Liebe Leserinnen und Leser,

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Autor: Josef Ruhaltinger

man kann sagen, was man will. Aber irgendwie haftet 1450 immer noch der Geruch von Covid-Panik und zweistündigen Wartezeiten an. Recherchen zu dem Thema sind schwierig. eHealth-Professoren durchforsteten ihre Archive und mussten zugeben, dass ihnen das Thema nie wichtig erschien und sie keine einzige Masterarbeit dazu finden. So große Hoffnungen die heimische Gesundheitspolitik auf 1450 setzt, so wenig Lösungspotenzial wird der Hotline zugetraut. Unser Covermodel Christian Fohringer, Chef von 1450 in Niederösterreich, sagt selbst, dass seine Operatoren zwar die Bagatellfälle aus den Anfragen filtern könnten. Für eine echte Patientensteuerung durch Zuweisung in Ordinationen oder Kliniken fehlten aber Daten und Berechtigungen.

Making of. Die Zentrale von Notruf NÖ ist jetzt kritische Infrastruktur.
Für einen Besuch braucht es im Vorfeld einen Hürdenlauf.

Zu den Ankündigungen der Politik, für Terminvergabe-Plattformen und relevante Gesundheitsapps sorgen zu wollen, zucken die Praktiker nur die Schultern. Die Konzeptionen dazu seien über das Sitzungsstadium in diversen Büros von Ministerium, Landesregierungen und Sozialversicherungen noch nicht hinausgekommen. Und dies nicht erst seit gestern. Die Gründe für die Verschleppung sind immer die gleichen: Es geht um die Zuständigkeit und die Finanzierung. Wenn in der Sache etwas weitergeht, dann in Alleingängen auf Länderebene, weil die für ihre Pläne niemanden brauchen. Das bedeutet wiederum, dass aus Bundesperspektive Kraut und Rüben sprießen, ohne dass österreichweit nennenswerte Effizienzgewinne zu verzeichnen wären. Dabei geht es weniger um Zentralisierung als um Akkordierung.

Natürlich gab es auch eine investigative Recherche zum Thema: Die Leiden der 86-jährigen Schwiegermutter sind unzählig, und guter Rat oft teuer. Ein Anruf bei 1450 Wien, ausgelöst durch leichte dermatologische Beschwerden, endete nach 20 Minuten freundlicher Unterhaltung mit dem Rat, man möge einen Hausarzt aufsuchen. Als Mühlviertler, der ich immer bleibe, vermochte ich nur zu sagen: Jo eh. Ich wusste zumindest: Mein Anliegen ist kein Bagatellfall.

Zum Abschluss bedanke ich mich bei meinem bewährten Cover-Fotografen Kurt Keinrath, der uns zu dem Termin in St. Pölten bei Schneefall und Eisregen zwar schleudernd, aber unfallfrei in das Hauptquartier der Notruf NÖ GmbH brachte. Das war nicht einfach.

Bleiben Sie uns gewogen,

Josef Ruhaltinger
Chefredakteur

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