Kurzmeldungen aus der Welt der Gesundheitswirtschaft und des Gesundheitswesens.

Wien und NÖ: Weniger stationäre Betten, Ausbau der ambulanten Kapazitäten
Wien und Niederösterreich stellen mit ihren Regionalen Strukturplänen Gesundheit (RSG) bis 2030 die Weichen für einen Umbau der Spitalslandschaft. In Wien sind Reduktionen stationärer Betten in mehreren Fachbereichen zugunsten tagesklinischer und ambulanter Leistungen vorgesehen. In der Orthopädie werden die Bettenzahlen zwar reduziert, jedoch deutlich weniger stark als ursprünglich geplant. Die orthopädischen Fachkliniken Orthopädisches Spital Speising und Herz-Jesu-Krankenhaus bleiben zentrale Standorte, konkrete Zielzahlen für Betten wurden nicht veröffentlicht. Klarer sind die Vorgaben im ambulanten Bereich: Geplant sind mindestens 23 Primärversorgungseinheiten – eine pro Bezirk – mit einer Zielzahl von bis zu 101 Standorten. Ab 2026 sollen mindestens 16 neue PVE ausgeschrieben werden, zusätzlich werden Erstversorgungsambulanzen sowie ärztliche Versorgungseinheiten ausgebaut.
Der RSG Niederösterreich wartet mit konkreten Zahlen auf. Bis 2030 steigt die Zahl der ambulanten Betreuungsplätze in den Kliniken um 547 auf 710, gleichzeitig werden landesweit 577 stationäre Betten abgebaut. Betroffen sind vor allem die Innere Medizin sowie die Gynäkologie und Geburtshilfe. Für Akutgeriatrie und Remobilisation sind künftig 273 Betten vorgesehen. Im niedergelassenen Bereich kommen über 113 zusätzliche Ärzte-Planstellen hinzu, die Zahl der Primärversorgungseinheiten wird bis 2028 von 14 auf 30 erhöht.

Strabag lässt AKH-Pläne fallen
Der Baukonzern Strabag übernimmt die Betriebsführung des AKH Wien doch nicht. Die Gespräche mit dem Gesundheitsdienstleister VIACAMA AG, ehemals Vamed, wurden beendet. Damit bleibt die AKH-Betriebsführungsgesellschaft VKMB weiterhin bei VIACAMA, einer Tochter des deutschen Gesundheitskonzerns Fresenius. Bereits im Oktober war die gemeinsame Übernahme des Vamed-Kerngeschäfts durch Strabag und Porr gescheitert, Strabag hatte danach allein weiterverhandelt. Zu den Gründen für das endgültige Aus der Gespräche machten beide Seiten keine Angaben. VIACAMA führt die technische Betriebsführung des AKH nun auf Basis des bestehenden Vertrags in Partnerschaft mit der Stadt Wien fort.

Neue Apotheken-App erleichtert Medikamentensuche
Mit der neuen „ApoApp“ der Österreichischen Apothekerkammer können Nutzer ab sofort die Verfügbarkeit von Medikamenten in unterschiedlichen Packungsgrößen in Apotheken abfragen. Rund 1.000 der mehr als 1.400 Apotheken in Österreich sind bereits angebunden, die Lagerstände werden automatisch alle zehn Minuten aktualisiert. Angezeigt werden Apotheken in der Nähe sowie gespeicherte Favoriten. Zusätzlich bietet die App digitale Beipackzettel, eine Standortsuche nach geöffneten Apotheken und einen Einnahmeplan mit Erinnerungsfunktion. Ist ein Medikament nicht verfügbar, finden Apotheken laut Kammer in den meisten Fällen rasch eine Alternative. Ergänzend informiert die Gesundheitsnummer 1450 ab Februar auch telefonisch über Apotheken und Medikamentenverfügbarkeit. Die App soll schrittweise um weitere Services wie Terminbuchungen für Gesundheitschecks in Apotheken erweitert werden.

Architekturwettbewerb für Klinik Gols entschieden
Andere Bundesländer ringen mit überzähligen Kleinspitälern. Das Burgenland baut eines. Am 23. Dezember präsentierte LH Hans Peter Doskozil das Siegerprojekt der Architekturausschreibung: Der Zuschlag für die Planung der Klinik Gols ging an die Bietergemeinschaft Ederer, Haghirian Architekten ZT-GmbH und Wendl ZT GmbH. Die Grazer setzten sich im Architekturwettbewerb unter 22 Bewerbern durch. Sie hatten auch schon beim Neubau des Krankenhauses in Oberwart den Zuschlag erhalten. Geplant ist eine Akutklinik mit insgesamt 132 stationären Betten, darunter 12 Intensivbetten, 46 ambulante Betreuungsplätze sowie vier Operationssäle. Das Leistungsspektrum reicht von der zentralen ambulanten Erstversorgung über Innere Medizin, Chirurgie und Intensivmedizin bis zu spezialisierten Angeboten wie Urologie, Orthopädie und Hernien-Chirurgie. Die Klinik soll rund 400 Arbeitsplätze schaffen. Läuft alles nach Plan, könnte frühestens Ende 2028 oder Anfang 2029 der Spatenstich erfolgen.

Stellenabbau bei Boehringer Ingelheim in Wien
Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim baut am Standort Wien rund 50 Stellen ab. Hintergrund ist der Produktionsstopp für einen Bestandteil eines Krebsimpfstoffs mit Ende März 2026, ausgelöst durch eine geringere Kundennachfrage. Insgesamt sind rund 150 der etwa 1.800 Beschäftigten in der österreichischen Biopharmaziesparte betroffen. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter soll in anderen Bereichen am Standort weiterbeschäftigt werden.

USA kürzen Impfempfehlungen für Kinder
Die US-Gesundheitsbehörden haben mehrere Impfungen für Kinder herabgestuft und folgen damit einer Neubewertung der Centers for Disease Control and Prevention. Laut CDC zeigten 7 von 18 empfohlenen Kinderimpfungen keinen eindeutig belegten Nutzen gegenüber möglichen Risiken oder seien nicht ausreichend placebokontrolliert untersucht. Betroffen sind unter anderem Impfstoffe gegen Hepatitis A und B, Meningokokken, Influenza und Rotavirus. Diese Impfungen fallen nun unter „Shared Clinical Decision Making“ und müssen von Eltern aktiv eingefordert werden. Wissenschaft und Medizin reagieren mit Kritik. Der Kinderärzteverband American Academy of Pediatrics sowie Fachleute verweisen auf langjährige Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten. Die CDC stellte selbst in einem Report von 2025 fest, dass während der Influenza-Saison 2024–2025 hauptsächlich nicht ausreichend geimpfte Kinder an Influenza verstarben.

