In Bad Hall bietet eine pro mente Reha-Einrichtung belasteten Familien drei Wochen therapeutische Erholung. Die Wartezeit für die Kassenleistung beträgt weniger als zwei Monate.
mia – Miteinander Auszeit“, kurz mia genannt, ist „ein Haus zur präventiven Stärkung der psychischen Gesundheit von Eltern und deren Kindern“, wie es auf der Homepage heißt. mia liegt am Rande des schmucken Parks des oberösterreichischen Kurorts Bad Hall und ist Teil der pro mente Reha-Gruppe. Die Leiterin Helga Pollheimer empfängt in ihrem Haus Mütter und – deutlich seltener – Väter mit deren Kindern, die gefährlich nahe an ihre psychischen Grenzen gekommen sind. „Wir helfen, wenn einer Familie der Zusammenbruch droht“, sagt Pollheimer und unterstreicht: „Und zwar, bevor der Akku leer ist.“

Vorbeugen statt reparieren.
Das Haus der pro mente Reha-Gruppe unterstützt Familien, die außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt sind – und zwar bevor die Krisen akut werden.
Vor dem Wellenberg
Das Angebot von mia ist in Österreich einzigartig: Während eines dreiwöchigen Aufenthalts suchen Mütter oder Väter und deren Kinder – in der Regel wird nur einer der Erziehungsberechtigten angesprochen – Abstand zu den Herausforderungen des Alltags. Helga Pollheimer: „Ein wichtiger Teil der Therapie ist die Vorbereitung auf Situationen nach dem Aufenthalt bei uns. Der Alltag kommt wieder.“ Dabei geht es vor allem um die Anleitung, wo die Familien Hilfe erwarten dürfen, bevor Alltagssituationen eskalieren. Kinder zwischen drei und zwölf Jahren können Mutter oder Vater in ihren drei Wochen bei mia begleiten. Für jüngere und ältere Kinder reichen die Strukturen des Hauses nicht aus. Während des therapeutischen Angebots für die Eltern werden die Kinder altersgerecht im pädagogischen Bereich betreut. Es stehen auch gemeinsame Aktivitäten auf der Tagesordnung.
Der Zugang zu mia ist einfach: Die Betroffenen stellen über den betreuenden Arzt einen Antrag auf Rehabilitations-, Kur- bzw. Erholungsaufenthalt. Wichtig ist dabei der Vermerk „mia – Miteinander Auszeit“. mia will vorbeugend aktiv werden: Die Patienten sind zum Zeitpunkt des Antrags noch nicht krank. Die Kostenübernahme für Therapie, Verpflegung und Unterbringung muss im nächsten Schritt vom Chefarzt des jeweiligen Sozialversicherungsträgers bewilligt werden. Ein letztes Gespräch zwischen dem beantragenden Elternteil und einem Mitarbeiter von mia stellt sicher, dass die Einrichtung in Bad Hall die Familie bedarfsgerecht begleiten kann. „Wir müssen leisten können, was wir versprechen“, so Pollheimer. Manchmal seien die psychischen Probleme andernorts besser zu behandeln. Als schwierig zu beurteilen erweisen sich Belastungsstörungen, die mit Suchtverhalten einhergehen. Im Abklärungsgespräch wird verdeutlicht, dass eine Mitwirkungspflicht der Erwachsenen bei den Therapien besteht. Die Leiterin Helga Pollheimer ist in dem Punkt unmissverständlich: „mia ist ein kassenfinanziertes Gesundheitsangebot und kein Urlaub.“
Kein Zeichen der Schwäche
Das Einzugsgebiet von mia kennt keine Bundesländergrenzen. Familien aus ganz Österreich können das Bad Haller Angebot in Anspruch nehmen. Häufige Gründe für außergewöhnliche Belastungen finden sich im Zusammenspiel von Familie und Beruf. Kommen zu den alltäglichen Anforderungen weitere Probleme wie finanzielle Schwierigkeiten, Trennungen oder Pflegefälle in der Familie hinzu, gelangen Erziehende an ihre Grenzen. Eines der wesentlichen Ziele der mia-Therapien sei daher, deutlich zu machen, „dass viele andere die gleichen Herausforderungen mit den gleichen Schwierigkeiten zu bewältigen haben“, erklärt mia-Leiterin Pollheimer. Pro Jahr werden 17 Turnusse zu jeweils drei Wochen angeboten. Ein spezieller Turnus im Sommer ist einem echten Mutter-Vater-Kinder-Programm vorbehalten: Da dürfen beide Erziehungsberechtigte gemeinsam mit ihren Kindern nach Bad Hall kommen. Die Wartezeiten sind generell überschaubar: Wenn alles klappt, kann ein mia-Aufenthalt binnen zwei Monaten angetreten werden.


