Immer mehr Schlaganfälle werden durch Operation vermieden

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Carotisstenose: Diese Diagnose erhalten viele Menschen, besonders ab 60, aber durchaus auch in jüngeren Jahren. Sie bezeichnet Ablagerungen an den Gefäßwänden der Halsschlagadern (Arteria carotis). Lösen sich kleine Teile davon ab, gelangen diese mit dem Blutstrom ins Gehirn und können dort einen Schlaganfall auslösen. Schon zuvor können Durchblutungsstörungen auftreten, die sich in Alarmzeichen wie „eingeschlafenen“ Gliedmaßen, Sehstörungen oder Schwindelattacken äußern.

Oft bleiben die Ablagerungen jedoch lange Zeit unentdeckt, weil es keine Anzeichen dafür gibt. Erst eine Ultraschalluntersuchung bringt die potenzielle Gefahr dann an den Tag. Zu den Risikofaktoren zählen Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Diabetes, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Ein gesünderer Lebensstil ist in jedem Fall wichtig, doch nicht immer ausreichend, um das Fortschreiten der Stenose zu stoppen.

Heuer schon fast 50 Fälle

„Ab einem bestimmten Ausmaß der Verengung kann eine Operation entscheidend dazu beitragen, die Entwicklung eines Schlaganfalls zu verhindern“, erklärt Oberarzt Dr. Gilbert Hainzl, der Leiter des Gefäßzentrums im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried. Der Eingriff erfolgt einerseits nach einem Schlaganfall, um weitere zu vermeiden, andererseits beim Zusammentreffen spezieller Risikofaktoren auch vorbeugend, vor dem Auftreten von Symptomen.

Heuer wurden im Innviertler Schwerpunktspital bereits knapp 50 Patientinnen auf diese Weise behandelt – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren (2021 waren es im Gesamtjahr 34). Angesichts der steigenden Lebenserwartung werden präventive Carotis-Eingriffe längst auch bei über 80-jährigen Patientinnen erfolgreich vorgenommen.

Bei dieser Operation (Endarteriektomie) wird die betroffene Halsarterie freigelegt, geöffnet und „ausgeräumt“. Nach Entfernung der Ablagerungen wird das Blutgefäß wieder verschlossen. Durchblutung und Sauerstoffsättigung im Gehirn werden während des gesamten Eingriffs, der in Vollnarkose erfolgt, mit modernster OP-Technologie lückenlos überwacht. In bestimmten Fällen kann es erforderlich sein, das verengte Gefäß durch ein Implantat (Stent) offenzuhalten, welches über die Leistenarterie eingeführt wird. Auch dieser Eingriff wird im Gefäßzentrum Ried durchgeführt.

Teamwork

„Alle Operationen im Rieder Gefäßzentrum werden von eingespielten Teams nach fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen und aktuellen Standards in konstant hoher Qualität vorgenommen“, betont Gefäßchirurg Gilbert Hainzl. Welche Therapie jeweils optimal ist, wird für jede Patientin, jeden Patienten im „Gefäßboard“ – einer Runde von Spezialistinnen verschiedener medizinischer Fachgebiete – individuell analysiert und festgelegt. ExpertInnen aus Chirurgie, Neurologie, Radiologie, Kardiologie und Innerer Medizin arbeiten im Gefäßzentrum eng zusammen. Auch die Gefäßambulanz wird interdisziplinär geführt.

„Zusammen mit der Stroke Unit – der einzigen Schlaganfall-Spezialeinheit im Innviertel – sichert das Gefäßzentrum unseres Krankenhauses den Menschen in der Region bei Schlaganfällen nicht nur kompetente Therapie, sondern auch wirkungsvolle Prävention“, unterstreicht der Ärztliche Direktor Dr. Johannes Huber.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Hollabrunn: Prüfung mit Simulationspatienten in der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege

Hollabrunn: Prüfung mit Simulationspatienten in der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege

In der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege Hollabrunn wird - zusätzlich zum klassischen Unterricht - ein simulationsbasiertes Ausbildungs- und Prüfungsformat im Rahmen der Pflegeassistenz-Ausbildung angeboten. Dadurch wird die praktische Ausbildung hinsichtlich Patientinnen- und Patientenkontakt optimal vorbereitet und ergänzt.

Steirischer LH Drexler vermisst Effekte der Kassen-Fusion

Steirischer LH Drexler vermisst Effekte der Kassen-Fusion

Christopher Drexler (ÖVP) sieht in der Zwischeneinigung zum Finanzausgleich lediglich einen "vertretbaren Kompromiss". Auch gegen Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) teilte der Landeshauptmann aus: Der sei ein bisschen sensibel.