Christian Weber leitet das Qualitätsmanagement der Klinik Pirawarth und skizziert im Interview den Weg zur Zertifizierung nach ISO 7101:2023.
Warum hat sich die Klinik Pirawarth die ISO 7101:2023 als Ziel gesetzt?
Die Norm ist speziell auf Organisationen im Gesundheitswesen zugeschnitten und berücksichtigt die besonderen Anforderungen an Qualität, Sicherheit für Patientinnen und Patienten und Versorgungsprozesse. Gleichzeitig greift sie gesellschaftlich relevante Themen wie Nachhaltigkeit, Inklusion, Gleichbehandlung und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen auf.

QM-Manager Christian Weber:
„Die Zertifizierung bestätigt unseren Weg.“
Wie geht man so ein Projekt überhaupt an?
Gemeinsam mit unserem externen Experten Paul Bechtold haben wir zunächst unser bestehendes Qualitätsmanagementsystem mit den Anforderungen der ISO 7101:2023 abgeglichen. Daraus wurden notwendige Handlungsfelder sichtbar und konkrete Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und nächste Schritte abgeleitet.
Wie wurden Führungskräfte und Mitarbeiter:innen eingebunden?
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für dieses Projekt war die Unterstützung der obersten Leitung. Durch die klare Priorisierung und Bereitstellung notwendiger Ressourcen konnten Qualitätsbeauftragte und weitere Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Berufsgruppen ihr Wissen aus dem Arbeitsalltag einbringen und die Abläufe gemeinsam weiterentwickeln.
Wie haben Sie die Beteiligten auf die Audits vorbereitet?
Von Beginn an war uns bewusst: Wir machen das nicht für die Zertifizierung, sondern unser Ziel war ein lebbares QM-System mit klaren Abläufen und Zuständigkeiten. Im Audit ging es daher vor allem darum, die gelebten Abläufe und die eigenen Verantwortlichkeiten darzustellen. Wichtig war, nachvollziehbar zu zeigen, wie Qualität und Sicherheit bei uns umgesetzt werden.

Im Grünen.
30 Autominuten von Wien liegt die stationäre Reha-Einrichtung der Klinik Pirawarth (li.).
Im Zentrum.
Direkt an der Brünner Straße, gleich neben der Klinik Floridsdorf betreibt die Klinik Pirawarth ein Ambulatorium (re.).

Welche Bedeutung hat die erfolgreiche Zertifizierung als erstes Unternehmen im DACH-Raum?
Der Einser in der Zertifizierungsnummer macht uns natürlich unglaublich stolz – den kann uns niemand mehr nehmen. Die Zertifizierung bestätigt unseren Weg und verpflichtet uns gleichzeitig, den Weg konsequent fortzusetzen.
Was war rückblickend die größte Herausforderung?
Rückblickend war vor allem der Faktor Zeit eine Herausforderung. Die Anforderungen der ISO 7101:2023 mussten zusätzlich zum Tagesgeschäft erarbeitet und in bestehende Strukturen integriert werden. Wir konnten allerdings auf einer guten Basis aufbauen und hatten außerordentlich engagierte Kolleginnen und Kollegen, die das Projekt mit viel Motivation und Fachwissen vorangetrieben haben.
Was würden Sie einem Unternehmen raten, das sich ebenfalls zertifizieren lassen möchte?
Entscheidend ist, dass die Führungsebene das Vorhaben aktiv unterstützt, die notwendigen Ressourcen bereitstellt und gleichzeitig alle Bereiche und Mitarbeitenden einbezogen werden. Eine Zertifizierung ist kein isoliertes QM-Projekt, sondern kann nur als gemeinsame Unternehmensleistung erreicht werden!

Qualität mit Zertifikat:
Bad Pirawarth ist Vorreiter
Als erstes Unternehmen im deutschsprachigen Raum erhält die Rehabilitationseinrichtung mit Standorten in Bad Pirawarth und Wien das Zertifikat, das speziell für Betriebe im Gesundheitswesen gedacht ist.
Im Bild überreicht DI Marica Pfeffer-Larsson MSc, Branchenmanagerin Gesundheitswesen bei der Quality Austria dem Geschäftsführer der Klinik Pirawarth, Mag. Thomas Mayrandl MBA, symbolisch das Zertifikat. Außerdem im Bild von links nach rechts: Mag. (FH) Corinna Wittmann, QM Klinik Pirawarth; Prim. Priv. Doz. Dr. Karin Vonbank, Ärztliche Direktorin am Standort Wien; Christian Weber, Leitung QM; Prim. Prof. PD Dr. Stefan Seidel FEAN, Ärztlicher Direktor Bad Pirawarth und Dijana Burger, Pflegedirektorin Bad Pirawarth
Wie sieht der weitere Weg nach der erfolgreichen Zertifizierung aus?
Wir werden unsere Prozesse und Strukturen weiterhin regelmäßig überprüfen und dort anpassen, wo es notwendig ist, um die Klinik Pirawarth auch für zukünftige Herausforderungen gut aufzustellen.
Was war die wichtigste Erkenntnis aus diesem Projekt?
Dass das erhaltene Zertifikat nicht der Abschluss des Projekts ist, sondern der Beginn fundierter Qualitätsarbeit, und darauf freuen wir uns.
Stimmen zum Projekt:



Ing. Elisabeth Tucek, akad. KHM (li.) und DI Dr. Tatjana Lösch (re.), Auditorinnen:
„Es sind die Menschen, nicht die Normen, die besondere Audits ausmachen. Diese erste ISO-7101-Zertifizierung war auch für uns ein besonderer Meilenstein.“
Paul Bechtold MSc, MBA, externer Berater (Mitte):
„Es war sehr bereichernd, die Klinik Pirawarth eineinhalb Jahre lang zu begleiten. Besonders beeindruckt hat mich, wie sich das Unternehmen als Organisation weiterentwickelt hat. Aus einzelnen Maßnahmen ist Schritt für Schritt ein gemeinsames Verständnis dafür entstanden, wie Qualität im Alltag gelebt werden kann.“
