FTI-Pakt: Mehr Geld für unklare Ziele

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Autor: Martin Hehemann

Mit dem FTI-Pakt hat die Regierung die Budgets für die Forschungsstrategie von 2027 bis 2029 beschlossen. Trotz knapper Kassen steht mehr Geld zur Verfügung. Experten vermissen einen eindeutigen Fokus, wofür dieses Geld eingesetzt wird.

Die Zukunft wartet nicht auf uns. Wir wollen nicht Passagierin sein, sondern Forschung als Motor für technologischen Fortschritt, gesellschaftlichen Fortschritt, wirtschaftlichen Aufschwung und eine resiliente Demokratie nutzen.“ Mit diesen Worten kommentierte Forschungsministerin Eva-Maria Holzleitner vor Kurzem den FTI-Pakt, den die Regierung für die Jahre 2027 bis 2029 beschlossen hat.

Beim FTI-Pakt handelt es sich um das zentrale Finanzierungsinstrument der österreichischen Forschungspolitik. Er wurde 2021 als „koordinierte Mehrjahresplanung“ für öffentliche Forschungsaufgaben eingeführt und bündelt die Fördermittel der Ressorts. Der FTI-Pakt dient dazu, die großen Forschungsagenturen abzusichern – allen voran FFG, FWF oder AIT. Das laufende Programm, das für 2024 bis 2026 gilt, umfasst ein Förder­volumen von 5,05 Milliarden Euro. Die Forschungs-Community hatte gespannt darauf gewartet, welchen Betrag die Regierung angesichts der prekären Budgetlage für die kommende Periode zur Verfügung stellen würde. Die gute Nachricht: Der Topf wird auf rund 5,49 Milliarden Euro aufgestockt.

Windige Zielrichtung.
Die Forschung für erneuerbare Energien soll laut FTI-Pakt intensiviert werden. Die Regierung wollte sich bei der Widmung der Mittel nicht festlegen.

Keine Kürzungen

Diese Bemühungen werden von Fachleuten durchaus honoriert. Der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT), der die Regierung berät, zeigt sich jedenfalls erfreut. „Der Rat hat sich immer dafür ausgesprochen, gerade in jenen Bereichen, die die Garanten für Wohlstand, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit sind, nicht zu kürzen, sondern klug und vorausschauend zu investieren“, meint dessen Vorsitzender Thomas Henzinger. „Wir begrüßen daher ausdrücklich das von der Bundesregierung gezeigte Commitment.“

Die allgemeine Freude ist allerdings nicht ganz ungetrübt. Was auf den ersten Blick nach einem satten Zuwachs von 10 Prozent aussieht, schrumpft nach Berücksichtigung der erwarteten Inflation laut Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) auf „ein kleines reales Plus“. Nachsatz des WIFO: „Dies hängt auch von der Entwicklung der Gehälter in den betroffenen Einrichtungen ab.“

Schönheitsfehler Nummer zwei, drückt vor allem der Wirtschaft auf die Stimmung. Denn mehr Geld bekommt nur die Grundlagenforschung. Die dafür reservierten Fördermittel werden von 2,6 auf 3 Milliarden Euro aufgestockt. Das Budget für die angewandte Forschung verharrt dagegen bei rund 2,5 Milliarden Euro – nominell, nach Berücksichtigung der zu erwartenden Inflation sinkt es.

Aus Sicht der Industriellenvereinigung (IV) ist das keine gute Nachricht. „Gerade die angewandte Forschung ist ganz wesentlich, um gute Ideen in funktionierende Produkte und Dienstleistungen weiterzuentwickeln und damit in echte Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze zu übersetzen“, meint sie. „Angesichts der herausfordernden Budgetsituation ist es zwar verständlich, keine großen Sprünge machen zu können, es geht aber um Investitionen in die Zukunft unseres Landes“, ergänzt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Insbesondere vor dem Hintergrund der Inflation und der drohenden Reduktion weiterer FTI-Budgets könne dies Investitionen in Zukunftstechnologien weiter dämpfen und in der Folge auch deren Markteinführung erschweren, so die IV weiter.

Klare Vorgaben.
PHARMIG-Expertin Linda Krempl fordert gezielte Unterstützung für klinische Studien. Es gelte, den F&E-Bezug zu Markt und Praxis zu stärken.

Strategie für neue Medikamente

Auch die PHARMIG, die Interessenvertretung der heimischen Pharmaindustrie, wünscht sich einen größeren Fokus auf die angewandte Forschung. „Grundlagenforschung ist wichtig“, sagt Linda Krempl, Head of Regulatory Supply and Innovation. „Aber es braucht auch eine klare Strategie für die angewandte Forschung, damit neue Arzneimittel entwickelt und auf den Markt gebracht werden können.“

Was Fokus und Strategie anbelangt, lässt das Vorgehen der Regierung generell etwas zu wünschen übrig – jedenfalls aus Sicht von Expertinnen und Experten. Sie selbst sieht das anders. Der Pakt bedeute „mehr Wirkung statt Gießkanne, und es bedeutet auch die konsequente Umsetzung unserer Industriestrategie“, meint Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer.

„Der neue Pakt ist stärker fokussiert“, bestätigt Alexandra Mazak-Huemer, stellvertretende Geschäftsführerin des FORWIT. „Er legt einen deutlichen Schwerpunkt auf Schlüsseltechnologien, auf industrielle Wettbewerbsfähigkeit und auf technologische Souveränität“, führt sie weiter aus und ergänzt: „Es geht nicht mehr nur darum, mit internationalen Entwicklungen Schritt zu halten, sondern darum, sie aktiv mitzugestalten. Diese Ausrichtung halte ich grundsätzlich für sinnvoll“, lobt sie – spricht dann aber die wohl größte Schwachstelle des neuen Pakts an: „Die Herausforderung liegt in der tatsächlichen Fokussierung und Umsetzung.“

Zwar gebe es eine Liste von Schlüsseltechnologien, die man fördern wolle. Diese sei mit neun Feldern aber ziemlich lang. Das Konvolut von Schlüsseltechnologien reicht von Mikroelektronik über Energie- und Umwelttechnologien bis zu KI und Digitalisierung, Quantentechnologie sowie Life Sciences und Biotech. „Man könnte fast sagen: Es ist ein wenig von allem dabei. Damit besteht die Gefahr, dass wir zwar viele Bereiche abdecken, aber in keinem wirklich zur internationalen Spitze gehören“, meint Mazak-Huemer. Ein heimischer Forscher formuliert es weniger höflich: „Das ist alles und nichts.“

Mehr Konzentration auf wesentliche Schwerpunkte wäre auch aus Sicht der Pharmaindustrie der bessere Zugang. PHARMIG-Expertin Krempl hat hier vor allem das Thema „klinische Studien“ im Blick. Diese sind in Österreich, so wie im übrigen Europa, seit Jahren stark rückläufig. Eine mögliche Maßnahme, um hier gegenzusteuern: Der fokussierte Einsatz der Fördermittel, um eine zentrale Stelle einzurichten, die alle Aktivitäten rund um das Thema bundesweit steuert und als Ansprechpartner für Unternehmen dient, die eine Studie durchführen wollen. Krempl: „Das wäre ein großer Schritt vorwärts.“

Die Hürden in den Markt sind hoch

Die Schwäche bei klinischen Studien verdeutlicht, wo das größte Problem im heimischen Forschungswesen liegt: im Transfer von der Grundlagenforschung hin zu marktfähigen Produkten. Der FTI-Monitor des FORWIT zeigt das deutlich. Bei den Forschungsausgaben kann Österreich mit den führenden Nationen in Europa mehr als mithalten. Verglichen mit dem Durchschnitt dieser „Innovation Leaders“ – Dänemark, Schweden, Finnland und Niederlande – liegen Österreichs Forschungsausgaben im öffentlichen Sektor bei 107 Prozent, im Unternehmenssektor sogar bei 112 Prozent.

Das Dumme ist nur: Es kommt zu wenig dabei heraus. Der FORWIT bewertet die Effizienz der Wissenschaft nur mit 80 Prozent der Innovation Leaders, die der Unternehmensaktivitäten mit 72 Prozent. Besonders deutlich wird das bei den triadischen Patentanmeldungen – also der gleichzeitigen Einreichung eines Patents in Europa, den USA und Japan: Hier kommt Österreich nur auf 63 Prozent der Spitzennationen.

Die Regierung dürfte das Problem kennen. „So groß die Freude ist, dass wir mehr Geld für die Forschung und den FTI-Pakt lukrieren konnten, so genau müssen wir aber auch hinsehen, dass diese Mittel noch effizienter ankommen“, meint Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Es geht darum, „einen schnelleren Transfer vom Labor in die Fabrik“ zu erreichen. Das klingt gut. Aber auch hier gibt es einen Schönheitsfehler. Dazu ein Experte: „Die Regierung hat bislang leider nicht gesagt, mit welchen konkreten Maßnahmen sie das anstellen will.“ 

FTI – Für Tragende Innovationen

Der Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt (FTI-Pakt) bil­det das zentrale Finanzierungsinstrument für den österreichischen Forschungs- und Innovationsstandort. Für die Periode 2027 bis 2029 umfasst er ein Gesamtvolumen von 5,49 Mrd. Euro und soll damit die im Forschungsfinanzierungsgesetz verankerte mehrjährige Planungs- und Finanzierungssicherheit gewährleisten. Gegenüber der laufenden Periode (2024 bis 2026: 5,05 Mrd. Euro) bedeutet das eine Erhöhung der Mittel. Auffällig ist dabei die unterschiedliche Entwicklung der beiden zentralen Säulen: Während die Grundlagenforschung deutlich ausgebaut wird, bleibt der angewandte Bereich in etwa auf dem bisherigen Niveau. Die Mittel werden über mehrere Ressorts bereitgestellt. Rund drei Mrd. Euro entfallen auf das für Wissenschaft und Forschung zuständige Ministerium, etwa 1,7 Mrd. Euro auf das Infrastrukturressort und rund 728 Mio. Euro auf das Wirtschaftsressort. Damit deckt der FTI-Pakt sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung und innovationsnahe Maßnahmen ab. Ein Teil der Gelder wurde zuletzt für die von der Bundesregierung vorgestellte „Industriestrategie“ gewidmet: Für den Zeitraum 2026 bis 2029 wurden 2,6 Mrd. Euro für neun neu definierte Schlüsseltechnologien veranschlagt. Dabei stammen 900 Mio. Euro aus dem Wissenschafts-, 1.042 Mio. Euro aus dem Infrastruktur- und 717 Mio. Euro aus dem Wirtschaftsministerium.

Der FTI-Pakt finanziert zentrale Forschungseinrichtungen und Förderagenturen des Landes. Dazu zählen die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das Institute of Science and Technology Austria (ISTA), das Austrian Institute of Technology (AIT), die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Wissenschaftsfonds (FWF), die Silicon Austria Labs (SAL), GeoSphere Austria, die Christian Doppler Gesellschaft (CDG), die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) sowie die Agentur für Bildung und Internationalisierung (OeAD). Im Laufe dieses Jahres müssen die Ressorts die dreijährigen Finanzierungsvereinbarungen mit den in ihre Zuständigkeit fallenden Förderagenturen und Forschungseinrichtungen aushandeln.

Quellen und Links:

FTI-Pakt 2027–2029:
www.bundeskanzleramt.gv.at (PDF)

Ministerratsvortrag zum FTI-Paket 2027-2029:
www.bundeskanzleramt.gv.at (PDF)

FORWIT zum FTI-Paket 2027-2029:
forwit.at/forwit-begruesst-beschluss-und-zielsetzungen-des-fti-pakts

FTI-Monitor:
fti-monitor.forwit.at/de

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