Vitrea-CEO Klaus Schuster: „Fortführen, was funktioniert hat“

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Autor: Josef Ruhaltinger

VAMED care heißt jetzt Vitrea. CEO Klaus Schuster spricht über den Mehrheitseigentümer PAI, Zukäufe in Deutschland und beteuert, dass Standorte und Mitarbeiterzahlen in Österreich gesichert sind.

VAMED care hatte ein verwurzeltes Branding mit einer bekannten Unternehmens­geschichte. Warum will man sich von dieser Marke trennen?
Klaus Schuster: VAMED ist in Österreich tatsächlich ein starker Begriff. Für viele steht das Branding für den Bau von Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen. Im Logo der VAMED waren Stahlträger zu sehen. Unser Geschäft mit der Rehabilitation wurde dabei eher stiefmütterlich im Hintergrund gehalten, obwohl es immer ein Kerngeschäft darstellte. Genau deshalb war der Markenwechsel notwendig. Unser Schwerpunkt liegt heute in der medizinischen Nachsorge, hier insbesondere in der Rehabilitation. Die Marke Vitrea soll diesen Wandel sichtbar machen. Wir wollten ein Signal für den Neuanfang setzen, ohne unsere Geschichte zu verleugnen.

Klaus Schuster (51) ist seit Oktober 2024 CEO der VITREA Gruppe (vormals VAMED care), mit rund 14.000 Beschäftigten und mehr als 70 Einrichtungen eines der führenden Reha-Unternehmen im deutschsprachigen Raum. In Österreich gehören 21 Gesundheitseinrichtungen mit 3500 Mitarbeitern zur Gruppe, deren Headquarter in Wien ist. Nach seinem Medizinstudium und seiner Promotion an der Medizinischen Universität Wien arbeitete der gebürtige Niederösterreicher zehn Jahre lang als Arzt am Universitätsklinikum St. Pölten, bevor er ins Gesundheitsmanagement wechselte. Vitrea gehört zu mehr als 70 Prozent dem französisch-luxemburgischen Equity-Fonds PAI und Fresenius als Minderheitsgesellschafter.

Wie kommt man auf den Namen Vitrea?
„Vitrea“ leitet sich vom lateinischen Wort vitreus ab, also durchsichtig, klar. Es gibt aber auch die Assoziation zu „vital“. Beides passt zu uns. Es ist ein Kunstwort. Aber es hat bei der Mitarbeiterpräsentation eine überwältigende Resonanz gefunden. Ab da waren wir uns sicher.

Sie sprechen von einem Neustart. Wie soll der aussehen?
Unsere Strategie lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: Jeden Tag ein Stück stärker werden. Erfolg muss messbar sein – und zwar aus mehreren Perspektiven.Erstens aus Sicht der Patientinnen und Patienten. Wir messen Zufriedenheit, Weiterempfehlungsraten und den medizinischen Fortschritt während der Rehabilitation. Zweitens betrachten wir die Perspektive unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne engagierte, motivierte Teams funktioniert keine Reha-Einrichtung. Drittens spielt die Wirtschaftlichkeit eine zentrale Rolle. Wir streben permanent eine Auslastung jenseits der 90 Prozentgrenze an, um weiter investieren zu können – und profitabel zu sein. Wir stehen überall in Europa vor steigenden Kosten und angespannten Budgets. Daher müssen wir unsere Strukturen kontinuierlich anpassen und wirtschaftlich stabil bleiben. Aber ich kann aus heutiger Perspektive versichern: Das passiert primär nicht mit Einsparungen und nicht mit Schließungen, sondern mit Prozessoptimierungen und dem Heben von Synergien.

Vitrea hat im Sommer noch als VAMED care in Deutschland die Reha-Sparte der Paracelsus-Gruppe gekauft. Das sind neun Standorte in Süddeutschland mit rund 1000 Beschäftigten. Der Kaufpreis soll ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag sein. Hat der Mehrheitseigentümer PAI beim Kauf zugeschossen oder hat Vitrea den gesamten Kauf selbst gestemmt?
Die Paracelsus-Akquisition war ein wichtiger Schritt für uns. Finanziert wurde der Erwerb im Rahmen unserer regulären Kapitalstruktur, also aus einer Kombination von bestehenden Mitteln und gezielten Investitionen des Mehrheitseigentümers PAI. Der Kauf zeigt, dass wir weiterwachsen wollen – und PAI dies unterstützt.

Wie ist es, im Mehrheitseigentum eines Private-Equity-Fonds zu stehen, zu dessen Prinzipien es gehört, das Unternehmen weiterzuverkaufen, in dem man arbeitet?
Private Equity hat nicht immer den besten Ruf. Das wissen wir. Natürlich wird ein Finanzinvestor irgendwann über den Exit nachdenken, das liegt in der Natur des Modells. Aber bis dahin verfolgt PAI klare Entwicklungsziele. Ich spüre das jeden Tag. Ich sehe PAI nicht als kurzfristigen Verwerter, sondern als Partner, der uns unterstützt, das Unternehmen auf ein neues Niveau zu bringen.

Was ändert sich für die früheren VAMED care-Standorte in Österreich?
Für die österreichischen Einrichtungen ändert sich im täglichen Betrieb wenig bis gar nichts. Wir hatten gerade das Signing für den Verkauf von unserer tschechischen Beteiligung und konzentrieren uns ausschließlich auf die DACH-Region. Wo sich etwas ändern wird, ist der strategische Rahmen. Das heißt: gemeinsame Qualitätsstandards, abgestimmte Prozesse, Synergienutzung.

Sie betreiben Standorte gemeinsam mit der SALK, der Landesregierung Niederösterreich und der Stadt Wien. Wie geht es da weiter?
Alle Seiten wollen fortführen, was bisher gut funktioniert hat. Natürlich gab es im Zuge der Verhandlungen kleinere Anpassungen, aber grundsätzlich wurde klar: Unsere bisherige Arbeit wird geschätzt und soll in gleicher Qualität weitergeführt werden. Wir behalten an allen Standorten den Managementauftrag.

Was können Sie im Speziellen zur Zukunft des Anton-Proksch-Instituts sagen?
Das Anton-Proksch-Institut ist eine ganz besondere Einrichtung mit einem klaren medizinischen Auftrag in der Suchtbehandlung. Uns ist bewusst, wie sensibel dieser Bereich ist. Unser Ziel ist es, die Qualität und den Ruf des Hauses zu sichern und auszubauen, nicht ihn zu verändern. Ich kann die Sorgen der Belegschaft im Zuge der öffentlichen Diskussionen im Gesundheitswesen nachvollziehen, aber wir stehen voll hinter dem Institut. Für mich persönlich ist das Institut ein Leuchtturm der psychosozialen Rehabilitation. Das Haus hat eine zentrale Rolle in unserem Portfolio.

Wie sichern Sie die Personalsituation bei Vitrea?
Das ist eines der entscheidenden Themen. Wir stehen in allen Ländern im Wettbewerb um Pflege- und Therapiepersonal. Generell sind wir im pflegerischen und im medizinischen Personalbereich aber gut aufgestellt. Wir suchen zwar immer neue Mitarbeiter. Aber wir haben derzeit keine Situation, Abteilungen oder Stationen sperren zu müssen.