Krankenhäuser müssen Qualität, Umweltziele und neue Berichtspflichten gleichzeitig erfüllen. Integrierte Managementsysteme verbinden diese Anforderungen, reduzieren Doppelstrukturen und schaffen eine Grundlage für nachhaltige Versorgung.
Krankenhäuser stehen heute vor komplexen Herausforderungen: steigende Qualitätsanforderungen, zunehmende regulatorische Vorgaben, hohe Erwartungen von Patient:innen und Mitarbeitenden sowie ein wachsender gesellschaftlicher Druck in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Verbindung mit der Ressourcenknappheit und Klimaverantwortung. Spätestens mit den europäischen und nationalen Klimazielen sowie der bevorstehenden Nachhaltigkeitsberichterstattung wird deutlich: Qualitäts-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen lassen sich effizient verbinden. Ein integriertes Managementsystem (IMS) bietet hier eine effiziente Basis, allen benötigten Anforderungen ordnungsgemäß nachzukommen.

Verzahnung.
Umweltmanagement und Qualitätsmanagement sind Kehrseiten derselben Medaille. Es gilt, die Ziele zusammenzufassen und Parallelstrukturen zu verhindern.
Qualität und Umwelt durch gemeinsame Schnittstellen verknüpfen
Qualitätsmanagement bildet seit Jahren eine tragende Säule der Krankenhaussteuerung. Patient:innensicherheit, Prozessstabilität, Risikomanagement und kontinuierliche Verbesserung der medizinischen und pflegerischen Prozesse sind fest verankert. Parallel dazu gewinnt das Umweltmanagement stetig an Bedeutung: Energie und Ressourcenverbrauch, Abfallaufkommen, Emissionen, Chemikalienmanagement und Klimaanpassung wirken sich nicht nur auf die Umwelt, sondern unmittelbar auch auf die Gesundheit, Kosten und Versorgungsstabilität aus. Beide Systeme verfolgen letztlich ein gemeinsames Ziel: nachhaltig wirksame, sichere und effiziente Leistungserbringung. Ein integriertes Managementsystem führt diese Perspektiven effizient zusammen und vermeidet Insellösungen.
Ein integriertes Managementsystem verbindet die Patient:innensicherheit, Qualität, Umweltverantwortung, Klimaziele und Berichtspflichten miteinander und bietet klare Vorteile:
> Prozesse werden nicht isoliert betrachtet, sondern unter Berücksichtigung von Qualität, Umwelt, Rechtssicherheit und Wirtschaftlichkeit gesteuert.
> Effizienzsteigerung durch gemeinsame Dokumentation, abgestimmte Audits, einheitliche Ziele und Kennzahlen.
> Umwelt‑ und Qualitätsrisiken (z. B. Gefahrstoffe, Abfall, Hygiene, Notfallvorsorge, Versorgungssicherheit) werden systematisch identifiziert, bewertet und gesteuert.
> Umweltaspekte wie Raumklima, Lärm, Hygiene, Abfall oder Energieversorgung haben direkten Einfluss auf Sicherheit und Wohlbefinden von Patient:innen.
> Beitrag zu Klimaschutz und Gesundheit: Maßnahmen, um Emissionen, Energieverbrauch oder Abfälle zu reduzieren, wirken sich nicht nur positiv auf die Umwelt, sondern auch auf die öffentliche Gesundheit aus.
> Bedeutung für Mitarbeitende und Organisation:
• Klare Zuständigkeiten und transparente Prozesse
• Bewusstseinsbildung und Schulung im Sinne von Qualität, Umwelt und Sicherheit
• Die bereichsübergreifende Zusammenarbeit wird gestärkt (Medizin, Pflege, Technik, Verwaltung) auf dem Weg der kontinuierlichen Verbesserung, die sich in der Organisationskultur automatisch etabliert.
Gerade in Zeiten hohen Kosten- und Personaldrucks ermöglicht Integration eine fokussierte Priorisierung und unterstützt eine wirtschaftlich wie ökologisch verantwortungsvolle Betriebsführung. In einer zunehmend komplexen Gesundheitslandschaft wird diese Integration damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor für nachhaltige und zukunftsfähige Krankenhausorganisationen.
Der Gesundheitssektor zählt zu den ressourcen- und energieintensivsten Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge. Krankenhäuser tragen damit eine besondere Verantwortung für die Erreichung nationaler und internationaler Klimaziele, darunter:
– die EU Klimaziele (Klimaneutralität bis 2050),
– die österreichischen Klimaziele gemäß Nationalem Energie- und Klimaplan (NEKP)
– sowie relevante Sustainable Development Goals (SDGs), insbesondere SDG 3 Gesundheit, SDG 7 Energie, SDG 12 Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster und SDG 13 Klimaschutz.
Ein integriertes Managementsystem schafft die strukturellen Voraussetzungen, um:
– energie- und emissionsrelevante Prozesse systematisch zu erfassen,
– Umwelt- und Klimarisiken in das bestehende Risiko- und Qualitätsmanagement zu integrieren,
– Maßnahmen zur Dekarbonisierung, Energieeffizienz oder Abfallvermeidung zielgerichtet zu steuern
– und Fortschritte zu messen.
Somit wird Klima- und Umweltschutz im Krankenhaus vom Einzelprojekt zum strukturierten Beitrag von allen relevanten Fachbereichen, in denen die mögliche Umweltleistung identifiziert wurde.
Vorbereitung auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung
Mit der EU-weiten Einführung der CSRD und der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) – auch wenn Umsetzungszeitpunkte und nationale Ausprägungen teils noch im Fluss sind – rückt die strukturierte Erhebung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Daten (ESG) zunehmend in den Fokus, auch für öffentliche Krankenhausträger. Die ESRS folgt keinem klassischen Berichtsstil, sondern einem Management- und Steuerungsansatz, der stark an bestehende Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme angelehnt ist.
Dadurch bietet ein integriertes Managementsystem (Qualität und Umwelt) eine solide Basis des E-Bereichs:
– Verantwortlichkeiten und Prozesse sind bereits definiert,
– Audits, Managementbewertungen und Maßnahmenverfolgung liefern prüfbare Strukturen
– und Doppelgleisigkeiten zwischen Managementsystemen und Berichtsanforderungen werden vermieden.
Damit wird Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht als zusätzliche Belastung wahrgenommen, sondern als logische Weiterentwicklung bestehender Managementstrukturen.
Die ESRS sollen sicherstellen, dass Organisationen vergleichbar, prüfbar und entscheidungsrelevant über Nachhaltigkeit berichten. Dabei geht es nicht mehr nur um Image oder Freiwilligkeit, sondern um die Frage: „Welche Nachhaltigkeitsthemen sind für die Organisation wesentlich – und wie werden diese systematisch gesteuert?“ Nachhaltigkeit wird damit als Unternehmens- bzw. Organisationsleistung verstanden, nicht als Zusatzthema.
Die relevanten Themen identifiziert jede Organisation durch die doppelte Wesentlichkeit, bei der man den Kontext der Organisation aus zwei Blickwinkeln unter die Lupe nehmen muss:
1.) Welche Auswirkungen hat die Organisation auf:
– Umwelt (z. B. Emissionen, Abfall, Ressourcenverbrauch),
– Menschen (z. B. Patient:innen, Mitarbeitende, Lieferketten),
– Gesellschaft
2.) Welche Nachhaltigkeitsthemen beeinflussen die wirtschaftliche Lage der Organisation?
– Kosten und Risiken (z. B. Energiepreise, Klimarisiken),
– regulatorische Anforderungen,
– Versorgungs- und Betriebsrisiken.
Besonders relevante Auswirkungen der Krankenhäuser sind Energieverbrauch, Abfallproduktion, Einsatz der Chemikalien und dadurch entstehende Gesundheitsauswirkungen und Arbeitsbedingungen. Energieversorgungssicherheit, Sanierungsbedarf und Anpassung an die Hitzewellen beeinflussen wiederum die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser. Berichtet wird nur das, was wesentlich und strategisch relevant ist und aktiv gesteuert wird.
Eine Vergleichbarkeit der ESRS mit ISO lässt sich durch die ganze Berichtstruktur beobachten:
– Politik >> Strategie
– Risiken & Chancen >> Wesentlichkeitsanalyse
– Ziele & Maßnahmen >> Programme
– Kennzahlen >> Monitoring
– Audits & Reviews >> Prüfbarkeit
Organisationen mit integrierten Qualitäts- und Umweltmanagementsystemen haben bei den neuen Anforderungen einen klaren Startvorteil. Viele der benötigten Daten liegen bereits in Form geprüfter Kennzahlen vor. Zuständigkeiten sind definiert und Prozesse der kontinuierlichen Verbesserung haben sich in den Organisationen etabliert. Für Krankenhäuser, die sich bereits mit Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen beschäftigen, bedeutet das, dass Nachhaltigkeit zunehmend Teil der Führungs- und Steuerungslogik wird. Klima- und Umweltziele können dadurch systematisch erfasst, gemessen und überprüft werden. Gleichzeitig wird verhindert, dass die kommende Nachhaltigkeitsberichterstattung zu einem zusätzlichen Parallelprozess wird, sondern es wird ermöglicht, dass sie auf bestehenden Managementstrukturen und etablierten Abläufen aufbaut.
Autorin:
Mag.a Petra Walzel verantwortet den Bereich Energie- und
Umweltmanagement sowie Nachhaltigkeit in der Technik der OÖG
Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit der OÖG (Entgeltliche Einschaltung)


