Der FTI-Pakt ist das zentrale Finanzierungsinstrument der österreichischen Forschungspolitik. Am Geld mangelt es nicht. Allerdings erzeugt der finanzielle Aufwand nicht den erwarteten Output.
Die Nachricht klang gut – jedenfalls auf den ersten Blick: „Keine Kürzungen“ im nächsten Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt (FTI-Pakt) für 2027 bis 2029 stellte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) am Rand der „Technology Talks Austria“ im September in Aussicht. „Hier ziehen die drei Forschungsressorts sehr stark an einem Strang“, betonte Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ). „Derzeit ist festgelegt, dass der FTI-Pakt für die Jahre ab 2027 nominell stabil bleibt“, unterstrich Florian Frauscher, Sektionsleiter im Wirtschaftsministerium, die Aussage seines Ministers.
Momentan finden die Verhandlungen zwischen den zuständigen Ressorts – dem federführenden Wissenschaftsministerium, dem Infrastrukturministerium und dem Wirtschaftsministerium – und dem Finanzministerium über den FTI-Pakt statt. Der FTI-Pakt ist das zentrale Finanzierungsinstrument der österreichischen Forschungspolitik. Er wurde 2021 als „koordinierte Mehrjahresplanung“ für öffentliche Forschungsausgaben eingeführt und bündelt die Fördermittel der Ressorts. Er dient der langfristigen Absicherung der zentralen Forschungsagenturen wie FFG, FWF oder AIT. In der laufenden Förderperiode von 2024 bis 2026 stehen insgesamt rund fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Bis Ende des Jahres soll das Budget für die kommende Phase bis 2029 vorliegen.

Smarte Forschung.
Österreich will bis 2030 die Forschungsquote auf 4 Prozent hochtreiben. Dafür müsste man die verfügbaren Mittel klüger einsetzen, fordern Forschende.
Placebo für Forscher
Die Aussagen der Ministerien sind dazu gedacht, die heimische Forschungs-Community zu beruhigen. Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 seine Forschungsquote – das sind die Forschungsausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – von derzeit rund 3,3 Prozent auf vier Prozent zu erhöhen. Hält man die Ausgaben stabil und berücksichtigt die Inflation, kommt ein Schritt zurück heraus.
Die Rechnung kann Dietrich Haubenberger durchaus nachvollziehen. Er warnt jedoch davor, das zu kritisch zu sehen. „Vier Prozent sind ein Weg, kein Endpunkt. Es geht nicht um symbolische Zahlen oder hektische Aufholeffekte kurz vor 2030, sondern um eine langfristige strategische Ausrichtung mit Planungssicherheit“, sagt er. Der klinische Neurologe leitet die translationale Forschung beim US-Biotechnologieunternehmen Neurocrine Biosciences im kalifornischen San Diego. Zugleich ist er Mitglied im österreichischen Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT), der die österreichische Bundesregierung berät.
Haubenberger verweist auf die Entwicklung der vergangenen Jahre: Österreich hat die Forschungsquote in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich gesteigert – von 2,17 Prozent im Jahr 2004 bis 3,34 Prozent in 2024. Damit liegt man bei dieser wichtigen Kennzahl für die Leistungsfähigkeit des Forschungs- und Wirtschaftsstandorts unter den Top-3-Staaten in der EU. Nur Belgien und Schweden erzielen einen besseren Wert.

F&E mit Plan.
Der in den US arbeitende Neurologe
Dietrich Haubenberger berät die österreichische Bundesregierung in Forschungsfragen. Er fordert „eine langfristige strategische Ausrichtung mit Planungssicherheit“.
Viel Input – wenig Output
Die Experten des FORWIT stoßen sich allerdings an der Diskrepanz zwischen den hohen Aufwendungen und dem dürftigen Abschneiden Österreichs in diversen Innovationsrankings. Der finanzielle Input erzeuge „nicht den erwarteten Output“, so der FORWIT-Vorsitzende Thomas Henzinger. Er fordert wirksame Maßnahmen, um die Effizienz zu steigern: „Ein ‚Weiter wie bisher‘, indem man einfach nur den Input erhöht, ohne das System strukturell weiterzuentwickeln, wird unseren Wohlstand, unsere Sicherheit und unsere Demokratie aber nicht langfristig sichern“, warnt Henzinger.
Der FTI-Monitor des FORWIT zeigt, dass Österreichs Investitionen zwar in etwa auf dem Niveau der führenden Nationen liegen, damit aber kein vergleichbarer Output erzielt wird. Das gilt für die Forschungsleistung an Hochschulen, die Zahl und Qualität von Publikationen oder die Zahl der sogenannten triadischen Patente, also Patente die zugleich in der EU, den USA und Japan angemeldet worden sind. Aber auch andere Dimensionen wie Gründungen innovativer Start-ups und Spin-offs verharren auf sehr niedrigem Niveau – nicht zuletzt wegen des fehlenden Risikokapitals.
Der FTI-Pakt soll diese Probleme an sich beheben. Er verfolgt drei große Ziele: Erstens soll Österreich im internationalen Vergleich aufschließen und seinen Forschungsstandort stärken. Zweitens soll der Fokus auf Wirksamkeit und Exzellenz der Forschung gelegt werden. Drittens zielt der Pakt darauf ab, Wissen, Talente und Fertigkeiten in der Bevölkerung zu fördern.
In den vergangenen Jahren wurden einige Fortschritte erzielt, aber die Schwächen beim Output sind geblieben. Die zentrale Kritik des FORWIT: Das System sei zu fragmentiert, zu wenig koordiniert und strukturell ineffizient. „Die größte Ineffizienz liegt im System selbst“, meint US-Forscher Haubenberger. Fördermittel seien in Österreich auf eine Vielzahl von Programmen, Agenturen, Ministerien und auch Bundesländer verteilt. Diese Kleinteiligkeit mache strategische Planung für Forschende schwer, erschwere interdisziplinäre Projekte und verkompliziere die Verwaltung. Hinzu komme, dass viele Programme thematisch zu eng gefasst oder formal zu aufwendig seien. „Forschung braucht Agilität – und nicht administrative Trägheit“, sagt Haubenberger.
Was also tun? Haubenberger rät zu einer Bündelung von Ressourcen: Statt viele kleine Einzelprojekte solle der Staat drei bis vier große Leuchtturmprojekte finanzieren – mit disruptivem Potenzial, internationaler Anschlussfähigkeit und interdisziplinärem Charakter. „Nur so lassen sich echte Innovationssprünge erzielen“, sagt er. Der „Fonds Zukunft Österreich“ mit einem Volumen von 280 Millionen Euro könne hier eine Rolle spielen –, „wenn er strategisch klug eingesetzt wird“. Zudem müsse die Zusammenarbeit mit der Industrie verbessert werden – vor allem bei der Überführung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen.

Privat und Staat
Und noch ein Punkt liegt dem Experten am Herzen: die Kapitalausstattung forschungsgetriebener Unternehmen. „Öffentliche Fördermittel allein reichen nicht aus, um Innovation zur Marktreife zu bringen. Es braucht privates Risikokapital – etwa von institutionellen Investoren wie Pensionsfonds“, sagt Haubenberger. „Hier hat Österreich Nachholbedarf.“ Er verweist dabei auf die sogenannte „Venture Capital Intensity“. Sie misst den Anteil von privatem Beteiligungskapital am BIP. Österreich hat sich vorgenommen, bis 2030 diese Kennzahl auf 0,1 Prozent zu heben. Im Jahr 2023 lag man bei 0,02 Prozent. Damit liegt man weiter hinter europäischen Top-Nationen wie Schweden oder den Niederlanden. Haubenberger verweist auf Erfahrungen aus seiner Wahlheimat USA, wo steuerbegünstigte Modelle für die private Pensionsvorsorge dafür sorgen, dass Pensionsfonds reichlich Kapital zur Verfügung haben, das sie wiederum in Technologieunternehmen investieren: „In Österreich dagegen sind die steuerlich absetzbaren Beträge für private Vorsorge gering – das hemmt die Bildung von Risikokapitalfonds.“
Ein Bereich, in dem sich Österreich nicht verstecken bräuchte, ist die klinische Forschung. Mit gut ausgestatteten Universitätskliniken, forschungsaffinen Ärzten und einem potenziell breiten Zugang zu Gesundheitsdaten ist man aus Sicht von Haubenberger an sich gut aufgestellt. Doch es hapert an der Umsetzung: Genehmigungsverfahren dauern oft bis zu zwölf Monate – viel zu lang im internationalen Vergleich. „In anderen Ländern geht das in drei bis sechs Monaten“, meint Haubenberger. Er plädiert für zentrale Ethikkommissionen, gebündelte Genehmigungsverfahren und eine Stärkung der klinischen Forschung als eigenständigen Karrierepfad. Haubenberger: „Österreich kann zu einem führenden Standort für Studien im Bereich Life Sciences werden – wenn die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen stimmen.“
Quellen und Links:
Empfehlung zur Erstellung des FTI-Pakts 2027-29:
zenodo.org/records
FTI Monitor:
fti-monitor.forwit.at/de/O/system
Das Wirtschaftsministerium zum FTI Pakt:
www.bmwet.gv.at/Themen/Innovation/FTI-Pakt
