Aktuelles aus der internationalen Welt der Gesundheitswirtschaft.

WHO
WHO fordert höhere Steuern auf zuckerhaltige Getränke und Alkohol
In zwei Berichten warnt die WHO davor, dass in den meisten Ländern gesundheitsschädliche Produkte infolge geringer Besteuerung weiterhin billig bleiben. Gleichzeitig steigen die Belastungen der Gesundheitssysteme durch vermeidbare nicht-übertragbare Erkrankungen (NCDs). Zucker- und alkoholhältige Getränke fördern Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus (im Bild) betont, dass gesundheitsbezogene Steuern eine der wirksamsten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention sind. Viele zuckerhältige Produkte, wie Fruchtsäfte, Milchdrinks, Kaffee- und Teegetränke, werden überhaupt nicht besteuert, Steuern auf Alkohol sind nicht im gleichen Ausmaß gestiegen, wie Inflation und Einkommen, wodurch diese weiterhin unverändert leistbar geblieben sind.

Deutschland
Deutsches Gesundheitssystem nur durchschnittlich
Die aktuelle Auswertung der OECD-Gesundheitsstatistik aus 22 Kernindikatoren ergibt für das deutsche Gesundheitssystem eigentlich ein befriedigendes Ergebnis. Beim Gesundheitszustand der Bevölkerung und bei den gesundheitlichen Risikofaktoren liegen die Daten im durchschnittlichen Bereich der 38 erfassten Länder. Überdurchschnittliche Ergebnisse zeigt die Statistik für die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem Zugang zu Versorgungsleistungen und der finanziellen Absicherung bei deren Inanspruchnahme. Auf Defizite in der Primärversorgung weisen hingegen der hohe Prozentsatz an vermeidbaren Krankenhausaufnahmen und die große Dichte an Krankenhausbetten hin. Weil Deutschland überdurchschnittlich viel Geld für sein Gesundheitssystem aufwendet, wären bessere als nur durchschnittliche Ergebnisse jedoch einzufordern. Dieses Ziel strebte die Ampel-Regierung 2024 mit dem „Gesundes-Herz-Gesetz“ auch an, womit Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Blick genommen und Vorsorgeuntersuchungen gestärkt werden sollten. Wegen des Regierungswechsels wurde dieses Projekt allerdings nicht weiterverfolgt.
Im Bild: Nina Warken, Gesundheitsministerin Deutschland

Schweiz
Funktioniert die Schweiz auch ohne Ausländer?
2026 stimmt die Schweiz über die sogenannte Nachhaltigkeitsinitiative der SVP ab. Sie verlangt, dass die Bevölkerung auf höchstens zehn Millionen begrenzt wird – mit weitreichenden Folgen: Würde das Szenario eintreffen, hätte dies die Kündigung des Personenfreizügigkeitsabkommens mit der EU zur Folge. Auf dem Spiel steht damit aber das Betreiben von ganzen Branchen, insbesondere dem Gesundheitsbereich. In der Schweiz beträgt der Ausländeranteil der Beschäftigten in den Spitälern rund ein Drittel, besonders hoch ist er im Tessin und in der Westschweiz. Im Luzerner Kantonsspital und im Inselspital Bern liegt er bei rund 25, am Universitätsspital Zürich bei sogar 37 Prozent. Das grenznahe Universitätsspital Basel würde derzeit ohne ausländische Mitarbeiter nicht funktionieren – etwa die Hälfte der Belegschaft hat einen ausländischen Pass. Ein Teil pendelt täglich aus Deutschland und Frankreich, der andere lebt in der Schweiz. Durch die Kündigung des Personenfreizügigkeitsabkommens mit der EU müsste das Spital den Betrieb nicht einstellen, da bereits in der Schweiz wohnende Angestellte und Grenzgänger von einer Obergrenze nicht betroffen wären, doch Neurekrutierungen würden erheblich erschwert. Bei einer Fluktuation von gut 7 Prozent und rund 8500 Angestellten hat das Basler Spital jedes Jahr rund 600 Stellen neu zu besetzen.
Im Bild: Marcel Dettling, SVP-Präsident

Dr. Heinz Brock
ist emeritierter Ärztlicher Geschäftsführer des
Kepler Universitätsklinikums und Kongresspräsident des
Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongresses ÖGWK.
Kontakt: heinz@heinz-brock.at
Quellen und Links:
World Health Organization (2025). Global report on the use of alcohol taxes, 2025. World Health Organization. iris.who.int/handle/10665/384526
World Health Organization (2025). Global report on the use of sugar-sweetened beverage taxes, 2025. World Health Organization. iris.who.int/handle/10665/384659
www.aerztezeitung.de/Politik/Warum-wir-bei-der-Gesundheitsversorgung-nur-magerer-Durchschnitt-sind
OECD (2025), Health at a Glance 2025: OECD Indicators, OECD Publishing, Paris, doi.org/10.1787/8f9e3f98-en
NZZ am Sonntag | 28.12.2025


