Therapien bei Adipositas und Übergewicht: Oft finanzielle Hürden

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Autor: Scho

Statistisch gesehen hat auch in diesem Schuljahr jedes sechste bis siebente Kind Übergewicht oder Adipositas. Familien, die passende Therapieangebote suchen, stoßen oft auf Schwierigkeiten. Eine aktuelle Erhebung des Salzburger vorsorgemedizinischen Instituts SIPCAN zeigt, dass auch die Finanzierung eine Herausforderung bleibt: Viele geeignete Therapien müssen zumindest teilweise selbst bezahlt werden – was eine erhebliche Zugangshürde darstellen kann.

Eine Beratungsstunde bei Diätologen, Ernährungswissenschaftern oder Ärzten kostet schnell 90 bis 150 Euro. Besonders zu Beginn der Therapie sind zumeist wöchentliche Termine nötig. Die Gesamtkosten hängen auch von der Therapiedauer und der Frage ab, ob die Behandlung ambulant oder stationär erfolgt.

SIPCAN hat im Frühjahr 2026 erhoben, welche Therapieangebote in Österreich bestehen und wie diese gestaltet sind. An der Umfrage beteiligten sich 81 Expertinnen und Experten bzw. Institutionen. Bei zwei Drittel der Anbieter (65 Prozent) ist eine private Finanzierung beziehungsweise Mitfinanzierung erforderlich. Krankenkassen tragen nur bei gut einem Drittel (36 Prozent) zur Finanzierung bei, die öffentliche Hand oder Fördergeber bei knapp einem Fünftel (19 Prozent).

Laut SIPCAN ist die Lage zwar besser als 2018, als bei drei Viertel der Angebote privat (mit)bezahlt werden musste. Langfristig habe sich die öffentliche Finanzierung jedoch verschlechtert: Vor 20 Jahren mussten Betroffene in nur etwas mehr als der Hälfte der Einrichtungen ihre Therapiekosten zumindest teilweise privat decken. Auch die Krankenkassen zahlten damals bei mehr Anbietern zu. „Zur Unterstützung der Therapieeinrichtungen benötigt es mehr öffentliche Finanzierung“, betonte SIPCAN-Vorstand und Internist Friedrich Hoppichler. „Zudem sind gerade sozial benachteiligte Familien häufiger von Adipositas betroffen.“

Therapien finden in privaten Praxen, klinischen Ambulanzen, auf klinischen Stationen oder in anderen Beratungseinrichtungen statt. Positiv: Bei neun von zehn Angeboten können Betroffene jederzeit mit einer Therapie starten. Über 96 Prozent der Einrichtungen bieten eine Einzeltherapie an, die meist langfristig angelegt ist und deren Dauer fast immer nach Bedarf gestaltet werden kann. Am häufigsten kommt Ernährungstherapie zum Einsatz – sie ist Teil von 82 Prozent der Angebote. Psychologische oder psychotherapeutische Maßnahmen sind bei knapp jedem zweiten Angebot (48 Prozent) integriert, Bewegungstherapie bei etwas mehr als jedem dritten (36 Prozent).

„Die Ursachen der Adipositas sind vielschichtig, daher braucht es für eine erfolgreiche Therapie eine multiprofessionelle Herangehensweise“, betonte Juliana Bhardwaj, Ernährungswissenschafterin und Studienleiterin von SIPCAN. „Ernährung, Bewegung und psychologische Aspekte müssen zusammengedacht und die individuelle Situation sowie besonders das familiäre und soziale Umfeld der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt werden.“ Ein interdisziplinärer Ansatz sei ein wesentliches Qualitätskriterium einer erfolgreichen Adipositastherapie.

SIPCAN verweist auf aktuelle Studien: Bei den Acht- bis Neunjährigen sind 16 Prozent der Buben und 17 Prozent der Mädchen übergewichtig. Acht Prozent der Buben und neun Prozent der Mädchen dieser Altersgruppe gelten als adipös, also stark übergewichtig. Bei den Elf- bis 17-Jährigen sind 19 Prozent der Buben und 14 Prozent der Mädchen übergewichtig, als adipös gelten sechs beziehungsweise drei Prozent.

Die Erhebung finden sie hier.

(APA/red.)

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