Wiener Rechnungshof kritisiert Zahl der Spitals-Gangbetten

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Autor: Scho

Der Wiener Stadtrechnungshof hat in einem von mehreren veröffentlichten Prüfberichten zum Wiener Gesundheitsverbund unter anderem die Anzahl der Gangbetten in den städtischen Spitälern bekrittelt. Die Zahl der länger als 24 Stunden am Gang abgestellten Betten stieg von rund 1.260 im Jahr 2018 auf knapp 2.140 im Jahr 2022. Zurückgeführt worden sei die Entwicklung auf eine regelmäßige Überlastung der vorhandenen Bettenkapazitäten, hieß es.

Im Gesundheitsverbund habe man erläutert, dass man aufgrund des Versorgungsauftrages auch bei hoher Bettenauslastung neue Patientinnen bzw. Patienten aufzunehmen müsse, ist im Bericht zu lesen. Verantwortlich für die Entwicklung seien dabei etwa die Verteilung der Rettungsanfahrten innerhalb Wiens gewesen. Andererseits hätten vielfach sehr betagte Patientinnen bzw. Patienten, welche keiner unfallmedizinischen Versorgung mehr bedurften, aufgrund anderer Krankheitsbilder nicht entlassen bzw. zur weiteren Behandlung verlegt oder transferiert werden können.

Insgesamt war laut Stadt-RH ersichtlich, dass die Anzahl der länger als zwölf Stunden aufgestellten Gangbetten von 2018 auf 2019 zunächst deutlich reduziert wurde und dann im Jahr 2022 wieder sprunghaft anstieg. Die länger als 24 Stunden aufgestellten Gangbetten machten davon im Jahr 2018 rund 13 Prozent und im Jahr 2022 dann schon 38 Prozent aus. Verantwortlich für den Anstieg waren vor allem Abteilungen – unter anderem die Unfallchirurgie – in den Kliniken Ottakring und Donaustadt.

Von den Abteilungen wurde laut Prüfbericht aber auch darauf hingewiesen, dass auf Überbeläge, die in der Statistik aufscheinen, nicht immer mittels Gangbetten reagiert wurde, sondern mit der Unterbringung in an sich gesperrten Betten in regulären Zimmern. Und: Stark alkoholisierte, aggressive oder auch verwirrte Patientinnen bzw. Patienten seien oftmals in ihren Betten in der Nähe der Stationsstützpunkte platziert worden, um aus Sicherheitsgründen erforderliche „Draufsicht“ gewährleisten zu können, hieß es.

Der Stadt-RH empfahl jedenfalls „zweckmäßige und nachhaltige Lösungen“ zu erarbeiten. Dabei wären allenfalls die Verantwortlichen der betreffenden Abteilungen sowie weitere, an den Versorgungsprozessen Beteiligte – also etwa Rettungsorganisationen, andere Krankenanstaltenträger, der Fonds Soziales Wien und Pflegeeinrichtungen – einzubeziehen, befand man.

Kritik von FPÖ und ÖVP

Die Opposition reagierte mit Kritik. Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp sprach von „unhaltbaren Zuständen“. Er verwies auf einen weiteren Passus im Bericht, wonach zahlreiche Posten unbesetzt seien. „Ärzte und Pflegekräfte laufen regelrecht in Scharen davon, weil die Arbeitsbedingungen unerträglich geworden sind“, befand er. Verantwortlich sei dafür Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), der nun Konsequenzen ziehen müsse.

ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec prangerte „Fehlplanungen“ und „Missmanagement“ im Gesundheitsverbund an. Zahlreiche Abteilungen würden unter Personalengpässen leiden, beklagte sie. Es seien auch die Überlastungsanzeigen seit 2016 massiv gestiegen, erwähnte sie einen weiteren in den heutigen Berichten erörterten Punkt. Deren Anzahl ist demnach von 13 im Jahr 2016 auf 117 im Jahr 2022 geklettert.

(APA/red.)

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