Gesundheitswirtschaft – kurz und knapp

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Autor: Josef Ruhaltinger

Kurzmeldungen aus der Welt der Gesundheitswirtschaft und des Gesundheitswesens.

Steiermark I: Gesundheitsplan 2030 vorgestellt

Der Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG-St 2030) soll die steirische Gesundheitsversorgung bis zum Jahr 2030 neu ordnen. Die Gesamtkapazität der fondsfinanzierten Krankenanstalten geht mit 5.647 stationären, tagesklinischen und ambulanten Plätzen leicht zurück. Bis zum Jahr 2030 soll es hingegen mehr Planstellen für Ärztinnen und Ärzte im niedergelassenen Bereich geben, 1.391 sollen es insgesamt im Jahr 2030 sein. Die bestehenden Spitalsverbünde sollen sich auf akute und planbare Eingriffe konzentrieren – etwa im Murtal, wo Judenburg für die akute Traumaversorgung und die Stolzalpe als orthopädisches Zentrum für geplante Behandlungen vorgesehen sind.
Parallel entsteht ein erweitertes Netz an niedergelassenen Strukturen. Die Zahl der Gesundheitszentren wächst von derzeit 26 auf mindestens 40. Zwei multiprofessionelle Facharztzentren und ein eigenes Schmerzzentrum sollen dazukommen. In mehreren Regionen sind zusätzliche Schwerpunktsetzungen geplant. In Liezen soll es künftig ein Spitalsnetz geben. In Bad Aussee ist eine Akutgeriatrie geplant. Dazu soll es eine internistische Ambulanz geben. Auch zwei Primärversorgungszentren sind geplant. Am Standort Rottenmann sollen orthopädische Patienten rehabilitiert und versorgt werden. In Bruck/Mur entstehen stationäre psychiatrische Betten sowie ein Herz-Lungen-Zentrum und eine neue dermatologische Ambulanz. Bad Radkersburg wird zum größten Zentrum für Remobilisation und Nachsorge der Steiermark ausgebaut und erhält ein Gesundheitszentrum mit 24/7-Versorgung. Davor soll die orthopädische Abteilung ins LKH nach Deutschlandsberg verlegt werden. In der Oststeiermark werden Geburtshilfe und Hebammenversorgung in Hartberg konzentriert, während Vorau die Akutgeriatrie ausbaut. Graz stärkt die neurologische Versorgung und erhält ein weiteres Facharztzentrum für Schmerzmedizin. Der RSG-St 2030 soll im Dezember beschlossen werden und tritt mit Jahresbeginn 2026 in Kraft; die Umsetzung erfolgt schrittweise bis 2030.

Frühpension für Pflegekräfte: Hürden bleiben hoch

Pflegekräfte können ab 2026 mit 60 statt 65 Jahren in Pension gehen – allerdings nur unter strengen Bedingungen. Gefordert sind 45 Arbeitsjahre, zehn Jahre Schwerarbeit in den letzten 20 Berufsjahren sowie mindestens zwölf Dienste pro Monat bei Teilzeit. Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband kritisiert diese Vorgaben als unrealistisch: Späte Berufseinstiege nach Matura oder Studium, reduzierte Arbeitszeit wegen familiärer Pflege oder Teilzeitphasen würden viele ausschließen. Die Regierung rechnet bei 130.000 Pflegekräften nur mit rund 1.000 Anspruchsberechtigten pro Jahr.

Land Salzburg übernimmt Tauernklinikum zur Gänze

Mit Neujahr übernimmt in Salzburg eine neue Gesundheits-Holding den Betrieb der Spitäler Zell am See, Mittersill und Oberndorf. Die Gemeinde Zell am See hatte zuvor einstimmig beschlossen, ihre Anteile an den Tauernkliniken um einen symbolischen Euro an das Land Salzburg zu übertragen. Damit endet die bisherige Mitträgerschaft, bei der die Stadtgemeinde 20 Prozent der jährlichen Spitalsabgänge decken musste – allein 2024 rund vier Millionen Euro, 2025 voraussichtlich sechs Millionen. Die Abgänge stiegen in den letzten Jahren stark an und werden heuer in Summe im Tauernklinikum bei rund 35 Millionen Euro liegen. Die Gemeinden Zell am See und Mittersill behalten jeweils einen Sitz im Aufsichtsrat. In der neu gegründeten Land Salzburg Gesundheits-Holding GmbH werden in einem weiteren Schritt auch die SALK-Kliniken in Salzburg, Hallein, St. Veit und Tamsweg in die Holding integriert. Für die rund 1.200 Beschäftigten sowie für die Patientinnen und Patienten soll sich vorerst nichts ändern; langfristig wird eine Vereinheitlichung des Dienstrechts in den künftig acht landeseigenen Spitälern angestrebt.

Steiermark II: Landes-RH fordert Totalreform im Gesundheitswesen

Der Landesrechnungshof der Steiermark hat vier Tage vor Präsentation des Gesundheitsplans 2030 einen Bericht zur Personalsituation der KAGes veröffentlicht. Das Ergebnis ist eine Mängelliste, die von kleinteiligen Strukturen über unverhältnismäßige Kosten bis hin zu einem fehlenden strategischen Personalmanagement reicht. Der LRH unter der Leitung von Heinz Drobesch (Foto) spricht von „unverhältnismäßig hohen, kaum mehr finanzierbaren Kosten“. Trotz Personalbedarfsermittlung mussten Betten wegen „Pflegekräftemangels“ gesperrt werden. Maßnahmen blieben punktuell und ohne übergeordnetes Konzept, während demografische Entwicklungen wie die Pensionierungswelle der Babyboomer jahrelang unterschätzt wurden. Seit 2014 seien die Personalkosten um 78 Prozent gestiegen und liegen 2024 bei rund 1,5 Milliarden Euro. Der LRH empfahl dem Land Steiermark, „das gesamte Gesundheitswesen zu reformieren“.

Deutsche Supermarktkette bietet Videosprechstunden

Kaufland bietet in Mosbach erstmals digitale Arztberatungen direkt im Supermarkt an. Im „S Medical Room“ können Kundinnen und Kunden per Smartphone einchecken und in einem schalldichten Raum eine Videosprechstunde durchführen. Medizinische Fachangestellte messen vor Ort Blutdruck oder erstellen ein EKG; bei Bedarf wird ein Arztbesuch vermittelt. Das Angebot soll dem Hausarztmangel auf dem Land entgegenwirken – bundesweit sind laut Studien Tausende Hausarztsitze unbesetzt, Wartezeiten steigen. Auch andere Handelsketten drängen in den Gesundheitsmarkt: dm bietet bereits Gesundheitschecks an und plant den Verkauf rezeptfreier Präparate, während Lidl und Rossmann ähnliche Schritte vorbereiten.

Franz Harnoncourt verlässt OÖ Gesund­heitsholding

Der Chef der OÖ Gesundheitsholding, Franz Harnoncourt, tritt überraschend zurück. Der 64-Jährige bat in einer Sondersitzung des Aufsichtsrats um die vorzeitige Auflösung seines bis 2029 laufenden Vertrags und legt auch seine Funktion als Geschäftsführer des Kepler Uniklinikums zurück. Als Grund nennt er fehlende Gestaltungsmöglichkeiten nach sieben Jahren an der Spitze der OÖG. Zuletzt stand der Gesundheitsmanager massiv unter Druck: Die Causa Rohrbach, Kommunikationspannen nach Todesfällen in Kirchdorf und zahlreiche abgesagte Operationen im Kepler Klinikum belasteten das Klima. In den vergangenen Monaten wuchs der interne Widerstand gegen Harnoncourt deutlich, besonders im KUK. In den letzten Monaten wurde immer wieder Kritik an seinem Führungsstil laut, und die Krisenkommunikation im Fall Rohrbach ließ auch den Rückhalt in den politischen Eigentümergremien erodieren. Die Nachfolge soll bis Februar feststehen.

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