vor 18 Monaten wäre eine Titelgeschichte über Kompetenzverschiebungen zwischen Bund und Ländern sinnlos gewesen. Ein derart grundlegender Umbau des Staatssystems war unvorstellbar. Heute ist die Situation anders. Dass Österreich wenige Tage nach der Nationalratswahl im Herbst 24 erfahren musste, dass das Geld ausgegangen ist, hat die Rahmenbedingungen verschoben. Es ist für die Bundesländer teuer, für den Spitalsbereich verantwortlich zu sein. Und – diesen Aspekt halte ich für schwerwiegender – die regierenden Parteien wissen, dass sie in den Augen der Wähler als Macher und nicht länger als Bewahrer wahrgenommen werden müssen. Da helfen Maßnahmen wie ein (für die Netzstabilität wichtiges, aber völlig falsch verkauftes) Billigstromgesetz überhaupt nicht. Reformen im Bereich der Gesundheit und der Bildung sind hingegen im Alltag der Bevölkerung wesentlich präsenter.
Die Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler scheint diese Ansicht zu teilen. So schaffte es die ÖVP-Politikerin auch auf das ÖKZ-Cover. Blöd nur, dass sie nach ihrem Ö1-Interview mit der Sache nichts mehr zu tun haben wollte und ein großes Interview mit uns ablehnte. Auch bei anderen Medienauftritten nahm Edtstadler das Thema Kompetenzverschiebung wieder vom Tisch. Der Vorstoß brachte große Resonanz, aber wenig Lorbeeren. So wird der Gesundheitsökonom Thomas Czypionka in seinem ÖKZ-Interview recht behalten, wo er die Wahrscheinlichkeit einer künftigen „Finanzierung aus einer Hand“ in der Nähe von Null ansetzt. Trotzdem ist der Edtstadler-Vorstoß Grund genug, zu beschreiben, wie das Gesundheitssystem in einer idealen Welt aussehen sollte.
Sie finden in dieser Ausgabe auch eine lange Extra-Strecke zum Thema Life Science. Österreich verfügt immer noch über eine – für europäische Verhältnisse – bemerkenswerte Pharmaindustrie. Ob dies so bleibt, ist aber nicht sicher. Ich darf Ihnen das Gespräch mit den beiden Novartis-Managern Catherine Emond und Roland Gander ans Herz legen. Novartis hat binnen eines Jahres die zweite Zellkulturanlage im Tiroler Kundl eröffnet. Investitionssumme: 500 Millionen Euro. Die Österreich-Manager zeigen im ÖKZ-Interview Zweifel, ob ihr Unternehmen dies heute wieder so entscheiden würde.

