Software erkennt Herzinfarktrisiko rund um Operationen

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Patienten vor geplanten Operationen sollten auf ein mögliches Infarktrisiko oder ähnliche mögliche Probleme untersucht werden. Das kann aber aufgrund von Personalmangel scheitern. Basler Wissenschafter haben jetzt nachgewiesen, dass ein Software-Robotersystem eine solche Risikoabschätzung teilweise besser als ausgebildetes Personal durchführt.

Christian Müller von der Abteilung für Kardiologie der Universitätsklinik in Basel und seine Co-Autoren, unter ihnen Christian Pülacher (Kardiologie und Angiologie/MedUni Innsbruck), haben jetzt im „British Journal of Anaesthesia“ die Ausgangslage so dargestellt: „Obwohl die geltenden Leitlinien eine aktive Überwachung auf eine mögliche Herzinfarktgefährdung bzw. Herzschädigung rund um eine Operation bei Hochrisikopatienten empfehlen, ist diese Praxis bisher aus Gründen der Ressourcen weltweit limitiert geblieben.“

Die Wissenschafter formulierten die Hypothese, dass man mit einem Software-Robotersystem zur Automatisierung (RPA) solcher Risikoabschätzungen Ersatz schaffen könnte. Sie stellten einen Katalog von Screening-Kriterien auf das Risiko von Patienten für solche akute Herzprobleme auf. Dann wurde der Katalog parallel bei 660 Patienten im mittleren Alter von 60 Jahren (knapp 55 Prozent Frauen) parallel von dem Software-System und erfahrenem klinischen Personal abgearbeitet.

Das Hauptergebnis: Der „Bot“ war offenbar sensitiver als die Kliniker. 77 von 660 Patienten (zwölf Prozent) kamen für eine aktive Überwachung auf einen möglichen Herzinfarkt oder andere akute Herz-Kreislauf-Probleme in Frage. „Das RPA-Screening identifizierte davon 75 (97 Prozent) im Vergleich zu 63 Patienten (82 Prozent) aus dem persönlichen Screening“, schrieben die Experten. Damit übertraf das Bot-System das ausgebildete klinische Personal. In der Spezifität – also beim Ausschluss eines Risikos – waren Mensch und EDV-System mit einer vollständigen Trefferquote (klinisches Personal) bzw. 98 Prozent davon gleich gut.

Der Vorteil der Technik liegt auch im Finanziellen. „Die geschätzten jährlichen Kosten für das RPA-Screening waren im Vergleich zum manuellen Screening um 81 Prozent niedriger. (…) Das RPA-Screening war dem Standard-of-Care-Screening durch erfahrenes klinisches Personal bei der Identifizierung von Patienten mit hohem Risiko für Herzinfarkte oder andere Schäden rund um eine Operation überlegen“, heißt es in der wissenschaftlichen Arbeit.

Die empfohlene Risikoabschätzung umfasst einerseits Patientendaten (Alter, Vorhandensein von Herzerkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck, chronische Nierenerkrankung etc.), eine Bestimmung der körperlichen Belastbarkeit sowie weitere Faktoren wie Rauchen, Cholesterin und Adipositas. Hinzu kommen Laborwerte, die ein Herzrisiko belegen können. Medizinische Fachgesellschaften haben zur Bewertung abgesicherte Risiko-Skalen erstellt. Eine Gefährdung hängt natürlich auch von der Art des geplanten chirurgischen Eingriffs ab.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

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