es tut mir leid. Aber für diese Ausgabe kamen die Sparideen der ÖGK-Dienstgeberseite zu spät. Auf einer Strategieklausur der schwarzen ÖGK-Fraktion wurde ein Thesenpapier verfasst, in dem sich „weitreichende Vorschläge zu Leistungen, Kostenbeteiligungen und Beiträgen in der gesetzlichen Krankenversicherung“ wiederfanden. Man wolle schließlich noch „ohne Denkverbote“ über die Refinanzierung des ambulanten Gesundheitssystems diskutieren dürfen, wie der Vertreter der Dienstgeberseite im Verwaltungsrat der Gesundheitskasse, Peter McDonald, zur APA meinte.
Die „völlig neuen Ansätze“, von denen McDonald in dem Interview sprach, betrafen vor allem gestaffelte Selbstbehalte bei Kassenärzten, Streichung der Wahlarzt-Kostenerstattung und Ende der Ausnahmen bei der Ambulanzgebühr. Freilich ist der erste Reflex zu dieser Form des Brain Stormings ein Wischer an die Stirn. Aber selbst glühende Verfechter des solidarischen Gesundheitssystems müssen zugeben, dass die Werkzeuge zur Patientenlenkung nicht mannigfach herumliegen. Ein Bagetellbetrag von zehn Euro könnte da schon helfen, den einen oder anderen Hustenpatienten ans Telefon zu bringen. Blöd nur, dass die Gesundheitshotline 1450 in manchen Bundesländern bestenfalls rudimentär aufgestellt ist.
Dabei ist es nicht überraschend, dass der rote ÖGK-Vertreter Andreas Huss der Kostenbeteiligung wenig abgewinnen will. Interessant ist seine Haltung in Bezug auf die Wahlärztethematik. Sein Kampf gegen die Zwei-Klassen-Medizin darf als entschlossen beschrieben werden. Und dennoch springt er seinen Kollegen von der schwarzen Fraktion nicht bei, wenn sie über die Streichung des Kassenzuschusses bei Wahlarztbesuchen nachdenken. Er will lieber warten, bis PVEs und Fachärztezentren ihre Wirksamkeit entfaltet haben. Wenn nur 25 Prozent der Wahlarzt-Patienten wieder ihren Weg in die Kassenordinationen finden, kollabiert das niedergelassene System.
Passend zu dem Thema empfehle ich das Interview auf Seite 16 mit Thomas Bachleitner-Hofmann. Der nunmehr niedergelassene Chirurg mit 25 Jahren AKH-Erfahrung bricht eine Lanze für das Kassensystem. Er ärgert sich, weil die moderne Medizin noch viel mehr von den Aufgaben übernehmen könnte, die bislang den Spitälern vorbehalten bleiben. Die Sozialversicherungen werden aber nur mehr ambulante Leistungen bezahlen, wenn man ihnen dafür Geld gibt. Dafür müsste man den Spitalsfinanzierern die eingesparten Mittel wegnehmen. Viel Glück!!



