Liebe Leserinnen und Leser,

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Autor: Josef Ruhaltinger

es ist schwierig, eine Geschichte über die Vorgänge in den USA zu schreiben und sich nicht in einer Endlosschleife zu verlieren. Die Vorhaltungen an die US-Regierung wiederholen sich ebenso häufig, wie sich der Eindruck verfestigt, man habe es im MAGA-Land mit einem Rudel an dümmlichen Dilettanten zu tun. Vor allem zweiteres wäre ein grober Fehler. Es sind kluge Männer und Frauen am Werk, die der Überzeugung sind, dass Welt und US-Gesellschaft eine Neuausrichtung brauchen. Sie hängen sich dabei an eine Lokomotive, die sie mit ungeahnter Kraft an ihr Ziel bringt. Im Führerhaus steht ein Präsident, der diebisches Vergnügen daran findet, geltende Regeln zu brechen und sich an der Verblüffung derjenigen zu weiden, die ihn immer verlacht haben. Bei Politikern seiner Machart – aber auch bei deren Wählern – ist Rache für all die Häme, der sie von Seiten der „Gutmenschen“ ausgesetzt sind, ein nicht ermüdender Antrieb. Was wäre wohl aus der Welt geworden, wenn Barack Obama den Immobiliendealer beim White House Correspondents’ Dinner 2011 nicht verarscht hätte?

Akademischer Boden. Josef Ruhaltinger nach dem Interview mit Vize-Rektorin Michaela Fritz.

Situationsberichte eines britischen Wissenschaftlers, der seit mehr als einem Jahrzehnt an der Universität von Texas forscht, oder des Kremser Epidemiologen Gerald Gartlehner, der aktuell ein Sabbatical an seiner Mutter-Uni in Durham/North Carolina absolviert, lassen schaudern. Sie erzählen von einer Atmosphäre der Angst, in der jedes Wort unter Kollegen auf die Gold­waage gelegt wird. Man will nicht auffallen. Beängstigend sind dabei historische Parallelen: An den US-Unis tauchen willige Helfer auf, die bislang in untergeordneten Hierarchien ihr berufliches Dasein fristeten und dies auf das Mobbing der linksliberalen Blasen zurückführen. Diese Charaktere sitzen jetzt an den Hebeln der Förderfonds wie NIH und bringen sich an den Forschungsinstitutionen – und allen anderen Bundes-Einrichtungen – in Stellung.

An der MedUni Wien will Vize-Rektorin Michaela Fritz die Situation nicht nutzen, um US-Talente abzuwerben. Allerdings stehen ihre Uni und andere heimische Forschungseinrichtungen bereit, wenn junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Druck der MAGA-Fanatiker nicht mehr aushalten. Die Titelgeschichte beschreibt, mit welchen Argumenten man die hellen Köpfe locken will – und wie groß die Konkurrenz aus anderen europäischen Staaten ist.

Bleiben Sie uns gewogen,

Josef Ruhaltinger
Chefredakteur

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