Österreich hinkt bei Früherkennung hinterher

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Autor: Scho

Zum Weltdiabetestag am 14. November wollen Expertinnen und Experten ganz besonders auf eine Erkrankung aufmerksam machen: Typ-1-Diabetes, eine Autoimmunerkrankung, die viel zu oft übersehen wird. Denn: Klassische Risikofaktoren für andere Diabetes-Formen wie Übergewicht, Lebensstil, genetische Disposition spielen keine Rolle. Bis zu 90 Prozent der Betroffenen haben keine nahen Verwandten mit der Erkrankung. Zugleich ist es aber besonders wichtig, die Erkrankung früh zu erkennen, bevor schwere Komplikationen auftreten.

Die Zahl der Betroffenen steigt weltweit. Schätzungen zufolge hat etwa eines von 350 Kindern einen noch unentdeckten Typ-1-Diabetes im Frühstadium. Wird die Erkrankung spät erkannt, droht eine diabetische Ketoazidose, eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung. „Wir können Typ-1-Diabetes heute erkennen, lange bevor ein Kind krank wird“, so Thomas Pieber, Leiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin der Med Uni Graz. Dieses Wissen müsse genutzt werden, „damit kein Kind mehr erst auf der Intensivstation die Diagnose erhält“.

Nachweisbar ist Typ-1-Diabetes im Frühstadium über eine Blutuntersuchung auf bestimmte Antikörper. Empfohlen wird eine erste Untersuchung im Alter von zwei bis vier Jahren sowie weitere mit sechs bis acht und zehn bis fünfzehn Jahren. Allerdings gibt es in Österreich bislang kein flächendeckendes Früherkennungsprogramm. Andere Länder sind hier weiter: Italien hat die Früherkennung von Typ-1-Diabetes bei Kindern 2023 als erstes Land landesweit gesetzlich verankert, in Deutschland ist mit dem Programm Fr1da eine Früherkennung bereits nahezu bundesweit verfügbar.

In Österreich kommen allerdings derzeit bis zu 40 Prozent der Kinder unter 15 Jahren bei der Erstdiagnose bereits mit einer Ketoazidose in die Klinik. Je jünger die Kinder sind, desto höher ist das Risiko. Gerade deshalb kommt der Früherkennung eine zentrale Bedeutung zu. Studien zeigen, dass sich die Ketoazidoserate bei der Erstdiagnose so auf rund drei Prozent senken lässt. Darüber hinaus ermöglicht eine frühe Diagnose eine optimale Therapieplanung.

„Ein einfacher Bluttest kann frühzeitig Klarheit schaffen und rechtzeitiges Handeln ermöglichen. Österreich darf bei dieser Entwicklung nicht den Anschluss verlieren“, sagt Harald Führer, Präsident von „wir sind diabetes“, der Dachorganisation der Diabetes-Selbsthilfe in Österreich. Er sagt: Früherkennung könne Leben retten, Familien Sicherheit geben und vor allem auch langfristig Kosten im Gesundheitssystem senken. Allerdings: Viele Diabeteszentren können ihre Planstellen für Ärztinnen und Ärzte und Diabetesberaterinnen und -Berater nicht besetzen. „Kein einziges pädiatrisches Zentrum in Österreich erreicht derzeit den empfohlenen Schlüssel von je einer pädiatrischen Diabetologin und einer Diabetesberaterin pro 100 Kindern mit Typ-1-Diabetes“, sagt Elke Fröhlich-Reiterer, Leiterin des Bereichs Diabetes und Endokrinologie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Med Uni Graz. „Projekte wie MOKI DiAB KIDS zeigen, wie gute und kosteneffiziente Versorgung aussehen kann – trotz erfolgreicher Pilotphase ist das Projekt aber nur teilfinanziert und braucht dringend eine Regelfinanzierung.“

(red.)

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