Bildung senkt vorzeitige Sterblichkeit in Indien eher als Einkommen

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Autor: Scho

Etwa die Hälfte aller Todesfälle in Indien ereignen sich vor dem 60. Lebensjahr. Das entspricht etwa drei Millionen vorzeitigen Todesfällen pro Jahr. Und das, obwohl Indien ein anhaltendes Wirtschaftswachstum verzeichnet, das häufig mit einer höheren Überlebensrate einhergeht. Ein Forschungsteam vom IIASA zeigte nun in einer im Fachjournal „PNAS“ erschienenen Studie, dass Bildung wichtiger als Einkommen ist, um die vorzeitige Sterblichkeit von Erwachsenen in Indien zu senken.

Ein zentrales Ziel der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen ist die Verhinderung vorzeitiger Todesfälle. Weil Wirtschaftswachstum höhere Aufwendungen für Gesundheits- und Sozialsysteme ermöglicht, werde oft erwartet, dass dadurch die Überlebensrate verbessert wird, teilte das Internationale Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in einer Aussendung mit. Doch trotz boomender Konjunktur liegt Indien weit über dem globalen Durchschnitt bei der Sterblichkeit unter Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter.

In der vom Demographen Wolfgang Lutz vom IIASA geleiteten Studie analysierten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter national repräsentative Daten aus der India Human Development Survey, die Einzelpersonen über einen längeren Zeitraum hinweg begleitet. Sie verglichen, wie Bildungsniveau und wirtschaftlicher Status mit dem Risiko eines vorzeitigen Todes im erwerbsfähigen Alter zusammenhängen. Berücksichtigt wurden dabei Gesundheitszustand, Alter, Familienstand, Kaste, Religion, gesundheitsbezogenes Verhalten, Beschäftigung, Wohnort und Region.

Den Ergebnissen zufolge sterben Erwachsene mit höherem Bildungsniveau – unabhängig vom Haushaltsvermögen – weniger wahrscheinlich vorzeitig. Dagegen zeigte ein höheres Haushaltsvermögen keinen ähnlich konsistenten Zusammenhang mit der Sterblichkeit, wenn der Bildungsgrad berücksichtigt wird. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen sind die Unterschiede in der Sterblichkeit nach Bildungsniveau größer als jene nach Vermögensniveau.

Eine wichtige Rolle spielt auch das soziale Umfeld: So hatten Erwachsene, die in Gemeinschaften mit einem höheren durchschnittlichen Bildungsniveau lebten, tendenziell ein geringeres Sterberisiko. Dieses Muster ist den Forschern zufolge besonders bei Frauen deutlich zu erkennen. „Dies deutet darauf hin, dass Bildung das soziale Umfeld und das Verhalten in einer Weise prägt, die sich über die individuellen Umstände hinaus auf die Gesundheit auswirkt“, so Co-Autor Erich Striessnig vom IIASA.

Lutz sieht in den Studienergebnissen „einen klaren politischen Hebel“, um schneller zu Fortschritten bei der Erreichung der gesundheits- und bildungsbezogenen Ziele der SDGs zu kommen. „Die Ausweitung des Zugangs zu hochwertiger Bildung über den gesamten Lebensverlauf hinweg, insbesondere für Frauen und benachteiligte Gruppen, kann weitreichende gesundheitliche Vorteile mit sich bringen, Leben retten und gleichzeitig eine widerstandsfähigere und produktivere Gesellschaft für künftige Generationen schaffen“, erklärte der Demograph.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

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