WIR.K.S.A.M. 2026: Was bleibt. Was wirkt. Was wir weiter tun.

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: ÖGWK-Präsidiale

Der Österreichische Gesundheitswirtschaftskongress 2026 stand unter dem Motto „WIR.K.S.A.M. – wir könnten sicher auch mehr“. Rund 400 Fachleute, Führungskräfte und Entscheidungsträger haben an zwei Kongresstagen darüber diskutiert, wie wir im Gesundheitswesen produktiver arbeiten, Abläufe anders gestalten, verbindlicher kooperieren und Menschen verantwortungsvoll beteiligen können.

Aus den zahlreichen Sessions bleibt vor allem eines: Wirksamkeit entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme. Sie entsteht dort, wo Menschen, Verantwortung, Ressourcen, Daten und Strukturen auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet sind, und wir gemeinsam ins Tun kommen.

1. Patient:innen sind der Maßstab

Wirksamkeit beginnt bei den Menschen, für die das Gesundheitssystem da ist. Die Frage, ob Gesundheitsleistungen tatsächlich einen relevanten Nutzen für Patient:innen schaffen, muss deshalb Ausgangspunkt und Maßstab unseres Handelns sein.

„Patient first“ bedeutet: Outcomes und Ergebnisqualität stärker ins Zentrum von Entscheidungen, Planung und Anreizsystemen zu stellen und mit klaren KPIs zu unterfüttern.

2. Verantwortung braucht Leadership

Wirksamkeit braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen können und wollen. Wo Entscheidung und Verantwortung auseinanderfallen, entsteht kollektive Unzuständigkeit.

Deshalb brauchen wir ein höheres Entscheidungstempo, Vertrauen, Transparenz, Rechenschaft und mehr Raum für Gestaltung, Probieren und Lernen – und Führungskräfte mit Leadership, die Verantwortung nicht nur delegieren, sondern ermöglichen.

3. Beteiligung ist kein Zusatz, sondern Voraussetzung für Wirksamkeit

Menschen, die von Veränderungen betroffen sind, müssen von Anfang an beteiligt werden – Patient:innen ebenso wie Mitarbeiter:innen und die Bevölkerung.

Wirksam gelingende Partizipation braucht dabei mehr als gute Methoden: Sie braucht Haltung, Dialogbereitschaft und die Bereitschaft, Macht zu teilen. Gerade im Gesundheitswesen ist Beteiligung deshalb auch eine demokratiepolitische Aufgabe.

4. Kooperation macht aus Einzelleistung Systemleistung

Die einzelnen Leistungserbringer:innen sind für sich hochproduktiv. Der noch größere Hebel liegt jedoch im Zusammenspiel zwischen den Berufsgruppen und Sektoren.

Integrierte Strukturen, gemeinsame Zielsysteme und verbindliche Kooperation können Produktivität und Wirksamkeit dort erhöhen, wo Einzelinteressen, Sektorengrenzen oder Standesdenken bisher Grenzen setzen.

5. Mehr Wirksamkeit heißt nicht automatisch mehr Ressourcen

Die zentrale Frage lautet nicht nur, wie viel wir einsetzen, sondern was wir mit den vorhandenen Ressourcen bewirken.

Dazu gehört, unnötige Bürokratie und normative Hürden abzubauen, Flaschenhälse zu beseitigen und Digitalisierung dort einzusetzen, wo sie Prozesse tatsächlich besser macht. Effizienter Mitteleinsatz ist dabei nicht nur Sparen, sondern auch eine Form gemeinsamer Selbstwirksamkeit.

6. Daten und Digitalisierung müssen Nutzen stiften

Digitale Unterstützung ist ein Schlüssel für integrierte Versorgung. Voraussetzung dafür sind jedoch verlässliche Daten, ein rechtlich abgesicherter Umgang mit Gesundheitsdaten, Regulatory Sandboxes und vor allem ein erkennbarer Nutzen für Patient:innen, Health Professionals, Organisationen und System.

Datenerfassung und Digitalisierung sind kein Selbstzweck. Wirksam werden sie erst dann, wenn sie bessere Entscheidungen und bessere Versorgung ermöglichen.

7. Veränderung ist möglich – wenn wir sie gemeinsam gestalten

Die Bereitschaft zur Neuaufstellung des Gesundheitswesens ist vorhanden. Dafür braucht es Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, die frühzeitig zusammenkommen, gemeinsam Lösungen entwickeln und Reformen konstruktiv mitgestalten.

Gesundheitskompetenz, Beteiligung der Bevölkerung und gemeinsame Zielsysteme sind dabei ebenso wichtig wie die Fähigkeit, Wirksamkeit und Finanzierbarkeit zusammenzudenken.

Save the date:

Der 17. Österreichische Gesundheitswirtschaftskongress 2027 findet
am 10. und 11. Juni 2027 in Wien statt.

Weiterlesen:

Erkenntnisse zu Stream #1 „produktiv arbeiten“ von
V. Foglar-Deinhardstein
>> hier geht es zur Zusammenfassung

Erkenntnisse zu Stream #2 „Abläufe anders gestalten“ von
R. Schaffler
>> hier geht es zur Zusammenfassung

Erkenntnisse zu Stream #3 „verbindlich kooperieren“ von
H. Brock
>> hier geht es zur Zusammenfassung

Erkenntnisse zu Stream #4 „Menschen verantwortlich beteiligen“ von
R- Ruda, M. Kletečka-Pulker
>> hier geht es zur Zusammenfassung

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