Diplomiert, erfahren – und plötzlich akademisch im Nachteil: Das DGKP-Upgrade bietet Pflegefachkräften einen schnellen Weg zum Bachelor of Science. Der Andrang ist groß.
Jahrelange Berufserfahrung, hohe Verantwortung, aber kein akademischer Abschluss und dadurch begrenzte Karrieremöglichkeiten: Für Zehntausende diplomierte Pflegefachkräfte in Österreich hat die Reform der Pflegeausbildung die Spielregeln grundlegend verändert. Allerdings gibt es eine Möglichkeit, diesen Nachteil vergleichsweise schnell wettzumachen: das DGKP-Upgrade. Es ermöglicht diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP) mit Abschluss in der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege, einen Bachelor of Science in zwei oder drei Semestern zu erwerben.

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Erfahrene Diplomkräfte holen immer öfter ein Bachelor-Studium nach. Im Bild Pflegestudierende während eines Planspiels.
Der Bachelor als Türöffner
„Der Zulauf ist enorm“, bekräftigt Isabella Sumerauer, Leiterin des DGKP-Upgrades an der Fachhochschule (FH) Joanneum in Graz. Das bestätigt Heide Jackel, Leiterin des Studiengangs Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Gesundheitsberufe OÖ, der an drei Standorten angeboten wird: „Die Zahl der Anfragen und Interessenbekundungen liegt viermal so hoch wie die Zahl der verfügbaren Studienplätze.“
Für viele ist der Bachelor der erste Schritt zur weiteren akademischen Ausbildung: sei es, um sich mit einem entsprechenden Masterstudium für Führungsaufgaben zu qualifizieren, sei es für eine Master-Ausbildung im Bereich Advanced Nursing Practice (ANP), also zu einer hochspezialisierten Pflegekraft wie Parkinson Nurse oder Schmerz-ANP. „Viele unserer Studierenden sind parallel im Pflegeberuf tätig. Mit der neuen Struktur schaffen wir mehr Planbarkeit und ermöglichen eine bessere Abstimmung mit dem Berufsalltag“, unterstreicht Maria Schweighofer, Studiengangsleiterin Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Wr. Neustadt.
Vielen geht es um berufliche Entwicklung. Studierende vertiefen ihre Kompetenzen insbesondere in Bereichen wie Evidence-Based Nursing, Public Health, personenzentrierter Pflege, Clinical Assessment und pflegerischer Beratung. Sie wollen ihre Arbeit professioneller gestalten, ihr Fachwissen auf den aktuellen Stand bringen und Neuigkeiten auf der Station implementieren. Anderen geht es um die internationale Anschlussfähigkeit. In vielen Ländern der Welt – in Afrika, Asien und Südamerika – ist ein Bachelorstudium Voraussetzung für den gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege. Ein wichtiges Motiv ist zudem, den Angehörigen anderer Gesundheitsberufe – von der Logopädin bis zum Arzt – als Träger eines akademischen Titels auf Augenhöhe begegnen zu können. Ähnlich ist es bei diplomierten Pflegefachkräften, die in der Ausbildung tätig sind: Vielen ist es wichtig, als Lehrer selbst über jenen akademischen Grad zu verfügen, den ihre Studenten anstreben.
Doch das DGKP-Upgrade bringt mehr als nur einen schmucken Titel. Pflegeforschung ist eine junge Disziplin, in der sich in den vergangenen Jahren viel getan hat. Allein im Wundmanagement zum Beispiel entwickelt sich das Wissen rasant weiter. Zahlreiche Assessment-Instrumente wurden evaluiert und weiterentwickelt, etwa Methoden zur Einschätzung der Sturzgefahr oder des Dekubitusrisikos. „Die akademische Ausbildung hilft dabei, dieses Know-how in die Praxis zu transferieren“, unterstreicht Jackel. Zum Curriculum gehören die neuen Rollenprofile von Pflegefachkräften, die in jüngerer Zeit dazugekommen sind, etwa die Schulung und Beratung von chronisch kranken Patienten. Sind Pflegekräfte hier auf Zack, profitieren die stationären Einrichtungen: Gut informierte und geschulte Patienten können ihre Erkrankung oft besser bewältigen. So kann der Drehtüreffekt reduziert werden.
Wissenschaft für die Praxis
Dass Mitarbeiter akademisch ausgebildet sind, liegt in vielerlei Hinsicht im Interesse der Arbeitgeber. Wenn zum Beispiel die Pflegedokumentation neu aufgestellt oder ein Pflegeprozess weiterentwickelt wird, sind Fachkräfte gefragt, die wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch erschließen, kritisch reflektieren und evidenzbasiert in die Versorgungspraxis integrieren können. Manche Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen unterstützen daher diplomierte Pflegefachkräfte, die ein DGKP-Upgrade durchführen wollen – zumindest organisatorisch, indem der Dienstplan auf die Ausbildungszeiten abgestimmt wird. Einzelne Einrichtungen regen ihre Mitarbeiter aktiv zum Upgrade an und finanzieren sogar einen Teil der Ausbildung.
Diplomierte Pflegekräfte, die ein DGKP-Upgrade absolviert haben, bringen die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Pflege aus ihrem Studium in ihre Einrichtungen mit. Lehrgangsleiterin Sumerauer hat beobachtet, dass Upgrade-Studierende bei der Themenwahl für ihre Bachelorarbeit einen anderen Zugang haben als jüngere Studenten: Sie legen den Fokus besonders auf praktische Lösungen. Ein Absolvent widmete seine Bachelorarbeit der Mundpflege auf der Intensivstation.
Zwei bis drei Semester
Das DGKP-Upgrade richtet sich an diplomierte Pflegepersonen der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege. Voraussetzung ist eine Hochschulzugangsberechtigung, durch Matura oder über den Weg der beruflichen Qualifikation mit ergänzendem Vorbereitungslehrgang. Bereits absolvierte Inhalte werden angerechnet, in der Regel im Ausmaß von mindestens 120 ECTS. Die Wege zum Abschluss variieren je nach Hochschule: An der FH Joanneum besteht die Ausbildung aus einem zweisemestrigen Zertifikatslehrgang. Im Anschluss steigen die Absolventen ins sechste Semester des Bachelorstudiums Gesundheits- und Krankenpflege ein. An der FH Gesundheitsberufe OÖ dauert die Ausbildung zwei Semester: Hier durchlaufen die Studenten einen zweisemestrigen Hochschullehrgang und werden dann in den Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege immatrikuliert, wo sie die Bachelorprüfung absolvieren. Da viele Teilnehmer parallel im Pflegeberuf arbeiten, sind die Ausbildungen in Graz bzw. in Linz, Steyr und Vöcklabruck berufsbegleitend konzipiert. Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt der Blick nach Niederösterreich: An der FH Wiener Neustadt wird seit dem laufenden Wintersemester eine eigene Gruppe angeboten, deren Lehrveranstaltungen gebündelt und berufsbegleitend an ausgewählten Tagen stattfinden. Hier steigen die Studenten direkt in das fünfte Semester des Bachelorstudiums ein.

