Der Pharmakonzern MSD betreibt in einem kleinen Schweizer Dorf eines seiner drei forensischen Labore. Die Aufgabe: nachgemachte Medikamente zu enttarnen. Der Kampf gegen eine milliardenschwere Fälscherindustrie ist zäh.
Schachen hat nichts Weltläufiges. Das Dorf liegt 18 Kilometer westlich von Luzern, eingebettet in sanfte Hügel, mit einem ländlichen Ortskern aus Gasthäusern, kleinen Lebensmittelgeschäften und schmucken Einfamilienhäusern. An der Ortsperipherie ist von Idylle keine Spur: Dort regiert der Charme von Logistikterminals, Bauhöfen und Hundetrainingsplätzen. Mitten in diesem funktionalen Gewerbegebiet steht das Forschungs- und Entwicklungszentrum von MSD Schweiz. Hinter den Glastüren wartet ein wichtiger Bereich der europäischen Arzneimittelsicherheit. Im forensischen Labor von MSD untersuchen Fachleute mit Schutzbrillen, Handschuhen und Spektroskopen, ob eine Pille oder Ampulle echt ist oder aus einer illegalen Hinterhofproduktion stammt.

CSI auf Schweizer Art.
Laut WHO sind in manchen Weltregionen 30 Prozent aller verkauften Medikamente Fälschungen.
Milliardengeschäft
Die Atmosphäre in den Labors ist gelassen – von krimineller Spannung keine Spur. Zuerst wird die Verpackung geprüft – Papierqualität, Falzung, Farbauftrag. Dann folgen optische Analysen der Tabletten oder Arzneifläschchen. Manche Fälschungen entlarven sich sofort: zu tief gravierte Tabletten, fehlerhafte Akzente in Fremdsprachen, Übersetzungen wie „do not buy this product“ statt „do not buy this product if it’s been opened“.
Meist reichen die oberflächlichen Untersuchungen. Bei komplizierteren Fällen kommen chemische Analysen, UV-Licht oder Infrarotspektroskopie zum Einsatz. Schwierig wird es bei Biopharmaka und Biosimilars: Die Untersuchung biotechnologischer Medikamente ist besonders anspruchsvoll, weil deren Molekülstrukturen deutlich empfindlicher sind als die klassischer synthetischer Arzneistoffe.
Schachen ist neben Standorten in den USA und Singapur einer von drei forensischen MSD-Laboren weltweit. In Schachen landen verdächtige Proben aus Europa und Afrika, in der Regel eingeschickt von Apothekern und Medizinern. MSD-Mitarbeitende suchen nur in den eigenen Produkten nach Fälschungen. Gesetzlich ist das nicht vorgeschrieben. Ein Rückruf ist aber teuer und schadet dem Ruf des Unternehmens. Die Dimension des Problems ist enorm: Laut Weltgesundheitsorganisation sind je nach Weltregion zwischen zwei und 30 Prozent aller verkauften Medikamente Fälschungen. MSD schätzt den weltweiten Umsatz der Fälscherindustrie auf bis zu
400 Milliarden Dollar.
Die Folgen der Schattenindustrie sind dramatisch. Die WHO geht davon aus, dass jedes Jahr Tausende Menschen an gefälschten oder qualitativ minderwertigen Medikamenten sterben. Besonders häufig betroffen sind teure Präparate wie Krebs- oder Schmerzmittel sowie Lifestyle-Produkte, die über dubiose Onlineportale bestellt werden. Auch der Produktpirateriebericht aus Österreich zeigt die wachsende Dimension: 2024 wurden 7.147 Sendungen mit insgesamt 378.109 illegalen oder gefälschten Arzneimitteln beschlagnahmt – ein Anstieg um sechs Prozent gegenüber 2023.
Europa verschärft die Kontrollen
Seit 2019 wird es den organisierten Banden jedoch schwerer gemacht. Mit der verpflichtenden Serialisierung verschreibungspflichtiger Medikamente – eingeführt durch die EU-Fälschungsrichtlinie 2011/62/EU und die Delegierte Verordnung (EU) 2016/161 – muss jede Packung einen individuellen 2D-Code sowie eine eindeutige Seriennummer tragen. Hersteller spielen die Daten in ein EU-weites System ein, Apotheken und Krankenhäuser buchen die Packung bei der Abgabe digital aus. Auf diese Weise lässt sich jede einzelne Schachtel zurückverfolgen; Manipulationen werden sofort sichtbar. Österreich setzt das System über die AMVO (Austrian Medicines Verification Organisation) und das AMVS (Austrian Medicines Verification System) um, das die nationalen Packungsdaten verwaltet und mit dem EU-Hub verbunden ist. Für die Fachleute in Schachen bleibt die Arbeit dennoch anspruchsvoll. Die Fälscher werden immer professioneller, die Imitate immer gefährlicher. Und die Online-Konsumenten immer leichtfertiger.
Compliance Hinweis:
Diese Berichterstattung erfolgt im Rahmen einer Pressereise auf Einladung von MSD Österreich. Der Artikel wurde in ausschließlicher redaktioneller Verantwortung der ÖKZ-Redaktion erstellt.

