Brocks Panorama – internationale Gesundheits­wirtschaft

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Autor: Heinz Brock

Aktuelles aus der internationalen Welt der Gesundheitswirtschaft.

Europäische Union
Europäischer Plan zur Krebsbekämpfung startet Netzwerk von Zentren

Das European Network of Comprehensive Cancer Centres (EUnetCCC) wurde Anfang November in Paris ins Leben gerufen. Elf Länder haben insgesamt 33 Comprehensive Cancer Centres als erste Kandidaten für einen europäischen Zertifizierungsprozess nominiert. Bis 2028 soll das Netzwerk 100 zertifizierte Zentren in 31 Ländern umfassen. Gefördert wird die Initiative mit 90 Millionen Euro aus dem EU4Health Programm mit dem Ziel, bis 2030 für 90 Prozent der dafür geeigneten Krebspatienten in Europa den Zugang zu Prävention, Diagnose und Therapie in derartigen Zentren zu ermöglichen. Das EUnetCCC soll den Austausch von Expertise, Ressourcen und Best Practice Erfahrungen strukturiert und nachhaltig fördern, die nationalen Krebsbehandlungs-Strategien unterstützen und gleiche Chancen auf höchstklassige Therapie im gesamten EU-Raum schaffen. Gleichzeitig soll auch der globale Stellenwert der Europäischen Union als innovativer Standort für die Bekämpfung der Krebserkrankungen untermauert werden.

Schweiz
Roche verhandelt mit Trump

Die Schweiz führt mit der US-Regierung gleich mehrere Zollverhandlungen. Nur bei einer ist der Bundesrat involviert. Bei jener um den von Donald Trump verhängten Länderzoll in Höhe von 39 Prozent gegen die Schweiz. Die anderen betreffen Roche und Novartis. Sie verhandeln allein mit den USA, um Pharmazölle abzuwehren. In diesen Gesprächen geht es aber auch um die Medikamentenpreise in der Schweiz und Europa. Die US-Regierung fordert, dass die Preise für Medikamente, die Roche neu in den USA auf den Markt bringt, an die Preise in anderen Industriestaaten angepasst werden. Einer Studie der US-Denkfabrik Rand zufolge kosten patentgeschützte, verschreibungspflichtige Therapien in den USA im Vergleich zu anderen Ländern mehr als das Vierfache. Die USA finanzieren maßgeblich die Forschung der Pharmakonzerne – wie auch ihre hohen Gewinne. Die laufenden Verhandlungen zwischen den Unternehmen und den USA entscheiden darüber, ob es für Life-Science-Konzerne attraktiv bleibt, neue Medikamente zeitnah mit den USA in Europa zu lancieren. Roche hat dieses Jahr in der Schweiz eine Krebstherapie zurückgezogen. Der Biopharmakonzern Gilead tat dies im Sommer in Großbritannien.

Deutschland
Gesetzliches Kompetenz-Upgrade der Pflegeprofession

Der deutsche Bundestag gibt grünes Licht für das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP). Damit können Pflegekräfte künftig eigenverantwortlich Heilkunde ausüben, das heißt, sie dürfen im Rahmen ihrer Kompetenzen Leistungen erbringen, die bisher Ärzten vorbehalten waren – allerdings erst nach einer ärztlichen Erst-Diagnose. Gleichwohl sollen Pflegefachpersonen die Möglichkeit haben, Leistungen auch ohne ärztliche Diagnose zu erbringen –, sofern „sie den pflegerischen Bedarf im Rahmen einer pflegerischen Diagnose festgestellt haben“, wie es in einer Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) heißt. Ärzteverbände hatten die Politik in der Vergangenheit davor gewarnt, Parallelstrukturen in der Versorgung zu schaffen. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) betonte, Pflegekräfte in Deutschland könnten „viel mehr, als sie bislang dürfen“. Mit dem Upgrade würden die Pflegeberufe zudem attraktiver.

Dr. Heinz Brock
ist emeritierter Ärztlicher Geschäftsführer des
Kepler Universitätsklinikums und Kongresspräsident des
Österreichischen Gesundheits­wirtschaftskongresses ÖGWK.
Kontakt: heinz@heinz-brock.at

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