Brocks Panorama – internationale Gesundheits­wirtschaft

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Autor: Heinz Brock

Aktuelles aus der internationalen Welt der Gesundheitswirtschaft.

Europäische Union
Welt-Moskito-Tag: ECDC fordert europaweite Maßnahmen gegen Krankheitsüberträger

Es gibt viele kuriose Gedenktage – der Welt-Moskito-Tag am 20. August erinnert aber an eine bedeutende Zäsur in der Medizingeschichte. An diesem Tag im Jahre 1897 entdeckte Ronald Ross den Übertragungsweg von Malaria durch die Anopheles-Mücke, wofür er 1902 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Auch heute noch sind Mücken als Krankheitsüberträger für jährlich mehr als eine Million Todesfälle verantwortlich und gelten damit für den Menschen als die gefährlichsten Tiere auf diesem Planeten. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) veröffentlichte am diesjährigen World Mosquito Day aktuelle Daten über die Ausbreitung invasiver Mücken-Spezies in Europa und das damit einhergehende Risiko, mit West Nile-, Dengue- oder Chikungunya-Viren infiziert zu werden. Koordinierte Programme zur Surveillance der Verbreitung speziell von Culex- und Aedes-Mücken und der Insektizid-Resistenzen werden von der ECDC zur Eindämmung der Viruserkrankungen gefordert.

Deutschland
Krankenkassen haben 1,1 Milliarden Euro in Spekulationsgeschäfte investiert

Gesetzliche Krankenkassen haben insgesamt 1,1 Milliarden Euro in riskante Immobiliengeschäfte investiert. Betroffen davon sind mindestens zwölf Krankenkassen sowie eine Pflegekasse, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Ates Gürpinar. Nach Angaben der Regierung wurden von Krankenkassen 900 Millionen Euro in immobilien­besicherten Schuldscheindarlehen angelegt, weitere 200 Millionen Euro entfallen auf Inhaberschuldverschreibungen. Von 2020 bis 2022 fanden vier Aufsichtsprüfungen des Prüfdienst Kranken- und Pflegeversicherung (PDK) bei Krankenkassen statt, berichtet die Bundesregierung. Einzelne betroffene Krankenkassen haben bereits zu Ende Dezember 2025 Wertberichtigungen in Höhe von rund 400 Millionen Euro in ihre Bilanzen aufgenommen, berichtet die Regierung. Die Restbuchwerte betragen somit „knapp über 700 Millionen Euro“. „Einige Krankenkassen“ hätten bereits angekündigt, in ihrer Jahresrechnung 2026 weitere Verluste einzubuchen.

Schweiz
Angehende Hausärzte sollen weniger lang studieren

Schweizer Politiker und Mediziner schlagen zur Bekämpfung des Ärztemangels in der Grundversorgung ein komplett neues Studium vor. Die Zahlen zur Hausarztmedizin sind besorgniserregend. Bis zum Jahr 2035 gehen 40 Prozent aller Hausärzte in Pension. Untersuchungen zeigen, dass die Hausärzte 94 Prozent aller Gesundheitsprobleme lösen. Ihr Anteil an den Gesamtkosten beträgt nur 8 Prozent. Ein Netzwerk von Politikern und Ärzten engagiert sich deshalb für eine alternative Variante. Es will einen Studiengang etablieren, der exakt auf die Bedürfnisse der medizinischen Grundversorgung zugeschnitten ist. Neu an dem Vorschlag ist, dass er nicht einfach das bestehende Medizinstudium anpassen will, sondern ein komplett neues Studium fordert. Dank dieser Fokussierung sollen die Studierenden ihren Abschluss rund zwei Jahre früher in der Tasche haben, ohne dass Abstriche bei der Qualität des Studiums gemacht werden müssen. Als große Hürde für den neuen Lehrgang erweisen sich die Universitäten. Die ETH zog sich nach Gesprächen zurück. Die Universität Zürich wehrte den Vorschlag gleich von Anfang an ab.

Dr. Heinz Brock
ist emeritierter Ärztlicher Geschäftsführer des
Kepler Universitätsklinikums und Kongresspräsident des
Österreichischen Gesundheits­wirtschaftskongresses ÖGWK.
Kontakt: heinz@heinz-brock.at

Quellen und Links:

European Centre for Disease Prevention and Control:www.ecdc.europa.eu

Krankenkassen haben 11-Milliarde -Euro in Spekulationsgeschaefte investiert: www.aerztezeitung.de

Neue Zürcher Zeitung NZZ | 12.09.2026