Das Krankenhaus der Elisabethinen in Graz erweitert sein Qualitäts- und Sicherheitskonzept um einen digitalen Baustein: Mit der Einführung der KI-Plattform HAIDI wird die Surveillance nosokomialer Infektionen künftig präziser, schneller und systematisch unterstützt.
Nosokomiale Infektionen zählen zu den zentralen Herausforderungen der Patient:innensicherheit. Trotz entsprechender Hygienestandards treten europaweit jährlich rund 8,9 Millionen Fälle in Krankenhäusern und Langzeitpflegeeinrichtungen auf.
Das KI-basierte Tool HAIDI ist Bestandteil eines Qualitätsmanagements, das auf der interdisziplinären Zusammenarbeit von klinischen Pharmazeut:innen, Pflege, Hygieneteam und Ärzteschaft sowie auf der strukturierten Antimicrobial-Stewardship (AMS) basiert.

Interdisziplinäre Visite.
HAIDI übernimmt das zeitaufwendige Screening umfangreicher Dokumentationen. So bleibt mehr Zeit für die fachliche Einordnung im Team.
Dabei ist HAIDI ein System der tschechischen Firma „Datlowe“ und ermöglicht die systematische und tagesaktuelle Auswertung großer klinischer Datenmengen. Neben strukturierten Informationen aus Labor, Medikation und Vitalparametern können mittels Natural Language Processing auch relevante Informationen aus Freitexten wie Pflege- und Arztberichten, Entlassungsbriefen sowie Dokumenten zu Voraufenthalten oder Behandlungen in anderen Krankenhäusern erschlossen werden. Daten, deren vergleichbar umfassende manuelle Auswertung erhebliche Zeit- und Personalressourcen erfordern würde, werden so strukturiert für die Surveillance nutzbar.
Auf Basis international etablierter Kriterien identifiziert HAIDI potenzielle Infektionsfälle und berücksichtigt auch klinische Hinweise ohne mikrobiologischen Nachweis. Diese Echtzeit-Identifikation – im Sinne einer tagesaktuellen Analyse – ermöglicht eine frühzeitige fachliche Bewertung.
Derzeit wird HAIDI im Krankenhaus der Elisabethinen in Graz implementiert und mit lokalen Daten trainiert. Entsprechend den Vorgaben des hausinternen AMS-Teams, dem auch eine klinische Pharmazeutin angehört, wurde die Plattform an die spezifischen Anforderungen des Hauses angepasst. Grundlage war ein strukturierter Fragenkatalog, dessen Anforderungen in die Systemkonfiguration eingeflossen sind. Der produktive Einsatz ist ab Herbst 2026 vorgesehen.
KI vernetzt Daten und klinisch-pharmazeutische Expertise
Die Einführung von HAIDI knüpft an eine seit Jahren etablierte interdisziplinäre Versorgungsstruktur im Haus an. Allen internen Abteilungen und der Schmerzmedizin steht die klinisch-pharmazeutische Expertise bedarfsorientiert zur Verfügung. In spezialisierten Versorgungsbereichen wie der Schmerztherapie, Palliativmedizin, Gerontopsychiatrie, Neurologie sowie Akutgeriatrie und Remobilisation sind klinische Pharmazeut:innen mit entsprechenden Zusatzqualifikationen regelmäßig direkt auf den Stationen eingebunden und nehmen an Betten- und Kurvenvisiten teil. Ergänzend bildet das Antimicrobial Stewardship eine abteilungs- und stationsübergreifende Struktur der klinisch-pharmazeutischen Betreuung. Mit HAIDI kann diese künftig gezielter auf Patient:innen und klinische Situationen mit Bedarf für eine vertiefte fachliche Beurteilung ausgerichtet werden.
Dieser Ansatz entspricht den aktuellen ASQS-Empfehlungen zur Arzneimitteltherapiesicherheit, die den patient:innenbezogenen Zugang von Ärzt:innen zu klinisch-pharmazeutischer Expertise vorsehen. HAIDI ergänzt diese etablierten interprofessionellen Prozesse um eine zusätzliche Datenbasis. Die fachliche Bewertung und Ableitung von Maßnahmen bleiben Aufgabe des Behandlungsteams.
Qualitätsstandard Antiinfektiva-Anwendung: Umsetzung durch das AMS-Team
Der 2024 veröffentlichte Qualitätsstandard „Antiinfektiva-Anwendung in Krankenanstalten“ definiert einen österreichweiten Rahmen für die rationale und sichere Anwendung von Antiinfektiva. Das Krankenhaus der Elisabethinen in Graz erfüllt die zentralen Anforderungen im Rahmen der Antimicrobial-Stewardship (AMS). Die langjährige Teilnahme an der Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance (AVS) des Robert Koch-Instituts in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin ermöglicht durch die monatliche Übermittlung hausinterner Verbrauchsdaten eine kontinuierliche Bewertung des Antibiotikaeinsatzes im Vergleich mit Referenzdaten strukturell vergleichbarer Krankenhäuser.
Ergebnisse der Infektionssurveillance werden in regelmäßigen interdisziplinären AMS-Teamsitzungen bewertet und in konkrete Maßnahmen überführt; HAIDI wird ergänzend strukturierte und zielgerichtete Auswertungen möglich machen.
HAIDI wird damit Teil der gemeinsamen klinischen Arbeit bei den Elisabethinen. Die Technologie übernimmt das zeitaufwendige Screening umfangreicher Patient:innendokumentationen und macht relevante Entwicklungen frühzeitig sichtbar. So bleibt mehr Zeit für die fachliche Einordnung im Team und vor allem für das, worauf es ankommt: professionelle Medizin auf höchstem fachlichem Niveau und eine individuelle, persönliche Betreuung der Patient:innen.
Autorin:

Mag. Pharm. Christine Fegerl-Stadlober
Leiterin der Apotheke im Krankenhaus der Elisabethinen Graz
Quellen und Links:
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC): Surveillance of Healthcare‑Associated Infections. Version vom 15. November 2018, Zugang: Healthcare-associated infections – a threat to patient safety in Europe. Zugriff: 07.09.2026
ASQS – Österreichische Fachgesellschaft für Qualität und Sicherheit im Gesundheitswesen (Hrsg.): Empfehlungen zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) für Akutversorgungseinrichtungen und stationäre Langzeitpflege. Version vom 19.12.2025, Zugang: asqs.at/images/files/AMTS-Empfehlungen.pdf. Zugriff: 06.09.2026
BMSGPK (2024): Qualitätsstandard Antiinfektiva‑Anwendung in Krankenanstalten. Version vom 13.03.2025, Zugang: www.sozialministerium.gv.at/Themen/Gesundheit/Gesundheitssystem/Gesundheitssystem-und-Qualitaetssicherung/Qualitaetsstandards/Qualitaetsstandard-Antiinfektiva-Anwendung-in-Krankenanstalten. Zugriff: 06.09.2026
Entgeltliche Einschaltung
