Mit digitalen Lösungen zu Prozessentlastungen im Gesundheits­bereich – Ergebnisse der aktuellen Studie

Lesedauer beträgt 4 Minuten
Autor: Kathrin Bruckmayer

Ein Fachbeitrag aus dem ÖGWK-Begleitbuch zu wichtigen Themabereichen in Bezug auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen: Prozessentlastung, Digitalisierung, Digitale Transformation, IT-Strategie und KI.

Wie wappnen sich österreichische Gesundheitseinrichtungen für die Herausforderungen der Digitalisierung, welche Maßnahmen haben sie bereits ergriffen und wie rückt der Einsatz neuer Technologien den Menschen wieder in den Fokus – um diese und zahlreiche weitere Fragen ging es in der neu veröffentlichten Studie „Gesundheit im Wandel der digitalen Vernetzung“, an der rund 150 heimische Wissensträger:innen beteiligt waren.

Im Gesundheitswesen hat das Thema Digitalisierung in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Frage lautet daher nicht, ob sich das österreichische Gesundheitssystem im Wandel der digitalen Vernetzung befindet, sondern an welchem Punkt es aktuell steht. Fest steht, es passiert einiges, es gibt aber weiterhin noch viel Potenzial.

Fokus auf Patient:innen und Entlastung der Fachkräfte

Gerade in Zeiten des akuten Fachkräftemangels, von dem auch der Gesundheitsbereich massiv betroffen ist, gibt uns Digitalisierung die Chance, den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Innovative Technologien – an den richtigen Stellen eingesetzt und in eine gesamtheitliche Strategie eingebettet, – können einerseits das Fachpersonal in ihrer täglichen Arbeit unterstützen und entlasten sowie andererseits das gesundheitliche Outcome auf Patient:innenseite erhöhen. Denn dass es Optimierungsbedarf gibt, ist unbestritten. Rund 55 Prozent der Befragten sahen das größte Digitalisierungspotenzial in den Kernprozessen der Gesundheitseinrichtungen, nämlich in der Aufnahme, der Diagnostik und der Therapie.

Mit digitalen Lösungen zu mehr Personalisierung

So können beispielsweise automatisierte Datenerfassung und intelligente Planungstools die Wartezeiten der Patient:innen verkürzen. KI-unterstützte Diagnostik kann nicht nur den benötigten Zeitaufwand reduzieren, sondern auch zur frühzeitigen Erkennung von Krankheiten sowie einer Erhöhung der Diagnosegenauigkeit beitragen. Und auch im Bereich der Therapie kann dem Fachpersonal durch digitale Unterstützung vor allem bei der Dokumentation mehr Zeit für die Behandlung und Betreuung der Patient:innen ermöglicht werden. Wir sollten den digitalen Wandel als Chance ergreifen, den Arbeitsalltag der Fachkräfte neu zu gestalten, sie durch innovative Ansätze zu entlasten und so den Fokus vermehrt auf ihre medizinischen Kernkompetenzen zu legen.

Um mit digitalen Lösungen tatsächlich ein langfristiges und positives Outcome zu erreichen, ist ein Umdenken erforderlich. Denn immer noch ist das allgemeine Verständnis von digitaler Transformation vorrangig das Abbilden analoger Prozesse in einer digitalen Welt. Digitalisierung ist aber weit mehr: Sie verändert nicht nur die Zusammenarbeit und unser Verständnis von Arbeit, sondern erfordert auch eine völlig neue Art zu denken, eine neue Haltung. Nur so kann die Implementierung von innovativen Technologien die Entlastung der Fachkräfte und die Patient:innenzentrierung vorantreiben.

Digitalisierung als Teil der Unternehmensstrategie

Die positive Nachricht ist: Österreichische Gesundheitseinrichtungen sind gut auf die Digitalisierung vorbereitet – in der Theorie. In der Praxis besteht aber Aufholbedarf. So sahen 85 Prozent der Befragten die Grundpfeiler der Digitalisierung in ihrer Unternehmens- oder IT-Strategie zwar verankert, es fehlt aber weitgehend eine entsprechende Umsetzungssteuerung. Und ganze 50 Prozent stuften sich in Bezug auf den Reifegrad der Digitalisierung noch wenig weit fortgeschritten ein.

Um Digitalisierung im Unternehmen effizient steuern zu können, ist es von entscheidender Bedeutung, die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten zu klären. 24 Prozent sahen die Verantwortung dafür in ihrer Organisation noch nicht geregelt. Bei der restlichen Mehrheit sind IT-Expert:innen im Lead. Das Aufspüren und das Liefern von Ideen, an welchen Stellen man durch Digitalisierung etwas besser gestalten kann, erscheint in den Fachbereichen einfacher. Pflegepersonal und Ärzt:innen wissen aus ihrer täglichen Arbeit, welche Prozesse nicht rund laufen und wie man durch innovative Ansätze effizienter arbeiten, die Patient:innen besser servicieren und das medizinische Outcome erhöhen kann. Mit einem Fokus auf den IT-Aspekt kann das volle Potenzial also nicht ausgeschöpft werden, es braucht vielmehr ein Zusammenspiel zwischen den Fachabteilungen, welche die Ideen liefern, und den IT-Expert:innen, welche die Umsetzung ermöglichen.

Über die Studie

Die Umfrage zur Studie wurde zwischen Juni und Oktober 2022 mit einer Beteiligung von rund 150 österreichischen Vertreter:innen im Gesundheitswesen durchgeführt. Die Teilnehmer:innen setzten sich vorrangig aus Mitarbeiter:innen von Krankenhäusern, Krankenhausbetriebsgesellschaften, Sanatorien, Rehabilitationskliniken bzw. -zentren, Langzeitpflege-Organisationen, Gesundheitszentren, Diagnosezentren, Sozialversicherungsträgern, Dachverband-Organisationen und Vereinen mit Schwerpunkt im Gesundheitswesen zusammen.

Key Findings – welche Erkenntnisse lieferte die Studie?

85 Prozent sahen die Grundpfeiler der Digitalisierung in der Unternehmens- oder IT-Strategie zumindest teilweise verankert – reine Digitalisierungsstrategien und eine Umsetzungssteuerung sind noch wenig verbreitet.

77 Prozent der Digitalisierungsinitiativen werden angetrieben durch den Wunsch nach Optimierung des Ressourceneinsatzes. Dicht dahinter liegen Treiber wie Steigerung der Prozesseffizienz und durchgängige Patient:innensicherheit.

65 Prozent sind organisatorisch bereit für die Transformation – Respekt wird dem bevorstehenden Struktur- und Kulturwandel aber dennoch gezollt und Herausforderungen werden gesehen.

62 Prozent sahen im Hinblick auf die Digitalisierung innerhalb der Verwaltung besonders im Personalmanagement noch Aufholbedarf.

Das Vorwort der Herausgeberinnen Julia Bernhardt, Kathrin Bruckmayer und Lena Sattelberger zum Buchband „Von Einsichten und Aussichten im Gesundheitswesen“ aus der ÖGWK-Schriftenreihe

Laut sind sie, die Rufe nach nachhaltigen Lösungen. Lösungen, die meist die anderen bringen sollen. Lösungen für mehr Gesundheit, für den niederschwelligen Zugang zu Prävention und Versorgung, für ein effizientes und effektives Gesundheitswesen. Das alles in einer Zeit, in der Tempo und Druck stetig steigen, der Wohlstand sinkt und die Resilienz insbesondere in den letzten Jahren gelitten hat. Eines wird immer deutlicher: der bisherige „Fahren auf Sicht“ Ansatz kann nicht der richtige sein, wenn es um mehr gesunde Lebensjahre für uns alle geht.

„Unterwegs in ungewissen Zeiten – Klartext. Wissen. Standpunkte.“

So titelt der 13. Österreichische Gesundheitswirtschaftskongress und lädt 450 Expert:innen, Führungskräfte und Entscheidungsträger:innen aus Gesundheitseinrichtungen, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und öffentlicher Verwaltung als Teilnehmer:innen des Kongress ein, den notwendigen Veränderungen mutig zu begegnen.

Mut, den es brauchen wird, den auch wir als Begleiter:innen zahlreicher Veränderungen schon erleben durften. Veränderungen im Gesundheitswesen – disruptive wie sanfte, in einzelnen Organisationseinheiten, mehrere Gesundheitsdiensteanbieter:innen betreffend bis hin zu Sektoren übergreifenden Projekten, die an den Grundfesten unseres Gesundheitssystems rüttelten. Wir haben sie in allen Berufsgruppen und Hierarchieebenen gesehen: die Menschen mit Mut, Empathie, Durchhaltevermögen, Kompetenz und Weitblick.

Neben diesem Mut benötigt es noch etwas: die nachhaltigen Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit können nicht von Einzelnen, sondern nur gemeinsam geschaffen werden. Kollaboration, interdisziplinäre, sektoren- und hierarchieübergreifende Zusammenarbeit wird zum Schlüssel. Sie, geschätzte:r Leser:in dieser Schriftenreihe sind ein Teil dieser Menschen, die ihre Gestaltungsspielräume nutzen und unser aller Gesundheitszukunft positiv wie nachhaltig mitgestalten. Unsere Einsichten und Ausblicke sollen Sie dabei ein Stück weit unterstützen.

Infos zur ÖGWK-Buchreihe

Von Einsichten und Aussichten im Gesundheitswesen: Konzepte, Praktiken und Erfahrungen für Gesundheitsorganisationen, Schriftenreihe zum Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress, Band 2, Springer Verlag-GmbH in Kooperation mit KPMG & SOLVE Consulting, Wien, 2023

Als Verbund rechtlich selbstständiger, nationaler Mitgliedsfirmen ist KPMG International mit rund 273.400 Mitarbeiter:innen in 143 Ländern eines der größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen weltweit. Die Initialen von KPMG stehen für die Gründerväter der Gesellschaft: Klynveld, Peat, Marwick und Goerdeler.
In Österreich ist KPMG eine der führenden Gruppen in diesem Geschäftsfeld und mit rund 2.000 Mitarbeiter:innen an neun Standorten aktiv. Die Leistungen sind in die Geschäftsbereiche Prüfung (Audit) und Beratung (Tax, Law und Advisory) unterteilt. Im Mittelpunkt von Audit steht die Prüfung von Jahres- und Konzernabschlüssen. Tax steht für die steuerberatende­ und Law für die rechtsberatende Tätigkeit von KPMG. Der Bereich Advisory bündelt das fachliche Know-how zu betriebswirtschaftlichen, regulatorischen und transaktionsorientierten Themen.
Mehr Infos unter: Healthcare – KPMG Austria

SOLVE Consulting ist die größte Boutiqueberatung des Landes mit 100% Fokus auf das Gesundheitswesen. Ihr hochkompetentes und äußerst erfahrenes Team begleitet Gesundheitsorganisationen aller Sektoren und bietet praxisnahe Lösungskonzepte sowie einen ganzheitlichen Beratungsansatz, der durch moderne Methoden und begleitende Organisationsentwicklung unterstützt wird. SOLVE Consulting implementiert SOLUTIONS FOR HEALTHCARE mit dem höchsten Qualitätsanspruch. Für mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Für #mehrgesundheit – auch für die nächsten Generationen.
Weitere Infos: solve.at

Die Autorin im Kurzporträt

Mag.a Kathrin Bruckmayer
Partnerin bei KPMG Österreich

Kathrin Bruckmayer verfügt über langjährige Expertise im Bereich IT- und Digitalisierungsberatung und unterstützt ihre Kunden mit innovativen Ansätzen im Bereich digitaler Transformation. Sie berät bei komplexen Themenstellungen wie strategischer IT-Beratung und Projektmanagement bis hin zur Umsetzungsbegleitung in der Transformation. Ihr Branchenschwerpunkt liegt im öffentlichen Bereich – insbesondere im Gesundheits- und Sozialversicherungswesen in Österreich. 

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