OTA-Ausbildung: Sicher schneller

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Autor: Martin Hehemann

Seit einigen Jahren gibt es in Österreich den Karriereweg der Operationstechnischen Assistenz (OTA). Sie hat einen klaren Vorteil gegenüber der DGKP-Ausbildung: Sie ist kürzer.

Warum soll ich eine dreijährige Ausbildung machen, von der ich nur ein Zehntel in meinem Beruf verwenden kann?“ Für Markus Golla, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft und Studiengangsleiter für Gesundheits- & Krankenpflege an der IMC FH Krems, ist die Antwort auf diese Frage offensichtlich: „Das ist unsinnig.“ Zu einem ganz ähnlichen Schluss dürften in der Vergangenheit viele Menschen gekommen sein, die in einem heimischen Operationssaal als OP-Schwester oder -Pfleger arbeiten wollten. Das Dumme war: Sie hatten keine Alternative. Denn bis vor Kurzem gab es nur einen einzigen, nicht gerade geradlinigen, Berufspfad für diese Tätigkeit. Er sieht zwei Etappen vor. Die Kandidatinnen oder Kandidaten absolvieren zunächst drei Jahre lang eine Ausbildung als „Diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger*in“ (DGKP). Nach Erhalt des Diploms haben sie fünf Jahre Zeit, um berufsbegleitend die ein- bis zweijährige Sonderausbildung OP-Pflege abzuschließen. Danach sind sie berechtigt, im OP zu arbeiten. Sie assistieren bei der Operation, sind für die Vor- und Nachbereitung verantwortlich oder betreuen die Patienten im OP-Bereich.

Mangelkraft OP-Assistenz. Im Vergleich zur DGKP dürfen OTAs neben dem OP nur im Schockraum und in der Endoskopie tätig sein. Die Ausbildung zur DGKP bietet aus Kliniksicht ein breiteres Spektrum an Gesundheits- und Pflegeinhalten. Für viele OTAs ist dies egal.

Abkürzung

Dieser kurvige Weg in den Operationssaal existiert nach wie vor. Immer mehr Interessenten entscheiden sich aber mittlerweile für eine alternative Route. Sie führt schneller zum Ziel – und aus Sicht von Experten zu deutlich besseren Ergebnissen. Seit 2021 besteht in Österreich die Möglichkeit der Ausbildung zur „Operationstechnischen Assistenz“ (OTA). Sie dauert so wie die Ausbildung zur DGKP ebenfalls drei Jahre. Der Schwerpunkt liegt aber ganz auf der zukünftigen Tätigkeit im OP. Der zweite große Vorteil: Die anschließende Sonderausbildung ist nicht mehr notwendig.

Bei der Etablierung der OTA-Ausbildung zählt Österreich nicht gerade zu den Vorreitern. In den USA und in anderen europäischen Ländern ist dieser Berufsweg seit vielen Jahren gelebte Praxis. Selbst im deutschsprachigen Raum ist man Nachzügler. Dabei liegen die Vorteile der OTA-Ausbildung auf der Hand. „In drei Jahren kann ich logischerweise deutlich mehr Wissen vermitteln als in einer einjährigen Sonderausbildung“, meint ein Experte. Astrid Ince, Lehrgangsleiterin OTA der MAB-Schule Innsbruck, untermauert das mit Zahlen: „Bei der OTA entfallen rund zwei Drittel der Zeit auf Praktika – das sind insgesamt 3.000 Stunden.“ Im Vergleich dazu sieht die OP-Sonderausbildung für die DGKPs 500 Praktikumsstunden vor. Aber grundsätzlich, so Ince weiter, würden beide Wege zum gleichen Ziel führen, „nämlich gut ausgebildetes Personal mit den gleichen Kompetenzen für die Aufgaben im OP auszubilden“. Den Mangel an Praktika-Stunden während der Ausbildung gleichen die meisten DGKPs dadurch aus, dass sie zunächst zwei bis drei Jahre im OP arbeiten, bevor sie die Sonderausbildung absolvieren.

Die diversen Praktika, die die zukünftigen OTAs absolvieren, dauern jeweils zwischen acht und zwölf Wochen. Abgedeckt werden die unterschiedlichen chirurgischen Fachbereiche. Dazu gehören neben den klassischen OP-Fächern auch die Endoskopie, der Schockraum und die zentrale Sterilgutversorgung. „Unsere Absolventinnen und Absolventen sind mit Abschluss der Ausbildung in der Regel sofort einsatzbereit im OP“, meint Ince. Ein zentraler Vorteil der OTA-Ausbildung ergibt sich für den Arbeitgeber: „Das Personal ist hervorragend ausgebildet und steht einfach schneller zur Verfügung“, so Ince. Zumal die OP-Sonderausbildung berufsbegleitend durchgeführt wird und das Personal in dieser Zeit teilweise nur eingeschränkt im Regeldienst zur Verfügung steht.

„Sehr zufrieden“ zeigt man sich mit den OTAs beim Rudolfinerhaus in Wien: „Bislang haben wir durchwegs positive Erfahrungen gemacht“, meint Elisabeth Leopold, Geschäftsführerin und Pflegedienstleiterin. „Viele von ihnen bringen außergewöhnliches Engagement und hohe Lernbereitschaft mit. Natürlich hängt der Erfolg auch immer von den Personen und dem Umfeld ab.“ Im Rudolfinerhaus setzt man schon länger auf OTA. Die Privatklinik hat schon vor einigen Jahren – noch bevor die Ausbildung 2021 in Österreich eingeführt worden ist – zwei OTAs aus Deutschland eingestellt. Seit 2024 bietet man pro Jahr zwei Praktikumsplätze für die Ausbildung an. Auch Pflegedienstleiterin Leopold ist von der Spezialisierung überzeugt: „Die Vorteile liegen deutlich in der spezialisierten Ausbildung für den OP-Bereich sowie in der gezielten Fokussierung auf operative Techniken“, so Leopold. „Für diejenigen, die eine leidenschaftliche Karriere im operativen Bereich anstreben und sich auf chirurgische Prozesse konzentrieren möchten, ist die OTA-Ausbildung wahrscheinlich die bessere Wahl.“

Early Adopter. Das Rudolfinerhaus hat bereits deutsche OTAs eingestellt, als es die Ausbildung in Österreich noch gar nicht gab. „Sehr zufrieden“ zeigt sich Pflegedirektorin Elisabeth Leopold mit dieser frühen Entscheidung.

Beschränktes Einsatzgebiet

Die Managerin des Rudolfinerhauses weist aber auch auf einen Nachteil hin – und zwar sowohl aus Sicht der Mitarbeiter als auch aus Sicht des Arbeitgebers. „Im Vergleich zur DGKP sind die Fähigkeiten und Kompetenzen der OTAs fachlich eingeschränkter. Sie können neben dem OP nur im Schockraum und in der Endoskopie tätig sein“, so Leopold. Die Ausbildung zur DGKP biete „ein breiteres Spektrum an Gesundheits- und Pflegeinhalten, die auch eine sehr gute Basis für eine weitere Spezialisierung bilden“. Und sie weist auf einen weiteren Aspekt hin. „Viele OTAs sind noch recht jung.“ Zum Hintergrund: Für den Zugang zur Ausbildung genügt ein mittlerer Schulabschluss oder die Matura. „Sie benötigen deshalb intensive Begleitung, um die hohe Verantwortung übernehmen zu können“, erläutert Leopold.

Dennoch sind die Experten sich sicher: Die OTA hat sich international bewährt – und wird sich auch in den heimischen Operationssälen durchsetzen. Das zeigt auch der Zulauf, den die Schulen erfahren, die die neue Ausbildung anbieten. Mittlerweile gibt es in jedem Bundesland mindestens eine Ausbildungsstätte, in manchen sogar bis zu drei. Die MAB-Schule in Innsbruck hat die OTA-Ausbildung 2022 in ihr Programm aufgenommen. Die Nachfrage ist hoch. „Wir haben pro Jahr rund 50 Bewerbungen. Zwischen 25 und 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer können wir pro Kurs aufnehmen“, meint Direktorin Elisabeth Strickner. „Die genaue Zahl hängt davon ab, wie viele Praktikumsplätze zur Verfügung stehen.“

Durchgängige Karrierestufen

Der Kurs des Jahres 2024 ist zum Beispiel mit 24 Teilnehmern gestartet. Fünf weitere stoßen im kommenden Herbst dazu. Bei ihnen handelt es sich um sogenannte „OP-Assistenten“. Die OP-Assistenten bilden neben den DGKP mit Sonderausbildung und den OTA die dritte Berufsgruppe, die die Chirurgen im Operationssaal unterstützen. Sie haben eine einjährige Ausbildung und dürfen nur vergleichsweise einfache Aufgaben übernehmen – dazu gehören vor allem die Lagerung der Patientinnen und Patienten und die Vorbereitung der Geräte. Das neue Berufsbild der OTA bietet den OP-Assistenten nun die Möglichkeit, sich weiterzuqualifizieren. Bei der MAB-Schule Innsbruck sind die Inhalte der Ausbildung für die OP-Assistenz deckungsgleich mit denen im ersten Jahr des OTA-Kurses. Die Auszubildenden besuchen sogar denselben Unterricht. Entscheidet sich ein OP-Assistent nach erfolgreichem Abschluss, weiter die Schulbank zu drücken und die Karriereleiter zur OTA zu beschreiten, ist das organisatorisch kein Problem – solange genug Plätze zur Verfügung stehen. Und es gibt einen weiteren Vorteil der gemeinsamen Ausbildung. Direktorin Strickner: „Der persönliche Kontakt ist wichtig. Dadurch, dass die zukünftigen OTAs und OP-Assistenten einander persönlich kennenlernen, entsteht ein besseres Verständnis füreinander. Das hilft später bei der Zusammenarbeit im OP.“ 

Quellen und Links:

Zum Unterschied zwischen der OP-Sonderausbildung und der OTA-Ausbildung: www.ota-blog.at/ota-vs-op-pflegekraft

Informationen zur OTA-Ausbildung an der MAB-Schule Innsbruck: www.azw.ac.at

Informationen zur OTA-Ausbildung in Wien: ausbildung.gesundheitsverbund.at/ausbildung/operationstechnische-assistenz

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