Umsetzung von nachhaltigen, patient:innenorientierten Projekten – Von Erfolgsfaktoren und Stolpersteinen

Lesedauer beträgt 4 Minuten
Autor: Horn, Herzog, Knoll

Projektmanagement, Patient:innenzentrierung, Patient:innenorientierung, Patient:innenzufriedenheit: Ein Fachbeitrag aus dem ÖGWK-Begleitbuch „Von Einsichten und Aussichten im Gesundheitswesen“.

Ist es Ihnen auch schon einmal so ergangen, dass Projekte, die mit hoher Motivation und Engagement geplant wurden, trotzdem im Sand verlaufen sind?

Im Rahmen unserer jahrelangen Erfahrung im Projektmanagement haben wir viele erfolgreiche patient:innenorientierte Projekte begleitet. Einige von ihnen haben das Outcome, die Prozesse oder die Patient:innenzufriedenheit nachhaltig beeinflusst und verbessert. Bei anderen Projekten gelang dies nicht. Warum ist dies so? Wo liegt der Unterschied?

Projektmanagement

Im Sinne eines professionellen Projektmanagements können folgende Gründe die Ursache gewesen sein:

  1. Unklare Ziele: Wenn die Ziele des Projekts nicht ausreichend klar definiert sind oder nicht verständlich kommuniziert wurden, kann es schwierig sein, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um das Projekt zum Abschluss zu bringen.
  2. Fehlende Definition von Vision, Mission und Unternehmenswerten (siehe unten).
  3. Mangelnde Ressourcen: Projekte benötigen ausreichend Budget, Personal und Zeit, um erfolgreich zu sein. Wenn es an entsprechenden Ressourcen mangelt oder diese nicht sinnvoll eingesetzt werden, kann das Projekt scheitern.
  4. Fehlende detaillierte Planung: Eine gute Planung ist notwendig, um ein Projekt erfolgreich zu managen. Ist diese unzureichend oder nicht gründlich genug, kann es schwer sein, das Projekt zu steuern und im Zeitplan zu bleiben bzw. es abzuschließen.
  5. Konflikte und Spannungen: In Projekten arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und Ansichten miteinander. Wenn es Konflikte und Spannungen gibt, kann dies zu Verzögerungen und ineffektiver Zusammenarbeit führen.
  6. Unerwartete Ereignisse wie Personalwechsel, technische Probleme oder äußere Einflüsse können dazu führen, dass ein Projekt nicht nachhaltig umgesetzt wird.

Es ist also wichtig, diese Faktoren im Auge zu behalten und proaktiv Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass Projekte erfolgreich abgeschlossen werden können.

Vision, Mission, Werte

Wir wissen, dass Projekte, die sich auf die Qualität der Patient:innen-betreuung konzentrieren, ihren Erfolgsfaktor in dem Dreieck aus Vision, Mission und Werte haben. Somit stehen die anfängliche Betrachtung und die Auseinandersetzung im multiprofessionellen Setting an erster Stelle.

Vision: Die Vision ist ein übergeordneter Leitstern, auf den die Organisation ausgerichtet ist. Sie gibt einen langfristigen Blick auf die Zukunft und inspiriert das Unternehmen, eine bestimmte Richtung zu einzuschlagen. Eine Vision sollte motivierend sein und eine Orientierung für alle Mitarbeiter:innen darstellen.

Mission: Die Mission ist eine prägnante Zusammenfassung dessen, was das Unternehmen tut, um seine Vision zu erreichen. Dies kann auch die Zielgruppe oder den Markt umfassen, auf den sich das Unternehmen konzentriert. Eine Mission sollte klar und verständlich sein, um sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter:innen die Ziele des Unternehmens verstehen und verfolgen können.

Werte: Die Werte sind die Grundsätze, auf denen das Unternehmen aufbaut. Sie definieren, was für das Unternehmen wichtig ist und welche Verhaltensweisen und Entscheidungen gefördert werden sollen.

Eine mögliche Vision für ein patient:innenorientiertes Projekt könnte demnach lauten: „Wir streben danach, die Gesundheitsversorgung so zu gestalten, dass sie sich an den individuellen Bedürfnissen und Präferenzen der Patient:innen ausrichtet und ihre Erfahrungen positiv beeinflusst.“

Eine Mission könnte wie folgt formuliert werden: „Wir setzen uns dafür ein, innovative und effektive Lösungen zu finden, um die Qualität der Gesundheitsversorgung für unsere Patient:innen zu verbessern, indem wir ihnen eine umfassende, zugängliche und respektvolle Versorgung bieten.“

Neben der Vision und Mission gilt es gemeinsam an den Werten zu arbeiten, die folgendermaßen aussehen könnten:

  1. Patient:innenzentrierung
  2. Respekt
  3. Zusammenarbeit
  4. Innovation
  5. Qualität
  6. Effizienz

Durch die Integration dieser Werte in die Vision und Mission eines patient:innenorientierten Projekts können die Bemühungen auf die Verbesserung der Gesundheitsversorgung für Patient:innen konzentriert und die Erfolgschancen des Projekts gesteigert werden.

Was bedeutet dies nun in der Praxis?

Als Vorbild kann das Erfolgsprojekt „Familienorientierung“ eines Universitätsklinikums genannt werden.

Im Rahmen einer Klausur mit den Führungskräften der Stationen wurden die Vision und die Mission erarbeitet. Durch die Auseinandersetzung innerhalb des Führungsteams kam es zu gemeinsamen Haltungen und Wertvorstellungen. Diese Werte trugen dazu bei, dass die pflegerischen Stationsleitungen ihren Teams das Vorhaben als gemeinsames Ziel verständlich machen konnten. Zudem wurde erkannt, dass trotz erschwerter Umstände – wie Personalknappheit, ungünstige räumliche Gegebenheiten und das noch fehlende Verständnis anderer Berufsgruppen – das Ziel der Umsetzung einer familienorientierten Betreuungsweise prioritär behandelt werden muss. Das führte dazu, dass sich die Teams auf die Umsetzung des Projektes konzentrieren konnten.

Diese Haltung erzeugte einen regelrechten Sog bei allen Beteiligten, sodass rasch eine Umsetzung im multiprofessionellen Setting möglich war. Durch die Zusammenarbeit aller Berufsgruppen wurde bald erkannt, dass die Thematik mehr als „nur ein Projekt“ darstellte, sodass eine wissenschaftliche Begleitung und Forschung initiiert wurde. Dies hatte zur Folge, dass evidenzbasierte Publikationen, Preise und große Anerkennung die Motivation und Weiterführung des Projektes unterstützten.

Das Vorwort der Herausgeberinnen Julia Bernhardt, Kathrin Bruckmayer und Lena Sattelberger zum Buchband „Von Einsichten und Aussichten im Gesundheitswesen“ aus der ÖGWK-Schriftenreihe

Laut sind sie, die Rufe nach nachhaltigen Lösungen. Lösungen, die meist die anderen bringen sollen. Lösungen für mehr Gesundheit, für den niederschwelligen Zugang zu Prävention und Versorgung, für ein effizientes und effektives Gesundheitswesen. Das alles in einer Zeit, in der Tempo und Druck stetig steigen, der Wohlstand sinkt und die Resilienz insbesondere in den letzten Jahren gelitten hat. Eines wird immer deutlicher: der bisherige „Fahren auf Sicht“ Ansatz kann nicht der richtige sein, wenn es um mehr gesunde Lebensjahre für uns alle geht.

„Unterwegs in ungewissen Zeiten – Klartext. Wissen. Standpunkte.“

So titelt der 13. Österreichische Gesundheitswirtschaftskongress und lädt 450 Expert:innen, Führungskräfte und Entscheidungsträger:innen aus Gesundheitseinrichtungen, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und öffentlicher Verwaltung als Teilnehmer:innen des Kongress ein, den notwendigen Veränderungen mutig zu begegnen.

Mut, den es brauchen wird, den auch wir als Begleiter:innen zahlreicher Veränderungen schon erleben durften. Veränderungen im Gesundheitswesen – disruptive wie sanfte, in einzelnen Organisationseinheiten, mehrere Gesundheitsdiensteanbieter:innen betreffend bis hin zu Sektoren übergreifenden Projekten, die an den Grundfesten unseres Gesundheitssystems rüttelten. Wir haben sie in allen Berufsgruppen und Hierarchieebenen gesehen: die Menschen mit Mut, Empathie, Durchhaltevermögen, Kompetenz und Weitblick.

Neben diesem Mut benötigt es noch etwas: die nachhaltigen Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit können nicht von Einzelnen, sondern nur gemeinsam geschaffen werden. Kollaboration, interdisziplinäre, sektoren- und hierarchieübergreifende Zusammenarbeit wird zum Schlüssel. Sie, geschätzte:r Leser:in dieser Schriftenreihe sind ein Teil dieser Menschen, die ihre Gestaltungsspielräume nutzen und unser aller Gesundheitszukunft positiv wie nachhaltig mitgestalten. Unsere Einsichten und Ausblicke sollen Sie dabei ein Stück weit unterstützen.

Infos zur ÖGWK-Buchreihe

Von Einsichten und Aussichten im Gesundheitswesen: Konzepte, Praktiken und Erfahrungen für Gesundheitsorganisationen, Schriftenreihe zum Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress, Band 2, Springer Verlag-GmbH in Kooperation mit KPMG & SOLVE Consulting, Wien, 2023

SOLVE Consulting ist die größte Boutiqueberatung des Landes mit 100% Fokus auf das Gesundheitswesen. Ihr hochkompetentes und äußerst erfahrenes Team begleitet Gesundheitsorganisationen aller Sektoren und bietet praxisnahe Lösungskonzepte sowie einen ganzheitlichen Beratungsansatz, der durch moderne Methoden und begleitende Organisationsentwicklung unterstützt wird. SOLVE Consulting implementiert SOLUTIONS FOR HEALTHCARE mit dem höchsten Qualitätsanspruch. Für mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Für #mehrgesundheit – auch für die nächsten Generationen.
Weitere Infos: solve.at

Als Verbund rechtlich selbstständiger, nationaler Mitgliedsfirmen ist KPMG International mit rund 273.400 Mitarbeiter:innen in 143 Ländern eines der größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen weltweit. Die Initialen von KPMG stehen für die Gründerväter der Gesellschaft: Klynveld, Peat, Marwick und Goerdeler.
In Österreich ist KPMG eine der führenden Gruppen in diesem Geschäftsfeld und mit rund 2.000 Mitarbeiter:innen an neun Standorten aktiv. Die Leistungen sind in die Geschäftsbereiche Prüfung (Audit) und Beratung (Tax, Law und Advisory) unterteilt. Im Mittelpunkt von Audit steht die Prüfung von Jahres- und Konzernabschlüssen. Tax steht für die steuerberatende­ und Law für die rechtsberatende Tätigkeit von KPMG. Der Bereich Advisory bündelt das fachliche Know-how zu betriebswirtschaftlichen, regulatorischen und transaktionsorientierten Themen.
Mehr Infos unter: Healthcare – KPMG Austria

Die Autor:innen im Kurzporträt

Johanna Horn MBA zPM
Projektmanagement und Leadership

Johanna Horn ist seit über 30 Jahren im Gesundheitswesen tätig und war davon zahlreiche Jahre im gehobenen Management mit hoher Personalverantwortung, u.a. am AKH Wien-Universitätscampus, tätig. Ihre fundierten Zusatzqualifikationen bringt sie im Rahmen ihrer Beratungsleistung von groß angelegten BO-Projekten, Organisationsentwicklungen und Einzelberatungen/Sparring mit Führungspersonen als Senior Consultant bei SOLVE Consulting ein.

Mag.a Petra Herzog zPM
Betriebsorganisationsplanung

Nach einer Ausbildung zur Biomedizinischen Analytikerin und einem Studium der Mikrobiologie begann Petra Herzog im Bereich der Beratung und Planung im Gesundheits- und Krankenhauswesen zu arbeiten und absolvierte berufsbegleitend eine postgraduelle Ausbildung in Krankenhausmanagement. Seit 1999 arbeitet sie als Senior Consultant mit dem Schwerpunkt Betriebsorganisationsplanung und Masterplanung bei SOLVE Consulting.

Mag. Martin Knoll zSPM
Projektmanagement und Betriebsorganisation

Martin Knoll studierte Handelswissenschaft an der WU Wien und ist seit 20 Jahren in Projekten im Gesundheitswesen tätig. Schwerpunkte sind dabei Krankenhausbetriebsorganisation, Implementierung von Krankenhausinformationssystemen und Strategieentwicklung. Aktuell ist er für den Bereich Strukturplanung und Finanzierung in der SOLVE Consulting zuständig.

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