Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen (M&M-Konferenzen) sind ein international etabliertes Besprechungsformat zur strukturierten, retrospektiven Aufarbeitung besonderer Behandlungsverläufe oder Vorkommnisse wie Komplikationen, unerwartete Todesfälle etc. Das Ziel ist es, Fehler interdisziplinär zu analysieren und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung abzuleiten.
Im Universitätsklinikum Krems sind M&M-Konferenzen ein etabliertes Tool im klinischen Risikomanagement. Bereits 2012 wurden die ersten moderierten Konferenzen abgehalten, über die Jahre wurde dann ein duales System aufgebaut. Einerseits die „geplanten“ Konferenzen, in denen erst ältere, dann immer neuere Fälle aufgerollt wurden. Diese Konferenzen dienen vorwiegend der Weiterbildung. Andererseits gibt es anlassbezogene Konferenzen, welche direkt nach einem Ereignis den Zweck der Aufarbeitung und Maßnahmenableitung erfüllen. Zusätzlich wurden aufgrund der Zertifizierungsvorbereitungen zum Lungenkrebszentrum im Jahr 2021 die ersten rein onkologischen M&M-Konferenzen etabliert. Seit 2022 werden zusätzlich auch M&M-Konferenzen speziell für das Prostatakrebszentrum durchgeführt.

Für verbessertes Risikomanagement.
(l.n.r) Prim. Clin. Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Petra Georg, MBA, Prim. Clin. Ass. Prof. Dr. Elisabeth Stubenberger, PD Dr. med. habil. Robert Scheubel, Prim. Clin. Ass. Prof. Dr. Peter Errhalt, Katharina Linsbauer, MA.
Ablauf und Struktur der M&M-Konferenzen
Die M&M-Konferenzen der Onkologischen Zentren sind entsprechend der Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zweimal jährlich mit insgesamt 6 Nennfällen für das Organkrebs- bzw. Onkologische Zentrum abzuhalten. Das Datum der M&M-Konferenzen wird im Universitätsklinikum Krems ein Jahr im Voraus durch die Qualitätsmanagementbeauftragte bzw. den -beauftragten festgelegt und rechtzeitig an die Zentren, deren Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner, Kolleginnen und Kollegen innerhalb der NÖ Landeskliniken sowie den Zuweiserinnen und Zuweisern schriftlich per E-Mail kommuniziert. Die konkreten Fälle werden, sofern fachlich vertretbar, von der jeweiligen Abteilung bis zur nächsten Konferenz gesammelt.
Folgende Behandlungspartner werden standardmäßig im Universitätsklinikum Krems zu jeder M&M-Konferenz der Onkologischen Zentren eingeladen:
– Internistische Onkologie
– Strahlentherapie-Radioonkologie
– Pathologie
– Radiologie
Ebenso haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem pflegerischen Bereich und weitere Schnittstellenbereiche wie Psychotherapie, Sozialdienst, Diätologie, etc. die Möglichkeit, an den M&M-Konferenzen der Onkologischen Zentren teilzunehmen, um einen interprofessionellen und offenen Austausch im Zentrum zu forcieren.
Im Rahmen der Vorbereitung für die geplante M&M-Konferenz werden die M&M-Fälle im Vorfeld durch die meldende Abteilung im Rahmen einer Power-Point-Präsentation pseudonymisiert aufbereitet und kurz vorgestellt, wobei die M&M-Konferenzen durch die Zentrumskoordination des jeweiligen Zentrums moderiert werden. Für die Teilnahme an der M&M-Konferenz erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des medizinischen Bereichs DFP-Punkte.
Dokumentation und Maßnahmenevaluierung
Die behandelten Fälle bzw. die Ergebnisse der M&M-Konferenzen werden in einem Dokumentationsblatt gemäß IQM-Leitfaden durch die meldende Abteilung anonymisiert erfasst. Für die Maßnahmenverfolgung wurde im Universitätsklinikum Krems durch das Qualitätsmanagement eine zentrale Maßnahmenliste entwickelt, in der komplexere bzw. längerfristige Maßnahmen aus den M&M-Konferenzen neben anderen Maßnahmen aus weiteren Steuerungselementen der Onkologischen Zentren erfasst werden. Die Maßnahmen aus der Maßnahmenliste werden standardmäßig in den laut DKG durchzuführenden Qualitätszirkeln evaluiert. Seit 2022 wurden aus den M&M-Konferenzen der Onkologischen Zentren über 70 Maßnahmen abgeleitet. Diese reichen von scheinbar „kleinen“ Dingen wie z.B. einer Ergänzung auf einer bestehenden Checkliste bis hin zu größeren Prozessänderungen.
M&M-Konferenzen in der NÖ LGA
Ziel: Retrospektive Aufarbeitung von Komplikationen, ungewöhnlichen Behandlungsverläufen und Todesfällen unter Einbeziehung aller Berufsgruppen und Disziplinen, die am Fall beteiligt waren
Allgemeines: Klare Abgrenzung zu einer klinischen Fallkonferenz einer medizinischen Disziplin, an der keine weiteren Berufsgruppen beteiligt sind
Bereitstellung von standardisierten Unterlagen für die Vor- und Nachbereitung einer M&M-Konferenz und für deren strukturierte Dokumentation. 50% der Sentinelfälle aus den A-IQI werden in M&M-Konferenzen behandelt
Ausbildung von M&M-Moderator:innen in der NÖ LGA
Zielgruppe: Mitarbeitende aus dem medizinischen Bereich, Pflege- und Therapiebereich und Qualitäts- sowie Risikomanagement
Inhalte der Ausbildung: M&M-Grundlagen (1), Moderation, praktische Rollenspiele und Interventionsmöglichkeiten in schwierigen Situationen
M&M-Netzwerktreffen
Ein bis zwei M&M-Netzwerktreffen werden pro Jahr für M&M-Moderator:innen und interessierte Personen in der Zentrale der NÖ LGA veranstaltet. Diese dienen vor allem dem Austausch zu Erfolgsfaktoren und Hindernissen für M&M-Konferenzen.
Anmeldung und Informationen: mm-konferenzen@noe-lga.at
1) Anhand der Leitfäden für Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen der Bundesärztekammer Deutschland und der Patientensicherheit Schweiz
Herausforderungen und Verhaltensgrundsätze
Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten von M&M-Fällen lassen sich bereits vorab Schnittstellen, bei welchen ein Verbesserungspotenzial gegeben ist, identifizieren. Eine entsprechende Aufarbeitung kann nur durch Anwesenheit aller am Prozess beteiligten Bereiche stattfinden. Demnach müssen schon während der Vorbereitung Vertreterinnen und Vertreter der jeweiligen Abteilung zur M&M-Konferenz geladen werden, um im Zuge des interdisziplinären Austausches eine gemeinsame Aufarbeitung sicherstellen zu können.
Durch die Aufarbeitung der Fälle soll die bestmögliche Behandlung von Patientinnen und Patienten sichergestellt werden – von konkreten Schuldzuweisungen, wieso und weshalb eine Komplikation entstand, wird im Zuge der Konferenz jedoch klar abgesehen. Der Fokus der M&M-Konferenz liegt auf der Maßnahmenableitung und der Vermeidung von ähnlichen Situationen.
Nach jedem M&M-Fall ist ausreichend Zeit für fachliche Diskussionen mit dem Ziel der Fallaufarbeitung eingeplant. Im Zuge dieser Diskussionen ist ein wertschätzender Umgang Grundvoraussetzung und wird im Universitätsklinikum auch so gelebt.
„Durch die Strukturen, welche die DKG vorgibt, wurde das strukturierte Aufarbeiten von Zwischenfällen und Komplikationen im klinischen Alltag zur Routine. Was früher noch „außergewöhnlich“ war, ist nun Teil des „Daily Business“ – es gibt etablierte Prozesse, wer wann welche aufgetretenen Komplikationen einbringt, klare Meldewege innerhalb des Klinikums und eine Verbindlichkeit bei der Maßnahmenableitung innerhalb der Abteilung“, ziehen die Zentrumskoordinatorinnen der onkologischen Zentren als Fazit.
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Kristina Wallerer, MA & Nicole Karall, MA
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Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit der NÖ Landesgesundheitsagentur. (Entgeltliche Einschaltung)

