Ambulatorium für Kinderlachen

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Autor: Michael Krassnitzer

Ein ambulantes Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit in Bad Vöslau soll Lücken in der pädiatrischen Versorgung schließen.

Als der Förderverein Kinder- und Jugendlichenrehabilitation in Österreich 2009 seine Arbeit aufnahm, fehlte es komplett an kindgerechten Rehabilitationseinrichtungen: Es gab über 7.000 Betten für Erwachsene, jedoch kein einziges für Kinder und Jugendliche in eigenen Einrichtungen. Nach jahrelangem Ringen um die Finanzierung stehen seit Frühjahr 2023 sechs Rehazentren speziell für Kinder und Jugendliche in Österreich zur Verfügung. „Damit hat der Förderverein ein neues Kapitel in der Gesundheitsversorgung Österreichs geschrieben“, bekräftigt Markus Wieser, Obmann des Vereins.

Begeisterung.
In Bad Vöslau steigt ein Versuchsballon für Kinderambulatorien. Es können auch mehr werden. Für Kenner des Gesundheitssystems: Sogar die Ärztekammer ist an Bord.

Ambulanzen entlasten

Der Förderverein Kinderreha steht hinter dem geplanten Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit, das in Bad Vöslau entstehen soll. Dieses soll dem regionalen Versorgungsmangel auf dem Gebiet der Pädiatrie in der niederösterreichischen Thermenregion entgegenwirken. Die Einrichtung soll sich von der pädiatrischen über eine fachärztliche kinderspezifische Betreuung bis hin zur Zuweisung zur stationären Rehabilitation und einer erforderlichen Nachsorge/ambulanten Rehabilitation zu einem Kompetenzzentrum für Kinder- und Jugendgesundheit etablieren. Zu diesem Zweck gründete der Förderverein rund um Markus Wieser den Verein Kinder- und Jugendgesundheit, der wiederum Träger einer gemeinnützigen GmbH ist, die das ambulante Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit betreiben soll. „Auf diese Weise schaffen wir eine flächendeckende Versorgung in der Region und entlasten die Spitalsambulanzen“, betont Wieser.

Das medizinische Personal des Ambulatoriums soll aus vier Fachärzten für Kinder- und Jugendheilkunde mit Kassenvertrag sowie einer ärztlichen Leitung – ebenfalls vom Fach Kinder- und Jugendheilkunde – bestehen. Dazu kommen noch fünf diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegekräfte (DGKP) sowie insgesamt acht Vollzeitäquivalente für klinische Psychologie, Psychotherapie, Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Diätologie, Sozialarbeit und Hebammenbegleitung während und nach der Schwangerschaft. An bestimmten Tagen im Monat sollen zusätzlich zu den vom Ambulatorium selbst angebotenen Leistungen diverse Fachärzte mit kindspezifischer Ausbildung auf Honorarbasis an der Einrichtung ordinieren: Kinderchirurgie, Kinderpsychiatrie, Orthopädie, HNO, Dermatologie und Urologie. „Die Eltern müssen für diese Leistungen keine Fachärzte suchen oder in die Spitalsambulanz gehen, sondern finden diese direkt vor Ort“, erklärt Wieser.

Als apparative Ausstattung ist alles vorgesehen, was für eine Mutter-Kind-Pass-Untersuchung vonnöten ist: Ultraschall, Echokardiogramm (EKG), Echokardiographie (Herzultraschall), flexible Larynxendoskopie (Untersuchung von Kehlkopf und Rachen mittels eines dünnen, flexiblen Schlauchs mit einer Kamera), Hörtest, Neugeborenen-Hörscreening (OAE-Screening, Otoakustische Emissionen) und bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) zur Bestimmung der Körperzusammensetzung.

Neben insgesamt neun Ordinationsräumlichkeiten und fünf Therapieräumen wird das Ambulatorium auch über eine sogenannte Infektionsbox verfügen: einen eigenen Raum mit einem eigenen Eingang für jene Kinder, bei denen der Verdacht auf eine ansteckende Erkrankung besteht. Kinder, die hohes Fieber oder einen verdächtigen Ausschlag haben, werden hier einer ersten Untersuchung unterzogen.

Im Fall einer anstehenden Rehabilitation bietet das Ambulatorium Vorteile für die Patienten: Jene Stelle, die die Kinderrehabilitationen in der Region organisiert und koordiniert, hat ein Büro im selben Gebäude. Die den Antrag stellenden Ärzte können sich also direkt vor Ort darum kümmern, dass ihre kleinen Patienten in die für sie optimale Reha-Einrichtung kommen. Natürlich bietet das Ambulatorium auch ambulante Rehabilitation und Nachsorge nach einer Rehabilitation.

Die geplanten Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr, bei personeller Gegebenheit und Patientennachfrage bis 18 Uhr. Das Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit soll aber auch die Randzeiten bedienen. Für Mittwoch sind Öffnungszeiten von 7 bis 19 Uhr vorgesehen, und auch am Samstag soll von 9 bis 13 Uhr aufgesperrt werden. Schließtage soll es keine geben. Das Ambulatorium befindet sich drei Minuten zu Fuß entfernt vom Bad Vöslauer Bahnhof und ist damit auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Im Zuge einer Kooperation mit den Kinderabteilungen des Universitätsklinikums Wiener Neustadt und des Landesklinikums Mödling soll das geplante Zentrum auch eine Lehrpraxis für die Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde anbieten.

Die Vorbereitungen laufen

Der Startschuss ist längst gefallen: „Es gibt Interesse für die Position eines ärztlichen Leiters, für die Abdeckung einiger Fachbereiche, für den kaufmännischen Leiter, für den Bereich Diplomkrankenpflege und Ordinationsassistenz“, berichtet Wieser. Das Land Niederösterreich hat bereits grünes Licht gegeben. Die Abteilung Gesundheitsrecht des Amtes der niederösterreichischen Landesregierung (GS4) hat dem Antrag auf ein selbstständiges Ambulatorium für Kinder- und Jugendheilkunde mittels Bescheid stattgegeben. Zuvor hatten alle im Gesetz angeführten Institutionen zur Beurteilung der Bedarfssituation einhellig zu Protokoll gegeben, dass im Einzugsgebiet der Bezirke Baden, Mödling, Neunkirchen und Wiener Neustadt ungedeckter Bedarf nach kinderärztlicher Versorgung besteht: die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK), der Niederösterreichische Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS), die Niederösterreichische Landeskliniken-Holding, die Wirtschaftskammer und die Gemeinde Bad Vöslau. „Sogar die Ärztekammer hat zugestimmt“, freut sich Wieser. Weil für Ambulatorien nicht die Ärztekammer, sondern die Wirtschaftskammer zuständig ist, steht die ärztliche Standesvertretung solchen Einrichtungen ja tendenziell skeptisch gegenüber. Auch die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) hat in einem Gutachten bestätigt, dass das geplante Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit eine wesentliche Verbesserung des Versorgungsangebots im Einzugsgebiet mit sich bringe.

Gute Gespräche

Zurzeit werde die Gesamtfinanzierung geklärt, berichtet Wieser. „Mit der ÖGK sind wir in laufenden Gesprächen, um eine Vereinbarung zur Führung und Finanzierung des laufenden Betriebes des Kinderambulatoriums auszuarbeiten und abzuschließen“, sagt er. Laut dem Obmann des Fördervereins Kinder- und Jugendlichenrehabilitation laufen diese Gespräche sehr gut. „Sollte dieses Modell ein Erfolg werden, könnten wir so etwas natürlich auch in anderen Regionen oder in anderen Bundesländern auf die Beine stellen“, sagt Wieser voller Tatendrang. 

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