE Gesundheitsgesprächen in Alpbach 2022.

„Die Osteopathie leistet einen wertvollen und entscheidenden Beitrag im österreichischen Gesundheitssystem und trägt mit ihrer Arbeit bedeutend zur Lebensqualität der Patientinnen und Patienten bei“, zitierte Halbfurter den österreichischen Gesundheitsminister Johannes Rauch. Auch wenn seitens der Bevölkerung die Nachfrage an osteopathischen Behandlungen groß war, fehlte bislang der wissenschaftliche Nachweis der Evidenz für die Wirksamkeit der Osteopathie.

Überprüfung der Wirksamkeit

In ihrer Keynote präsentierte Univ.-Prof. Dr. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Vorständin des Instituts für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung der MedUni Graz, erste Ergebnisse aus ihrer jüngsten Studie zur „Wirksamkeit und Sicherheit osteopathischer Behandlungen“. In Erweiterung des 2018 erstellten Quick-Assessment Report der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) zu osteopathischen Behandlungen bei ausgewählten Indikationen, ging Siebenhofer-Kroitzsch folgenden Fragen nach: Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit osteopathischer Behandlungen von Personen jeglichen Alters mit Erkrankungen/Beschwerden aus den Bereichen Orthopädie, Pädiatrie, Gynäkologie, Innere Medizin, Onkologie, Neurologie, Zahn- und Kieferheilkunde oder Urologie. Bewertet wurden ausschließlich manuelle osteopathische Interventionen.

Untersucht wurden dazu wissenschaftliche Studien und Publikationen. In Ihrer Analyse kam Siebenhofer-Kroitzsch zusammengefasst auf folgende Ergebnisse: Osteopathische Behandlungen sind bei erwachsenen Personen mit chronischen nicht-onkologischen Schmerzen, chronischen Kreuzschmerzen (auch während der Schwangerschaft), akuten Nackenschmerzen und bei frühgeborenen Säuglingen wirksam. Eine mögliche Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen besteht bei erwachsenen Personen mit chronischen Nackenschmerzen, postpartalem Kreuzschmerz, Migräne, Reizdarmsyndrom und bei Kindern mit Otitis media. Für alle übrigen Indikationen konnte die Wirksamkeit aufgrund eines fehlenden Nachweises oder unzureichender bzw. fehlender Evidenz nicht gezeigt werden. Osteopathische Maßnahmen scheinen (bei eingeschränkter Dokumentation) kein erhöhtes Schadenpotenzial für osteopathische Behandlungen von erwachsenen Personen aufzuweisen.

Einhellig als „mutig“ und „notwendig“ beurteilten die Gesundheitsexpertinnen und -experten bei der anschließenden Podiumsdiskussion den Schritt der OEGO, die Behandlungsmethoden einer wissenschaftlichen Evidenzprüfung zu unterziehen. Auch die Schärfung des Ausbildungs- und Behandlungsprofils sowie die Abgrenzung zu teils unseriösen Behandlungsangeboten wurde positiv aufgefasst, denn sie seien der entscheidende Schritt, um die Osteopathie in die Gesundheitsversorgung integrieren zu können.

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