Ausgelagerte Reinigungsdienste in Krankenhäusern: der Ruf nach Qualitätsstandards

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Autor: Martin Hehemann

Immer mehr Krankenhäuser vergeben die Reinigung an externe Dienstleister. Fachleute fordern klare Qualitätsstandards, spezialisierte Anbieter und eine enge Zusammenarbeit mit den Hygieneabteilungen.

Der Satz sorgte für Aufsehen im geneigten Fachpublikum. „Unsere Studie zeigt, dass die Auslagerung von Dienstleistungen aus dem National Health Service zwar Geld sparen kann, dies jedoch auf Kosten einer erhöhten Gefahr für die Gesundheit der Patienten geht.“ Die Aussage von David Stuckler, Professor an der renommierten Universität Oxford, bezieht sich auf eine Untersuchung zum Outsourcing der Reinigung in den Krankenhäusern des britischen National Health Service (NHS).

Das Ergebnis: Die Auslagerung kann zu deutlichen Qualitätsverlusten bei der Hygiene führen. Laut der Studie wurde der gefürchtete Supererreger MRSA in den Spitälern mit externer Reinigung um rund 50 Prozent häufiger nachgewiesen als in Krankenhäusern mit hauseigenem Reinigungspersonal. Dazu Co-Autorin Veronica Toffolutti: „Zum ersten Mal liegen uns empirische Daten vor, die einen klaren Zusammenhang zwischen ausgelagerten Reinigungsdiensten und einer erhöhten Verbreitung von MRSA belegen.“

Ruf nach Qualitätsstandards. Britische Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen ausgelagerten Reinigungsdiensten und einer erhöhten Verbreitung von MRSA.

Relevante Zahlen

Die besagte Studie ist mittlerweile knapp zehn Jahre alt. An ihrer Relevanz hat sich allerdings nichts geändert. Im Gegenteil: Immer mehr Einrichtungen im Gesundheitswesen lagern die Reinigung an externe Dienstleister aus – auch in Österreich. Karl Dauerböck, Geschäftsführer des oberösterreichischen Reinigungsunternehmens Schmidt, schätzt, dass die Outsourcing-Rate mittlerweile bei 50 bis 60 Prozent liegt.

Vor allem die öffentlichen Spitäler und Pflegeheime lassen die Reinigung bereits mehrheitlich von externem Personal durchführen. Dauerböck rechnet damit, dass der Reinigungsmarkt im Health Care-Segment in den kommenden Jahren stärker wachsen wird als in anderen Bereichen: „Es ist noch Luft nach oben. Ich rechne mit einem jährlichen Wachstum von vier bis sechs Prozent.“ Ähnlich sieht das Daniela Mizerovsky, Head of Healthcare beim Facility-Management-Dienstleister ISS in Österreich. Sie erwartet ein Marktwachstum im Gesundheitswesen von rund fünf Prozent pro Jahr.

Die Reinigungsbranche ist sich bewusst, dass sie mit Argusaugen beobachtet wird: „Hygiene hat in einem Spital oder einer Pflegeeinrichtung natürlich eine besonders große Bedeutung. Wir arbeiten teilweise in Risikobereichen. Daher sind die Anforderungen an unsere Arbeit sehr hoch“, weiß Health Care-Expertin Mizerovsky. „Diese Anforderungen zu erfüllen, hat für uns höchste Priorität.“

Das wesentliche Argument für das Outsourcing der Reinigung ist kaufmännischer Natur. „Die Spitäler stehen unter einem hohen Kostendruck und versuchen, die Effizienz ihrer Prozesse zu verbessern. Die Auslagerung ist ein völlig logischer Schritt“, meint ein heimischer Krankenhausmanager. Laut Michael Kazianschütz, Bereichsleiter Wirtschaft/Logistik beim steierischen Krankenhausbetreiber KAGES, ist der Kostenvorteil durch Outsourcing „nicht zu vernachlässigen“. Experten taxieren ihn auf einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz.

Himmelhoch. ISS-Managerin Daniela Mizerovsky erwartet für ihre Branche ein Marktwachstum im Gesundheitswesen von rund fünf Prozent pro Jahr.

Noch mehr Vorteile

Aber das ist nicht der einzige Vorteil. Ein weiterer Pluspunkt: die Entlastung in der Personalverwaltung. Ausschreibungen, Einstellungsgespräche, Dienstplanerstellung – all das entfällt bei Fremdvergabe. Wenn einem Spital oder einem Pflegeheim „das Fachwissen über Umwelthygiene oder die Kapazitäten fehlen, um Zeit für die Suche, Einstellung und Schulung von Mitarbeitern für Umweltdienstleistungen aufzuwenden, kann Outsourcing einen wichtigen Bedarf decken“, meint die britische Hygieneexpertin Alexandra Peters, wissenschaftliche Leiterin des internationalen Netzwerks Clean Hospitals. Sie verweist dabei auf die hohe Fluktuation im Bereich der Krankenhausreinigung. „Der Job ist in der Regel nicht sehr attraktiv: Er ist körperlich anstrengend, erfordert lange Arbeitszeiten und repetitive Bewegungen in der Nähe von kranken Menschen und den Umgang mit einer Vielzahl von Chemikalien bei relativ geringer Bezahlung.“

Schmidt-Geschäftsführer Dauerböck ergänzt: „Die Kernaufgabe eines Krankenhauses kann nicht die Reinigung sein. Wir sind darauf spezialisiert, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu rekrutieren, sie auszubilden und die Führungskräfte zu entwickeln“, meint er. „Mit Blick auf den Personalmangel im Gesundheitswesen ist es sinnvoll, wenn sich das Krankenhausmanagement um diesen Bereich nicht auch noch kümmern muss. Da ist irgendwann einmal die Grenze des Möglichen erreicht“, so Dauerböck.

Einer seiner Kunden nennt einen weiteren Aspekt. „Die Reinigungsfirma ist beim Personalmanagement deutlich flexibler, als wir es intern sein könnten“, meint Hannes Moser, Leiter des Servicebereichs Hausdienste beim Ordensklinikum Linz, das zur Vinzenz-Gruppe gehört. Das unterstreicht KAGES-Manager Kazianschütz: „Wenn eine Reinigungskraft krank ist, muss der Dienstleister Ersatz stellen und dafür sorgen, dass die vereinbarten Leistungen in der vereinbarten Qualität erbracht werden – wir müssen uns darum nicht kümmern.“ Auch Umbauten, Stationssperren oder temporärer Mehrbedarf lassen sich mit externem Personal oft schneller und effizienter abdecken. Dazu Moser: „Wir befinden uns derzeit in einer Umbauphase, wo sich der Bedarf laufend ändert. Der externe Partner kann kurzfristig reagieren und Personal bereitstellen – das ist für uns ein enormer Vorteil.“

Unter Kontrolle. KAGES-Manager Michael Kazianschütz verlangt von FM-Partnern klare Standard Operating Procedures, Schulungskonzepte und Kontrolllisten, die überprüft werden.

Besser durch Spezialisierung

Durch die Spezialisierung auf ihr Kerngeschäft tun sich die Reinigungsunternehmen auch leichter beim Einsatz von technischen Innovationen: „Wir setzen auf modernstes Equipment. Das ist für Krankenhäuser oftmals intern kaum finanzierbar“, sagt Schmidt-Geschäftsführer Dauerböck. Zu den technischen Neuerungen, die derzeit in den Spitälern getestet werden, gehören zum Beispiel innovative Dampfreinigungen. Bei Ausschreibungen und der Einsatzplanung kommt die KI zum Einsatz, beim Monitoring der laufenden Reinigungstätigkeiten Tablets, Smartphones und Apps. Und auch Reinigungsroboter finden allmählich den Weg vom Testlabor in den Spitalsalltag. „Bei einem sehr innovativen Kunden haben wir bereits zwei Roboter im Einsatz“, erläutert ISS-Expertin Mizerovsky. „Reinigungsroboter sind technisch noch nicht völlig ausgereift. Aber ihnen gehört die Zukunft.“

Trotz all dieser Vorteile – die Kritik an der Qualität der Reinigungsleistung von externen Anbietern besteht. Johannes Culen, Generalsekretär der Semmelweis Foundation, ist daher kein Freund der Fremdvergabe: „Aus unserer Sicht ist die In-Haus-Reinigung die bessere Lösung.“

Die Verantwortung für etwaige Qualitätsprobleme sieht die international anerkannte Expertin Peters allerdings weniger bei den Reinigungsunternehmen, sondern bei den Auftraggebern: „Die Wahrheit ist, dass viele externe Dienstleister qualitativ hochwertige Umwelthygienedienste anbieten können“, meint Peters. „Die Schuld liegt größtenteils bei den Gesundheitseinrichtungen selbst.“ Programme zur Hygiene im Gesundheitswesen seien oft Opfer begrenzter Ressourcen. Sie sind für Krankenhäuser ein leichtes Ziel, um ohne unmittelbare Folgen Budgetkürzungen vorzunehmen. Peters ortet dafür zwei mögliche Gründe: „Entweder erkennen die Krankenhausverwaltungen immer noch nicht die Bedeutung der Umwelthygiene für die Infektionsprävention und -kontrolle, oder sie sind sich dessen bewusst, glauben aber einfach nicht, dass dies in ihren Einrichtungen ein Problem darstellt.“ Aus Sicht von Schmidt-Geschäftsführer Dauerböck wird auch in Österreich vor allem bei öffentlichen Ausschreibungen der Fokus zu sehr auf den Preis gelegt: „Das macht es schwer, gute Qualität zu liefern.“

Reinigung ist nicht gleich Reinigung

Die Experten sind sich einig: Outsourcing kann nur funktionieren, wenn der Qualitätsanspruch nicht verloren geht. Dafür braucht es spezialisierte Dienstleister mit gut ausgebildeten Mitarbeitern und fundierter Erfahrung im medizinischen Umfeld. Eine klassische Gebäudereinigungsfirma sei dafür nicht geeignet, betont Semmelweis Foundation-Generalsekretär Culen: „Das sind hoch spezialisierte Anforderungen. Da geht es um Know-how, Prozesse, Monitoring, Schulung und vor allem: um Erfahrung im Gesundheitswesen.“

Aufseiten der Krankenhäuser braucht es jedoch ein strukturiertes Vorgehen. KAGES-Manager Kazianschütz beschreibt das Konzept im Klinikum Graz: „Wir arbeiten mit klaren Standard Operating Procedures, Schulungskonzepten und Kontrolllisten, die wir regelmäßig überprüfen.“ Die Zusammenarbeit mit den Dienstleistern sei eng – man habe fixe Ansprechpersonen, regelmäßige Huddles – Besprechungen nach der Lean Management-Philosophie – und objektive Qualitätsbewertungen. Sein Pendant Moser vom Ordensklinikum Linz betont die Bedeutung einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit: „Wir führen monatlich gemeinsame Kontrollen durch, stimmen Reinigungspläne mit dem Hygieneteam ab und sorgen dafür, dass die externen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Teil des Stationsalltags sind.“

Dabei gehe es nicht nur um Effizienz, sondern auch um Vertrauen und Wertschätzung. Schmidt-Geschäftsführer Dauerböck sieht darin einen zentralen Erfolgsfaktor: „Unsere Leute werden in Linz zur Weihnachtsfeier eingeladen. Wenn jemand in Pension geht, verabschiedet sich das Krankenhauspersonal genauso. Das ist gelebte Partnerschaft.“ Ein rein formales Leistungsverhältnis reiche nicht aus – entscheidend sei, dass beide Seiten sich dem Spital verbunden fühlen und Verantwortung übernehmen. „Wir arbeiten seit 1992 für das Ordensklinikum. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte“, so Dauerböck weiter. „Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich so wohl, dass sie sich eher dem Spital verbunden fühlen als uns. Das sehe ich durchaus positiv.“

Wie weit das Outsourcing gehen kann, bleibt eine Frage der Abwägung. Viele Häuser setzen auf eine Mischform: Sensible Bereiche werden intern betreut, andere ausgelagert. Das Uniklinikum Graz beschäftigt im Bereich der Reinigung mit Stand Sommer 2025 72 eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 322 Externe. „In sensiblen Bereichen wie beispielsweise auf der Onkologie oder auf der Palliativstation behalten wir weiter ganz bewusst eigenes Personal“, sagt Bereichsleiter Kazianschütz. „So erhalten wir das Know-how und machen uns nicht vollständig von externen Anbietern abhängig.“  

Quellen und Links:

The Issues Around Outsourcing:
www.infectioncontroltoday.com/view/clean-hospitals-corner-alexandra-peters-phd-issues-around-outsourcing.com

NHS hospitals that outsource cleaning ‘linked with higher rates of MRSA:
www.ox.ac.uk/news/2016-12-21-nhs-hospitals-outsource-cleaning.com

Reinigung von Gesundheitseinrichtungen: Krankenhäuser, Arztpraxen & Rehazentren:
www.schmidt-reinigung.at/gesundheitseinrichtungen