We need you!

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Norbert Peter

Bekenntnisse eines Leidenden. Eine Satire von Norbert Peter.

Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann. Fragt, was ihr für euer Land tun könnt!“ – Sätze, die John F. Kennedy 1961 bei seiner Antrittsrede sprach und die – wenn auch etwas dumpf – bis heute nachhallen. Der Name Kennedy steht aber nicht uneingeschränkt für Qualität auf höchster Ebene: Sein Neffe Bobby Jr. schaffte es als Impfgegner ins Kabinett von Donald Trump. Dort wirkt er als Gesundheitsminister und gibt auch viele Worte von sich, die für Aufsehen sorgen. „Sorgen“ im wahrsten Sinn des Wortes. Unter anderem erklärten im September neun ehemalige Direktoren der CDC (Centers for Disease Control), dass er die Gesundheit der Amerikaner gefährde. Sie sehen: Gleicher Nachname, aber kein Vergleich in Sachen Image.

Nach diesem kleinen geopolitischen Exkurs kehren wir zurück in unsere Alpenrepublik, in der wir ja auch ausreichend Probleme haben. Zum Beispiel die Personalknappheit im Gesundheitssystem. Deshalb will ich in dieser Kolumne nach Möglichkeiten suchen, diese oft geschmähten Berufe in all ihrer Attraktivität darzustellen.

Beginnend mit einer Defizitanalyse betreffend die Ärzteschaft: Wir alle wissen, dass das Berufsbild zu wünschen übrig lässt. Die Standesvertreter werden nicht müde, die Bürden des Berufes in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Last ist schwer: Diese zweifelhafte Position, in der Klinik-Pyramide im oberen Drittel angesiedelt zu sein mit all der Verantwortung, die man dafür schultern muss? Dieses Augen-Verdrehen der Oberschwester aushalten müssend, nur weil man im Aufenthaltsraum das Kaffeehäferl nicht in den Geschirrspüler gestellt hat? Diese Ansammlung an kranken Kreaturen, die einem an den Lippen hängen, nur um den Weg zur ultimativen Heilung zu erfahren? Und das nicht nur in der Ambulanz, sondern auch bei jedem Geburtstag und sogar bei der eigenen Hochzeit?

Obwohl diese Missgunst mittlerweile allen Menschen droht, die irgendwie am Gesundheitssystem anstreifen. Zuletzt saß ich wieder einmal in der Hautambulanz, um meinen monatlichen Melanom-Check machen zu lassen, als mich ein alter Mann ansprach. Er hatte schon länger dagesessen und hilflos auf die geschlossenen Ordinationstüren geschaut. Irgendwann hat sich mein Wartezimmernachbar an mich gewandt, seine Hose runtergezogen und auf einen roten Fleck auf seinem Oberschenkel gedeutet: „Kann das eine Borreliose sein?“

Ich griff das Angebot auf, zog meinerseits die Hose runter und fragte ihn, ob er sich mit Pilzinfektionen auskennt. Binnen weniger Minuten herrschte buntes Treiben im Warteraum, jeder zeigte jedem irgendwas, man tauschte sich aus – zuerst verbal, dann wechselten bereits Medikamente ihren Besitzer. Salben und Tabletten wurden mit Anwendungshinweisen weitergereicht: „zweimal täglich, aber drei-, viermal geht auch“, „ordentlich dick auftragen“ oder „mit Schnaps runterspülen“ war zu hören.

Und dann all die Klischees, denen die Ärzteschaft ausgesetzt ist: Als wäre der Golfplatz das natürliche Habitat, auf dem sich die Medizin sorgenfrei ausbreitet. Von wegen! Wie wir alle wissen, darf man 14 Golfschläger mit auf den Kurs nehmen. Woher sollen wir wissen, welche wir spezifisch an genau diesem Tag brauchen werden? Hat man den Neigungswinkel der Schlagfläche richtig berechnet? Und dann die Angst, von Kolleginnen gesehen zu werden, die vielleicht einen besseren Tag erwischen.

Nein, das will keine und keiner. Dann schon lieber Putzkraft. Küchenhilfe. Oder wenigstens Pflegekraft.

Sie lachen? Gut. Humor und Ironie helfen nachgewiesenermaßen: Lachen ist gesund, führt zur Ausschüttung von Glückshormonen. Also: Wenn Sie schon nicht im Gesundheitswesen arbeiten wollen, werden Sie wenigstens Kabarettist. Bitte. We need you! 

Norbert Peter
Kabarettist, Buchautor, Journalist
Peter & Tekal, medizinkabarett.at

Nächste Termine:
„Das Höchste Gut“ am 29.1.2026 in der Spinnerei (4050 Traun, Beginn: 20 Uhr)
und am 1.2.2026 im Orpheum (1220 Wien, Beginn: 13 Uhr)

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