Antibiotic Stewardship in Niederösterreich

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: NÖ Landesgesundheitsagentur

Antiinfektiva zählen zu den wichtigsten Medikamenten der modernen Medizin. Unkritisch eingesetzt fördern sie jedoch die Entstehung und Verbreitung von antimikrobiellen Resistenzen (AMR).

Die WHO schätzt den Kampf gegen multiresistente Keime als eines der größten Probleme des Gesundheitswesens im 21. Jahrhundert ein. Die Schwierigkeiten in der Therapie und im Klinikalltag nehmen ständig zu. Strategien gegen AMR sind somit – auch in Anbetracht der limitierten Neuentwicklung von Antibiotika – für den Erhalt von Therapieoptionen essenziell.

2020, im ersten Jahr der COVID-19-Pan­demie, wurde mit der Gründung des Fachbeirats Klinische Infektiologie der Grundstein für ein infektiologisches Netzwerk in Niederösterreich (NÖ) gelegt. Ein Ziel dabei war, Antibiotic Stewardship (ABS) flächendeckend zu etablieren. Dadurch soll die Entstehung und Ausbreitung von AMR weitestgehend verhindert bzw. minimiert werden und parallel dazu den im „Qualitätsstandard Antiinfektiva-Anwendung in Krankenanstalten“ festgehaltenen Empfehlungen nachgekommen werden.

Resistenzen entgegentreten

Mit der Pilotphase 2024, an der sechs Krankenanstalten teilnahmen, wurde mit dem Aufbau von ABS Teams sowie einem standardisierten Resistenz- und Verbrauchs­surveillancesystem für alle Krankenanstalten der NÖ Landesgesundheitsagentur (NÖ LGA) gestartet. Aufgabe der ABS Teams ist die Prävention bzw. Eindämmung von AMR sowie die Verbesserung der Behandlungsqualität und Patientensicherheit durch den gezielten und evidenzbasierten Einsatz von Antibiotika und Antiinfektiva. ABS Teams haben u.a. die Aufgabe, proaktiv die Verschreibungspraxis stichprobenartig zu überprüfen, abteilungsspezifische Empfehlungen und klinikweite ABS Programme zu entwickeln sowie deren Umsetzung zu begleiten. Sie erstellen und aktualisieren Antiinfektiva-Listen inkl. Verordnungs- und Freigabemodalitäten, optimieren Präanalytik und Diagnosepfade und geben ihre Fachexpertise im Rahmen von Schulungen oder Fortbildungen weiter. Regelmäßige standardisierte Berichte über die Infektions- und Resistenzlage sowie abgeleitete ABS-Empfehlungen sichern die gezielte Information und Transparenz für das Management und ermöglichen landesweite Vergleiche und hausübergreifendes Benchmarking. Im Rahmen jährlich stattfindender ABS Netzwerktreffen haben die ABS Teams aller NÖ Krankenanstalten die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, herausfordernde Szenarien zu diskutieren und Tipps von Peers zu erhalten. Dabei werden u.a. Entwicklungen der Resistenz- und Verbrauchsdaten kritisch analysiert, Best Practice Methoden mit der Community geteilt oder Projektideen entwickelt. Durch den organisatorischen Lead der NÖ LGA-Zentrale wird die Umsetzung überregionaler Strategien und Projekte unterstützt und erleichtert.

Ausblick

Derzeit befindet sich der flächendeckende Aufbau der ABS Teams noch im Rollout. Es gibt jedoch bereits erste Ideen zur weiterführenden Nutzung der generierten Verbrauchs- und Resistenzdaten, zu innovativen ABS Schulungsangeboten für die Pflege oder zu APAT (ambulante parenterale Antibiotikatherapie) Konzepten zur Verlagerung parenteraler Therapien in den extramuralen bzw. Langzeitpflegebereich. Die Umsetzung des APAT Konzepts soll neben der personellen sowie finanziellen Entlastung der Spitäler auch zu einer Verbesserung der Lebensqualität von PatientInnen beitragen.

Faktenbox

-> Antibiotic Stewardship (ABS) umfasst das strategische und strukturierte Vorgehen einer Gesundheitsorganisation zur Gewährleistung eines rationalen und verantwortungsvollen Einsatzes von Antibiotika und Anti­infektiva

-> NÖ-weite einheitliche Vorgaben für ABS Teams:
 - Statut
 - Handbuch
 - Anleitungen für standardisierte Auswertungen und Berichte
– Einheitliche Dokumentation und Benchmark über ganz NÖ

-> Endausbau: 23 ABS Teams über alle NÖ Krankenanstalten (27 Standorte) bis Ende 2026 geplant

-> Zusammensetzung der ABS Teams:
 - mindestens ein Facharzt/eine Fachärztin mit Ausbildung zum/zur ABS Experten/Expertin – Ausbildung z.B. über die Österreichische Gesellschaft für Antimi­krobielle Chemotherapie (ÖGACH)
 - mindestens ein Mitglied des Hygieneteams der Krankenanstalt
 - soweit am Standort verfügbar:
a. ein klinisch tätiger Mikrobiologe/eine klinisch tätige Mikrobiologin
b. ein/e Krankenhausapotheker/in mit ABS-Expertise oder Weiterbildung in klinischer Pharmazie

-> Mindestanzahl der Sitzungen: viermal jährlich

-> Bericht an die Hygiene- und Arzneimittelkommission

-> Jahresbericht an die Krankenhaus­leitung, dieser beinhaltet:
 - Resistenzbericht
 - Antibiotikaverbrauchsbericht
 - Maßnahmenableitung

Autor:

Dr. Fabian Huber
Abteilung Strategie und Qualität Medizin
NÖ Landesgesundheitsagentur
fabian.huber@noe-lga.at

Quellen und Links:

BMSGPK (2024): Qualitätsstandard Antiinfektiva – Anwendung in Krankenanstalten. Wien

WHO (2024): Antimicrobial Resistance. www.who.int/europe/news-room/fact-sheets/item/antimicrobial-resistance

DGI (2024): S3-Leitlinie Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus, AWMF Online

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit der NÖ LGA (Entgeltliche Einschaltung)

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