Einsatz digitaler Anwendungen im Wundmanagement

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: GGZ

Eingearbeitete Sensoren im Verbandsmaterial und KI-Technologie sind dabei, das Wundmanagement zu revolutionieren. Im Zuge eines Interreg CENTRAL EUROPE Projekts haben die Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz eine Applikation für digitale Wunddokumentation erprobt.

Wundmanagement als zentrale Pflegeaufgabe

Chronische Wunden treten vermehrt im Alter auf und sind vor dem Hintergrund des demografischen Wandels im Anstieg. Neben direkten Kosten für das Gesundheitssystem verursachen chronische Wunden auch indirekte Kosten wie den Verlust der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Betroffenen. Da chronische Wunden häufig mit anderen Erkrankungen assoziiert sind, erfordert ihre Versorgung eine interdisziplinäre Herangehensweise. Dabei gewinnen digitale Lösungen zunehmend an Bedeutung.

Überblick. Eine App ermöglicht die Wundvermessung, eine standardisierte Wundbeschreibung sowie eine visuelle Darstellung des Heilungsverlaufs.

Innovationen im Wundmanagement

Die papierbasierte Wunddokumentation wird verstärkt durch digitale Anwendungen ersetzt – etwa durch Apps auf mobilen Endgeräten wie Tablets oder Smartphones, die eine digitale Erfassung von Anamnesedaten und Wundeigenschaften ermöglichen. Im Bereich der Wundbeurteilung und therapeutischen Entscheidungsfindung können KI-gestützte Tools, die eine kontaktlose Vermessung und Analyse der Wunde ermöglichen, nützlich sein. Auch Augmented-Reality-Datenbrillen kommen immer häufiger zum Einsatz und erlauben eine sprach- oder gestengesteuerte Echtzeit-Dokumentation, was insbesondere bei aseptischen Tätigkeiten unterstützen kann. Weiters bieten Smart Dressings die Möglichkeit, über eingearbeitete Sensoren im Verbandsmaterial Biomarker zu messen, den Heilungsprozess zu überwachen sowie bei Bedarf Medikamente freizusetzen, um eine bedarfsgerechte Wundbehandlung zu fördern. Zudem ermöglichen telemedizinische Lösungen Gesundheitsfachkräften, anhand von Bild- und Videomaterial den Zustand einer Wunde zu bewerten, ohne dass Patient:innen physisch anwesend sein müssen.

Erfahrungen aus der Praxis

Die Einführung einer Applikation für digitale Wunddokumentation wurde im Interreg CENTRAL EUROPE Projekt „DigiCare4CE“ in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz praktisch erprobt. Dabei wurde eine App in das bereits genutzte mobile Dokumentationssystem integriert. Die Anwendung ermöglichte automatische Wundvermessung, eine standardisierte Wundbeschreibung sowie eine visuelle Darstellung des Heilungsverlaufs. Die Rückmeldungen der Pflegepersonen zeigten, dass die App das Potenzial hat, die Dokumentationsqualität durch präzisere Wundvermessung und automatisierte Arbeitsabläufe zu erhöhen. Gleichzeitig verdeutlichte die Testung, dass bei technischen Problemen und einer mangelnden Routine im Umgang mit neuen Technologien schnell Frustration im Pflegealltag entsteht. Eine Pflegekraft betont dabei einen wichtigen Aspekt: „In der Pflege geht es in erster Linie um Beziehungsarbeit – neue Technologien erfordern ein Umdenken, das nicht nur das Pflegepersonal, sondern auch Führungskräfte fordert.“

Autor:innen:

Sandra Dohr, BA MA
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Albert Schweitzer Institut
der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz.

Christoph Ortner, BA
ist Wundmanager in der Albert Schweitzer Klinik
der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz.

Quellen und Links:

Veröffentlicht am 16.12.2024: Erstveröffentlichung: Dohr, S. & Ortner, C. (2024). Digitalisierung im Wundmanagement. Chancen und Herausforderungen für die Pflegepraxis. ProCare 29 (10), 37-40.

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[5] Bundesgesetz über Gesundheitsund Krankenpflegeberufe 2016,§  22a; abgerufen am 11. November 2024.

[6] Bohnet-Joschko, S., Schmidt, L. Chronische Wunden digital versorgt. Pflegez 76, 57–59 (2023).

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Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit GGZ (Entgeltliche Einschaltung)

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