Subkutane Medikamenten­gabe mittels Perfusor

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Kabeg

Das Pflegeteam der Hämatoonkologischen Ambulanz (AHO) des Klinikums Klagenfurt am Wörthersee hat für die subkutane Medikamentengabe die Verabreichung mittels Perfusor im ambulanten Bereich eingeführt. Eine Befragung bestätigt: Der Perfusor wird als angenehmer, schmerzärmer und persönlicher erlebt.

Pflegequalität ist ein zentrales Merkmal professioneller Pflegepraxis und bildet die Grundlage für Sicherheit, Wohlbefinden und Würde von Patient:innen. In der ambulanten onkologischen Pflege spielen subkutane Medikamentengaben eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Behandlung von Schmerz, Übelkeit oder Angstzuständen, aber auch bei der Verabreichung von Zytostatika. Das Pflegeteam der Hämatologischen Ambulanz (AHO) des Klinikums Klagenfurt am Wörthersee initiierte ein pflegefachliches Projekt, um die bestehende Injektionspraxis zu evaluieren und durch die Einführung eines Perfusors qualitativ weiterzuentwickeln. Ziel des Projektes war es, die Pflege- und Betreuungsqualität im ambulanten Bereich zu verbessern und die Patient:innenzufriedenheit zu erhöhen.

Präzisionsarbeit.
Ein Perfusor gibt Medikamente kontinuierlich und exakt dosiert über eine bestimmte Zeit ab. Sein Einsatz erhöht die Prozesssicherheit und steigert das Befinden der Patient:innen.

Projektidee und Zielsetzung

Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass die manuelle Applikation subkutaner Medikamente trotz fachgerechter Durchführung nicht immer als angenehm empfunden wurde. Zudem bestand der Wunsch, die Anwendung stärker zu standardisieren, um die Prozesssicherheit zu erhöhen und das Patient:innenwohl in den Mittelpunkt zu stellen.

Das Projekt zielte darauf ab, mit dem Perfusor ein Verfahren einzuführen, das:
Komfort und Verträglichkeit erhöht,
Pflegeprozesse standardisiert,
Intimsphäre und Autonomie der Patient:innen stärkt,
und die Gesamtqualität der Betreuung messbar verbessert.

Das pflegefachliche Projekt folgte dem Zyklus der praxisorientierten Qualitätsentwicklung.

  1. Analysephase: Reflexion bestehender Praktiken und Identifikation von Schwachstellen in der bisherigen manuellen Verabreichung.
  2. Evidenzrecherche: Sichtung aktueller Literatur zur subkutanen Medikamentengabe, Schmerzreduktion und Patient:innenzufriedenheit.
  3. Standardisierung: Entwicklung eines hausinternen Standards zur sicheren Anwendung des Perfusors unter Einbezug hygienischer und technischer Anforderungen.
  4. Schulung: Durchführung interner Fortbildungen zur Handhabung, Indikation und Kommunikation mit Patient:innen, Angehörigen, aber auch dem Pflegeteam.
  5. Evaluation: Eine standardisierte, anonyme Patient:innenbefragung über drei Monate mittels Fragebogen (n = 50) zur Bewertung der Methode in den Dimensionen Komfort, Betreuung und Zufriedenheit.

Ergebnisse

Die Evaluation bestätigte eine deutliche Verbesserung der wahrgenommenen Pflegequalität:
Komfort: 71,4 % der Patient:innen empfanden die Verabreichung mittels Perfusor als angenehmer, nur 4% als unangenehmer.
Schmerzfreiheit: 90 % berichteten, nie Schmerzen oder Unwohlsein an der Einstichstelle verspürt zu haben.
Präferenz: 64,6 % bevorzugten den Perfusor, nur 2,1 % die frühere manuelle Injektion.
Wahrung der Intimsphäre: 43,2 % empfanden die neue Methode als angenehmer, 56,8 % als neutral – keine Person als unangenehmer.
Pflegequalität: 97,8 % fühlten sich „sehr gut betreut“, 85,4 % bezeichneten die Erklärungen als „sehr verständlich“.
Gesamtzufriedenheit: 70,2 % waren „sehr zufrieden“, 25,5 % „zufrieden“.

In den offenen Antworten lobten die Patient:innen besonders die Kompetenz und Freundlichkeit des Pflegepersonals.

Pflegequalität durch Innovation und Evaluation

Das Projekt zeigt, dass technische Innovation in der Pflege nur dann zu echter Qualitätsverbesserung führt, wenn sie pflegefachlich reflektiert, standardisiert und patient:innenorientiert umgesetzt wird. Die Strukturqualität wurde durch die Einführung klarer Handlungsstandards und regelmäßiger Schulungen verbessert. Die Prozessqualität profitierte von einheitlichen Abläufen und erhöhter Sicherheit in der Anwendung. Besonders deutlich zeigte sich ein Gewinn in der Ergebnisqualität – gemessen an Zufriedenheit, Schmerzfreiheit und Wahrung der Würde der Patient:innen. Darüber hinaus wurde durch die neue Methode auch die Beziehungsqualität gestärkt: Pflegepersonen konnten sich stärker auf Beobachtung, Beratung und Begleitung konzentrieren. Der Perfusor entlastete von manuellen Routinehandlungen und schuf Raum für empathische Zuwendung – ein wesentliches Merkmal professioneller Pflegepraxis.

Die begleitende Evaluation trug wesentlich zur Qualitätssicherung bei. Durch die systematische Erfassung der Patient:innenmeinung konnte die pflegerische Intervention nicht nur überprüft, sondern auch gezielt weiterentwickelt werden. Dies entspricht modernen Konzepten der evidenzbasierten Pflege und partizipativen Qualitätsentwicklung.

Schlussfolgerung und Ausblick

Die Einführung des subkutanen Perfusors in der hämatoonkologischen Ambulanz durch die onkologischen Pflegeexpert:innen ist ein gelungenes Beispiel für pflegefachliche Innovationsarbeit. Die Ergebnisse belegen, dass Patient:innen von der Methode in mehrfacher Hinsicht profitieren: Sie erleben die Medikation als angenehmer, sicherer und respektvoller.

Für die Zukunft sind die Weiterentwicklung der Schulungsunterlagen sowie die systematische Erfassung zusätzlicher Qualitätsindikatoren – wie Angehörigenzufriedenheit oder Pflegezeit – geplant. Das Projekt verdeutlicht, dass Pflegequalität dort entsteht, wo pflegerische Expertise, technische Innovation und empathische Haltung zusammenwirken – im Sinne einer ganzheitlichen, sicheren und würdevollen Betreuung der onkologischen Patienten. 

Autorinnen:

MMag.a Dr.in Christine Leber-Anderwald, MAS
Pflegedirektion, Sachgebietsleitung Pflegecontrolling und Wissensmanagement,
Klinikum Klagenfurt am Wörthersee
Christine.Leber-Anderwald@kabeg.at

Der Artikel wurde unter Mitarbeit der onkologischen Pflegeexpertinnen DGKP Eva-Maria Simschitz-Wetl, CN und DGKP Valentina Reschreiter, M.Ed erstellt.

Quellen und Links:

Gamze D, Onkol Pflege 2017; 2:57–60

Giovanni M, Pro Care 2016; 4

Krankenanstaltendirektorium, Richtlinie zur korrekten Identifizierung des Patienten (IPSG 1) 2022

Krankenanstaltendirektorium, Gebrauchsfertigmachen, Applikation und Entsorgung von Zytostatika 2025

Kuhlmey A et al., ZQP Rep 2019

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Schiemann D et al., Qual Entw Pflege 2017

Watzke H, Palliativmed 2023; 183–216

Zerlauth U, Richtlinie Punktionen und Injektionen 2023

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit der KABEG (Entgeltliche Einschaltung)

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