Digital Healthcare: Die digitale Dividende

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Autor: MP2 IT-Solutions

Welchen Beitrag leistet die Digitalisierung zur Effizienzsteigerung und Qualitätsverbesserung des Gesundheitssystems? Österreichs erste Studie zur digitalen Patient Journey liefert erstmals belastbare Zahlen – und sie fallen deutlich aus.

Mehr erreichen mit gleichem oder weniger Aufwand: Produktivitätsfortschritt gilt Ökonomen als der wichtigste Motor für Wachstum und Wohlstand. Im Gesundheitswesen ist er noch mehr als das – er ist die Voraussetzung dafür, das Versorgungsniveau überhaupt zu halten. Denn die Nachfrage steigt, während der Arbeitskräftepool schrumpft: Bis 2050 sind in Österreich rund 196.500 Pflege- und Betreuungsstellen nach- oder neu zu besetzen. Aus einem kleiner werdenden Bewerberfeld allein ist diese Lücke nicht zu schließen. „Die Gesundheitsausgaben nehmen einen immer größeren Anteil an unserem gesamten Bruttoinlandsprodukt ein“, sagt der bekannte Ökonom Christian Helmenstein von der Economica GmbH. Der Schlüssel zu mehr Produktivität und zur Bewältigung struktureller Herausforderungen ist in seinen Augen die Digitalisierung.

Gerade hat der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Privatuniversität Schloss Seeburg in Salzburg dazu eine Studie vorgelegt. „Der Bruttonutzen von Digital Healthcare entlang der Patient Journey – primärdatenbasierte Evidenz zu Effizienzgewinnen“ lautet der Titel der Untersuchung, die auf dem 16. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress (ÖGWK 2026) präsentiert wurde. Es ist Österreichs erste Studie zur digitalen Patient Journey.

Messbarer Erfolg.
Eine Studie untersucht den Nutzen eines digitalisierten Gesundheitssystems. Die Effizienzpotenziale sind riesig.

Der Weg durch das System

Der Begriff „Digital Patient Journey“ beschreibt den gesamten Weg von Patienten durch das Gesundheitssystem – von der Wahrnehmung erster Symptome über Information, Terminvereinbarung, Diagnose, Behandlung und Entlassung bis hin zur Nachbetreuung. Im Fokus der Studie stehen digitale Technologien wie Online-Portale, elektronische Gesundheitsakten, digitale Kommunikation, Apps oder KI-gestützte Anwendungen. Die Prozesse verbessern, Services bieten und Patienten stärker einbinden. Zielgruppe sind nahezu alle Gesundheitsbetriebe wie Krankenhäuser, Rehabilitationszentren, Privatkliniken, Pflegeeinrichtungen oder Ambulatorien. Die Digital Healthcare Studie ist in Kooperation von Economica GmbH und dem Competence Center Digital Healthcare by MP2 IT-Solutions entstanden. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Wir brauchen Evidenz darüber, wo digitale Lösungen tatsächlich Nutzen stiften, Prozesse verbessern und Menschen entlasten“, betont Co-Geschäftsführerin und Mitgründerin von MP2 IT-Solutions, Gerlinde Macho.

Die Ergebnisse zeigen: Die Digitalisierung ist im österreichischen Gesundheitswesen angekommen – und sie wirkt. Elektronische Verordnungssysteme, Patientenakten und Krankenhausinformationssysteme sind in der großen Mehrheit der Häuser im Einsatz. Die medizinische Dokumentation erreicht einen durchschnittlichen Automatisierungsgrad von 88 Prozent, die pflegerische von 85 Prozent, Abrechnung und Verwaltung von 81 Prozent. In 23 der 26 befragten Einrichtungen gibt es zumindest einen digitalen Patientenkontaktpunkt.

Vor allem aber sind die Effekte klar messbar. Pro digital unterstützter Aufgabe wurden Zeiteinsparungen von 52 bis 62 Prozent erhoben – die größten bei der Termin- und Therapiekoordination sowie beim Dokumentationsaufwand. Redundante Arbeitsschritte nahmen in 90 Prozent der Einrichtungen ab, Medienbrüche in 88 Prozent – und in keiner einzigen Einrichtung haben Medienbrüche zugenommen. Dokumentationsfehler gingen in 85 Prozent der Betriebe zurück. Am deutlichsten profitieren die Mitarbeiter: In rund 80 Prozent der Einrichtungen sank die Arbeitsbelastung, die Mitarbeiterzufriedenheit stieg in 67 Prozent. Auch auf Patientenseite ist der Nutzen sichtbar: 68 Prozent der Einrichtungen berichten über kürzere Wartezeiten, 57 Prozent über eine höhere Patientenzufriedenheit.

Ein Beispiel aus der Praxis: In einer der befragten Pflegeeinrichtungen dokumentiert das Pflegepersonal seine Leistungen nicht mehr am Computer auf der Station, sondern mobil – direkt bei der zu betreuenden Person. Der Vorteil: Das Personal spart sich die langen Wege und die Dokumentationsfehler gehen zurück. Zunächst gab es Vorbehalte gegen die Änderung der gewohnten Abläufe, berichtete der Betreiber der Einrichtung. Doch innerhalb weniger Tage sei der Zuspruch so enorm gewesen, dass niemand mehr zum ursprünglichen System zurückkehren wollte.

Licht ins Dunkel.
MP2-Geschäftsführer (l.n.r.) Manfred Pascher, Gerlinde Macho und Studienautor Christian Helmenstein

Das größte Potenzial liegt beim Patientenkontakt

Die Detailauswertung zeigt, wo die nächsten Schritte liegen. Am stärksten digital unterstützt sind Behandlung und Dokumentation. „Interne Prozesse sind typischerweise digitalisierungsaffiner als die Schnittstellenprozesse“, erklärt Helmenstein. Sprich: Was ein Unternehmen selbst in der Hand hat, lässt sich leichter digitalisieren als jene Bereiche, in denen man auf ein Gegenüber angewiesen ist.

Genau dort liegt nun der größte Hebel – und er ist noch weitgehend unbesetzt. Self-Service-Terminals und die digitale Befundbereitstellung bei der Entlassung sind bislang in zwölf Prozent der Einrichtungen im Einsatz, Patienten-Apps und Online-Portale in weniger als 40 Prozent, Speisekarten und Menüwahl laufen in rund drei Viertel der Häuser noch auf Papier. Keine der befragten Einrichtungen bezeichnet ihre Patient Journey heute als durchgängig digital: Für Vorreiter ist hier ein echter Wettbewerbsvorteil zu holen. Die Betriebe wissen das – den größten Nachholbedarf benennen sie bei Nachbetreuung sowie Kommunikation während des Aufenthalts. Für die kommenden drei Jahre plant die größte Gruppe Investitionen zwischen 50.000 und 150.000 Euro, rund ein Drittel liegt darüber. Erprobte Lösungen dafür gibt es am Markt bereits: von Patienten-App und Online-Portal über Self-Service-Terminals, digitale Unterschrift und NFC-Identifikation bis zur Schulungsplattform.

Ein weiteres großes Potenzial für Effizienzsteigerungen sieht Helmenstein im Einsatz Künstlicher Intelligenz. Die Branche ist bereits unterwegs: 58 Prozent der befragten Einrichtungen nutzen KI oder planen deren Einsatz – ein Wert auf dem Niveau österreichischer Industriebetriebe. Ein Beispiel: Statt Felder in der digitalen Dokumentation manuell auszufüllen, diktiert der Anwender die Informationen, die automatisch an der richtigen Stelle landen; bei Unklarheiten fragt die Anwendung nach. „Das klingt nach einer Kleinigkeit, bringt aber in Wirklichkeit eine Riesenzeitersparnis mit sich“, bekräftigt Manfred Pascher, geschäftsführender Gesellschafter von MP2 IT-Solutions. Die hohen regulatorischen Anforderungen an Medizinprodukte machen die Entwicklung solcher Anwendungen anspruchsvoll – und einen erfahrenen Entwicklungspartner umso wertvoller.

Daten: Der verborgene Schatz

Ungenutzt bleibt bislang der Datenschatz in den Häusern: Nur 21 Prozent der Einrichtungen verfügen über Data-Warehouse- oder Business-Intelligence-Lösungen. Wer hier investiert, gewinnt Steuerungswissen für Ressourcenplanung, Qualitätssicherung und Personaleinsatz. Ein Standortthema in Österreich: Alle Einrichtungen, die dazu Auskunft gaben, speichern ihre Gesundheitsdaten ausschließlich in Österreich.

Die technische Grundlage ist damit gelegt, die strategische Relevanz unbestritten: Regulatorische Erfüllung, Behandlungsqualität und Verwaltungseffizienz werden von 95 bis 100 Prozent der Einrichtungen als relevant eingestuft – und keine einzige nennt fehlende Unterstützung der Entscheidungsträger als Hürde. Was jetzt zählt, ist die konsequente Fortsetzung: eine durchgängige digitale Patient Journey von der Voranmeldung bis zur Nachsorge. Der Nutzen dafür ist nun nicht mehr Behauptung, sondern belegt. 

Studienpräsentation
MP2 & Economica: Studie Digital Patient Journey

Termin: Freitag, 18. Sept. 2026
Zeit: 09:30–10:30 Uhr
Online: via MS Teams

Online-Präsentation der zentralen Studienergebnisse mit Christian Helmenstein, Gerlinde Macho & Christoph Kitzler. Erfahren Sie mehr über Österreichs erste Studie zur Digital Patient Journey und warum Partizipation ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist.

Der Beitrag erscheint mit freundlicher Unterstützung von MP2 IT-Solutions.

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