Kurzmeldungen aus der Welt der Gesundheitswirtschaft und des Gesundheitswesens.

ÖGK verursacht Versorgungslücke in Mariazell
Seit 2016 hat Mariazell kein eigenes Krankenhaus mehr. An seine Stelle trat im ehemaligen Spitalsgebäude das Gesundheitszentrum Mariazell. Das damalige Pilotprojekt sollte die medizinische Grund- und Akutversorgung in der abgelegenen Region sicherstellen. Jetzt ist die durchgängige medizinische Versorgung in Mariazell erneut gefährdet. Ab November wird das Gesundheitszentrum an Wochenenden nicht mehr besetzt sein. Das nächste Krankenhaus liegt in Lilienfeld – rund 50 Minuten entfernt. Der Anlass ist speziell: Ausgerechnet Forderungen der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) bringen das für die regionale Versorgung zentrale Ärztezentrum unter Druck. Die beiden Kassenärzte Patrick Killmaier und Magdalena Grießler beschäftigen acht Vertretungsärzte, um die täglichen Öffnungszeiten von 9 bis 17 Uhr für rund 150 Patienten zu gewährleisten. Weil die Vertretungsärzte über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig, aber freiberuflich eingesetzt wurden, treten jetzt ÖGK und Finanzamt als Kläger auf. Sie werten deren Tätigkeit zwischen 2019 und 2024 als Schein-Selbstständigkeit. Daraus entstanden Nachforderungen von insgesamt 340.000 Euro, davon 300.000 Euro seitens der ÖGK. Die beiden Ärzte nahmen privat einen Kredit auf und gehen rechtlich gegen die Forderungen vor. Außerdem soll der Wochenenddienst eingestellt werden. Die sozialversicherungsrechtliche Position von Vertretungsärzten steht damit auf dem Prüfstand. Kritik übt Killmaier laut „MeinBezirk“ an der Standesvertretung: „Die Einzige, die es nicht interessiert, das ist die Ärztekammer.“

EU reformiert Arzneimittelrecht
Der Rat der EU hat eine umfassende Reform des europäischen Arzneimittelrechts beschlossen. Das sogenannte Pharma-Paket soll Medikamente schneller und gleichmäßiger verfügbar machen, Lieferengpässe verhindern und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Pharmaindustrie stärken. Dazu soll der regulatorische Aufwand sinken. Mitgliedstaaten können Hersteller künftig verpflichten, geschützte Arzneimittel in ausreichenden Mengen bereitzustellen. Neue Medikamente erhalten acht Jahre Datenschutz sowie grundsätzlich ein Jahr Marktschutz, der bei bestimmten Innovationen verlängert werden kann. Für neue Antibiotika sind zusätzliche Anreize vorgesehen. Die Reform muss noch vom Europäischen Parlament angenommen werden und tritt anschließend mit der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft.

ISO 7101 kann jetzt in Österreich auditiert werden
Gesundheitseinrichtungen in Österreich können sich nun nach der internationalen Qualitätsmanagementnorm ISO 7101 zertifizieren lassen. Quality Austria Certification ist jetzt als einzige Zertifizierungsstelle im deutschsprachigen Raum für die ISO 7101 akkreditiert und damit berechtigt, Gesundheitsorganisationen nach der internationalen Qualitätsmanagementnorm zu zertifizieren.. Die ISO 7101 richtet sich an Krankenhäuser, Kliniken, Primärversorgungszentren, Reha- und Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, Apotheken sowie weitere Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. Die Norm schafft einen einheitlichen Rahmen, um Qualität und Patientensicherheit systematisch zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Risiken sollen systematisch erfasst und Qualitätsziele anhand definierter Indikatoren überprüft werden. Für Einrichtungen bietet die Zertifizierung die Möglichkeit, ihr Qualitätsmanagement nach international vergleichbaren Kriterien bewerten zu lassen.

Englands Spitälern fehlen Standardmedikamente
Englische Krankenhäuser kämpfen mit Lieferengpässen selbst bei häufig verwendeten Medikamenten. Eine aktuelle Erhebung unter NHS-Einrichtungen zeigt Probleme unter anderem bei dem Schmerzmittel Co-Codamol und dem Blutdrucksenker Ramipril. 62 Prozent der antwortenden Ordinationen und Kliniken meldeten Lieferprobleme bei Aspirin. Von 184 angeschriebenen NHS-Trägern beantworteten 60 die Anfrage. Einzelne Engpässe dauerten bis zu zehn Monate. Als Ursachen gelten Produktionsprobleme, internationale Konflikte und störungsanfällige Lieferketten. Die Untersuchung zeigt zudem Lücken beim Umgang mit Engpässen: Viele Einrichtungen verfügen demnach über keine entsprechenden Notfallpläne. Das britische Gesundheitsministerium arbeitet nach eigenen Angaben mit Lieferanten an der Sicherung der Versorgung.

Biontech schließt drei deutsche Standorte
Der Exodus der Pharmaindustrie aus Europa geht weiter. Einst war Biontech eine der großen Hoffnungen in düsteren Pandemiezeiten. Gemeinsam mit Pfizer brachte das Mainzer Unternehmen den ersten zugelassenen mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 auf den Markt und verdiente damit Milliarden. Nun werden drei deutsche Standorte geschlossen. Betroffen sind rund 1.800 Beschäftigte. Tübingen soll Ende 2027 schließen, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028. Die Suche nach Käufern blieb erfolglos. Biontech begründet den Schritt mit geringer Auslastung, Überkapazitäten, Kostendruck und der stärkeren Ausrichtung auf Krebsmedizin. Im ersten Halbjahr 2026 schrieb das Unternehmen einen Verlust von 1,35 Milliarden Euro. Biontech beschäftigt weltweit rund 7.200 Mitarbeiter.

Ex-Ministerin Andrea Kdolsky verstorben
„Wer eine Krebsdiagnose bekommt, sollte sich einen Jahresplan machen“, meinte Andrea Kdolsky im Jänner beim großen ÖKZ-Interview. Stunden vor dem Interview war sie gerade aus dem Spital entlassen worden. Die Auswirkungen der Chemotherapie waren unübersehbar. Ihr Buch „Blumen in der Wüste“ war gerade erschienen. Ein Jahr? Es sollte sich nicht mehr ausgehen. Andrea
Kdolsky ist Ende September ihrem Krebsleiden erlegen. Die Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin war von 11. Jänner 2007 bis 2. Dezember 2008 Gesundheits- und Familienministerin im rot-schwarzen Kabinett Gusenbauer. Nach Jahren im AKH – zuletzt Oberärztin – wechselte sie 2005 in die Niederösterreichische Landeskliniken Holding, der sie ab März 2006 als medizinische Geschäftsführerin vorstand. Nach ihrem Ausscheiden aus der Bundesregierung war sie als Beraterin im Gesundheitsbereich tätig. Bei den Regierungsverhandlungen zwischen ÖVP, SPÖ und Neos im Bund beriet sie die Pinken in Gesundheitsfragen. Noch heuer war Kdolsky im Auftrag des Landes Burgenland in der Planung eines Zentrums für Menschen mit Krebserkrankungen tätig. Im Herbst 2024 wurde bei ihr erstmals Krebs diagnostiziert.

