Gesundheits­wirtschaft – kurz und knapp

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Autor: Josef Ruhaltinger

Kurzmeldungen aus der Welt der Gesundheitswirtschaft und des Gesundheitswesens.

Steiermark plant erste Facharzt­zentren

Noch ist die Idee der Facharztzentren und der Weg der Finanzierung nicht in trockenen Tüchern. Aber die Steiermark arbeitet schon an deren Realisierung. Im regionalen Strukturplan sind bis 2030 drei Facharztzentren vorgesehen: in der Weststeiermark, nördlich von Graz und in Graz selbst. Als Vorbild dienen bereits bestehende Kooperationen, darunter die Zusammenarbeit mit Oberösterreich in der Spitalsversorgung. Im LKH Bad Aussee wurden mit 1. April die bisherige Chirurgie und die stationäre Innere Medizin geschlossen. Bad Aussee konzentriert sich nun auf Akutgeriatrie und Remobilisation, eine internistische Akutambulanz sowie die ambulante 24-Stunden-Erstversorgung; auch der Notarztstützpunkt bleibt. Gespräche zur Weiternutzung der Operationssäle sind im Gange. Für die Bevölkerung des Ausseerlands ist Bad Ischl oft wesentlich näher als Rottenmann. Deshalb können Patienten aus dem Bezirk Liezen bei medizinischer Notwendigkeit im Salzkammergut Klinikum Bad Ischl behandelt werden. Die Planungen gehen von ungefähr 300 zusätzlichen stationären und 2.500 ambulanten Behandlungen pro Jahr in Bad Ischl aus. Die Steiermark bezahlt Oberösterreich für die Versorgung ihrer Patienten nach ORF-Angaben rund 3,8 Millionen Euro jährlich.

Wien: Pflegefachassistenz wird rechtlich verankert

Wien will die Pflegefachassistenz (PFA) künftig auch gesetzlich im Personalschlüssel von Wohn- und Pflegeheimen festschreiben. Rund 1.800 Personen haben die Ausbildung bereits abgeschlossen, durften dort bislang aber nicht entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzt werden. Mit der geplanten Novelle wird auch der Personalschlüssel geändert: Statt bisher 30 Prozent diplomierter Pflegekräfte sollen künftig mindestens 15 Prozent diplomierte Kräfte und 15 Prozent PFA vorgeschrieben sein. Die Gesamtzahl des Personals bleibt unverändert. Pflegefachassistenten können unter anderem Wundversorgung, Blutabnahmen und Medikamentengabe übernehmen. Die Novelle soll noch 2026 beschlossen werden und mit 1. Jänner 2027 in Kraft treten.

Beim Nachbarn zeigt Landarzt­quote Nebenwirkungen

Die heimischen Sozialversicherungsträger und Landespolitiker brüten seit Jahren über der Frage, wie frei gewordene Kassenstellen auf dem Land wiederbesetzt werden können. In Deutschland haben seit 2019 bereits elf von 16 Bundesländern eine sogenannte „Landarztquote“ eingeführt. Wer über das Programm Medizin studieren will, braucht nicht zwingend ein Spitzenabitur mit numerus clausus. Die Auswahl erfolgt je nach Bundesland nach unterschiedlichen Kriterien. Dafür verpflichten sich die Studierenden, nach Studium und Weiterbildung mehrere Jahre als Arzt in unterversorgten Regionen zu arbeiten. Rund 4.000 Plätze wurden seit 2019 vergeben, etwa 3.500 Menschen studieren derzeit bundesweit über diesen Weg. Doch das Modell bekommt Risse: Nach Recherchen des Spiegel haben inzwischen mehr als 350 der verpflichteten Studierenden das Programm wieder verlassen. Je nach Bundesland drohen bei einem Ausstieg hohe Vertragsstrafen – in Bayern, Baden-Württemberg oder Mecklenburg-Vorpommern bis zu 250.000 Euro. Bislang kam es zu keinen Rückforderungen. Doch nun beschäftigt das Modell die Justiz: In Rheinland-Pfalz laufen bundesweit die ersten beiden Vertragsverletzungsverfahren gegen Quoten-Studierende.

Neuer KAGes-Vorstand übernimmt

Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) bekommt mit 1. Oktober einen neuen Vorstand. Erich Schaflinger folgt Gerhard Stark. Der Internist leitet seit 1998 die Abteilung für Innere Medizin am LKH Mürzzuschlag und ist seit 2005 Ärztlicher Direktor des heutigen LKH Hochsteiermark. Seit 2020 steht er zudem dem steirischen Landessanitätsrat vor. Schaflinger übernimmt damit eines der größten Gesundheitsunternehmen Österreichs: Rund 19.000 Beschäftigte arbeiten an 20 Krankenhausstandorten und drei Landespflegezentren. Ulf Drabek bleibt zweiter Geschäftsführer. Schaflinger war Vortragender beim 16. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress.

EU-Arzneimittelpaket nimmt nächste Hürde

Der europäische Critical Medicines Act nimmt konkrete Formen an. Nach der politischen Einigung im Mai wurde Ende Juni der ausgehandelte Kompromisstext veröffentlicht. Das Ziel: Europa soll bei kritischen Arzneimitteln unabhängiger von Produzenten in Drittstaaten werden. Strategische Projekte zur Herstellung wichtiger Medikamente und Wirkstoffe in der EU sollen leichter finanziert und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Bei öffentlichen Ausschreibungen soll künftig nicht mehr allein der niedrigste Preis entscheiden. Kriterien wie Versorgungssicherheit, stabile Lieferketten und europäische Produktion sollen stärker gewichtet werden. Vorgesehen sind zudem gemeinsame Beschaffungen mehrerer Mitgliedstaaten und Maßnahmen zur Diversifizierung der Lieferketten. Jetzt müssen EU-Parlament und Rat die Vorlage formell beschließen.

Kindervorsorgeuntersuchung: Deutschland macht es vor

In Österreich endet die im Eltern-Kind-Pass vorgesehene Vorsorge mit der Untersuchung rund um den fünften Geburtstag. Deutschland geht einen Schritt weiter und schließt eine ähnliche Lücke zwischen Kinder- und Jugenduntersuchungen: Eine neue U10 für Neun- bis Zehnjährige soll künftig von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Im Mittelpunkt stehen Übergewicht, Bewegung, digitaler Medienkonsum und psychische Auffälligkeiten. Ein Fragebogen soll zusätzlich Hinweise auf das psychische und soziale Wohlbefinden geben. Auch der Impfstatus wird überprüft.

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