Italien will 10.000 Krankenpfleger aus dem Ausland einsetzen, um die Personalprobleme im öffentlichen Gesundheitswesen einzudämmen. So will Italien vor allem indische Krankenpfleger einstellen, berichtete Gesundheitsminister Orazio Schillaci. „In Indien gibt es 3,3 Millionen Krankenschwestern und -pfleger. Wir wollen etwa 10.000 von ihnen nach Italien holen“, so Schillaci im Interview mit der römischen Tageszeitung „La Repubblica“.
„Bei der Berufsausbildung gibt es keine Probleme, die ist in Indien gut. Uns fehlen 30.000 Krankenpfleger und -pflegerinnen und wir gehören zu den Ländern, die sie am schlechtesten bezahlen. Die Gehälter müssen erhöht werden“, betonte der Minister. Er kündigte an, dass die Regierung von Premierministerin Giorgia Meloni das Budget für das öffentliche Gesundheitswesen im Jahr 2025 um 5 Milliarden Euro aufstocken wird. Für Krankenschwestern und Krankenpfleger wird es eine neue Sonderzulage geben.
Laut Schätzungen fehlen mindestens 20.000 Ärzte und 70.000 Krankenpfleger im öffentlichen Gesundheitswesen. Um dem chronischen Personalmangel entgegenzuwirken, will die Regierung Meloni die Anstellung von Ärzten aus dem Ausland erleichtern. So plant das Kabinett eine Lockerung der Kriterien, nach denen ausländische Mediziner im öffentlichen Gesundheitssystem angestellt werden können.

Ein im Zuge der Corona-Pandemie 2020 verabschiedetes Dekret, mit dem die Einstellung von Medizinern aus Nicht-EU-Ländern erleichtert wurde, soll auch über die Frist des Jahres 2025 verlängert werden. 2022 wurden 500 Ärzte aus Kuba von der süditalienischen Region Kalabrien angestellt, um die dortigen Personalprobleme im öffentlichen Gesundheitssystem zu beheben.
21.000 ausländische Mediziner arbeiteten im Vorpandemie-Jahr 2019 im italienischen Gesundheitswesen, diese Zahl stieg 2023 auf 28.000. 87 Prozent von ihnen stammen aus Nicht-EU-Ländern. Dazu sind 23.000 ausländische Pflegekräfte in Italien beschäftigt, 9.456 stammen nicht aus dem EU-Raum. Ihre Zahl soll in den nächsten Jahren weiterhin steigen, wie aus Plänen der Regierung hervorgeht.
Niedrige Gehälter, Personalmangel und schwerere Arbeitsschichten
Der Ärzteverband Anaao Assomed meinte, der öffentliche Gesundheitsdienst müsse für Ärzte und andere Personen in Gesundheitsberufen wieder attraktiver werden. Viele medizinische Fachkräfte würden nach ihrem Studienabschluss ins Ausland gehen oder in der Privatwirtschaft arbeiten. Viele würden das öffentliche Gesundheitssystem im Alter von 50 Jahren verlassen. Niedrige Gehälter, Personalmangel und folglich schwerere Arbeitsschichten seien die Ursachen. In einigen medizinischen Bereichen wie der Notaufnahme und Notfallabteilungen sei die Lage besonders kritisch.
Seit 2005 sind zehn Prozent der Ärzte, die in Italien in den Ruhestand getreten sind, nicht ersetzt worden. Die Zahl der jungen Fachärzte, die im selben Zeitraum in das Gesundheitswesen eingestiegen sind, reicht nicht aus, um alle pensionierten Mediziner zu ersetzen. Das Resultat ist, dass das öffentliche Gesundheitssystem nicht mehr in der Lage ist, überall angemessene Dienstleistungen zu garantieren, beklagen Experten.
(APA/red.)


