Liebe Leserinnen und Leser,

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Autor: Josef Ruhaltinger

wir stehen vor einer Gesundheitsreform. Wieder einmal. Diesmal soll es eine richtig große sein, sagt die Regierung. Eine, die Weichen stellt, meint die Regierung. Eine, die den Wandel möglich macht, erklärt die Regierung. Bei gelernten Österreichern regt sich bei derartigen Ankündigungen reflexartig Skepsis. „Ja eh“, kommentiert Thomas Czypionka die Vorgespräche, die Ende Juni beendet sein sollen. Er kennt die langen Anläufe, die es braucht, um breit ausgerollte Maßnahmen wie Telemonitoring, ELGA-App oder Präventionsanreize umzusetzen. Wer sich einmal einen Überblick über die Strukturen des österreichischen Gesundheitssystems erarbeitet hat, weiß, dass rasch gar nichts geht. Die Reformkommission und die LH-Konferenz – man muss beide Einrichtungen getrennt sehen – haben sich für den 30.6. vorgenommen, zumindest die Grundzüge einer Gesundheitsreform präsentieren zu können. An dem Tag sollen die Ergebnisse der sogenannten „Reformpartnerschaft“ kommuniziert werden. Der 30. 6. soll der „Liberation Day“ auf Österreichisch werden. Nach meinen Gesprächen glaube ich nicht mehr an die große Weichenstellung zur Jahresmitte. Wenn die Regierung schon nicht die Verlängerung der Wehrpflicht über die Bühne bringt (NEOS!!!), wie soll dann eine deutlich komplexere Gesundheitsreform in die Gänge kommen? In der US-Politik ist es mittlerweile egal, wenn sich zwischen Versprechen und Resultat der Grand Canyon auftut. In der heimischen Innenpolitik nicht.

Stresstag. Das große Interview mit Thomas Czypionka (re.) und der dHealth-Auftritt (li.) fanden beide am 12. Mai statt. Leichte Adrenalinschübe am Morgen waren da inkludiert.

Man merkt in den Recherchen, dass viele in der Regierungskoalition verstanden haben, dass es große Würfe braucht. Die Jammerei im Land muss ein Ende haben. Aber es fehlt die Entschlossenheit. Dazu gehört auch zu kommunizieren, dass es bei Veränderungen Verlierer im System geben wird – genauso wie im Sozial- oder im Pensionssystem. Es ist eine spezielle Form von Feigheit, so zu tun, als ob man es bei einem Sparkurs allen recht machen könnte. Es wird die Ärztekammer protestieren, es werden die Sozialpartner protestieren, es werden Landesvertreter protestieren, es werden Bürgermeister protestieren. Ich bin aber zutiefst überzeugt, dass die Wählerschaft Rückschritte bei einem sehr hohen Leistungsniveau in Kauf nimmt, wenn im Gegenzug der Stillstand ein Ende hat. Manchmal muss man ein paar Schritte zurückgehen, um die nächste Abzweigung nehmen zu können. Ich möchte hier ein Zitat des berühmten Sportphilosophen Oli Kahn wiedergeben: „Wir brauchen Eier“.

Und zum Schluss noch etwas Lobhudelei in eigener Sache: Ich hatte am 12. Mai die Ehre, am dHealth-Kongress, veranstaltet vom Austrian Institute of Technology (AIT), eine Keynote-Rede zu den digitalen Herausforderungen des Gesundheitssystems zu halten. Gut 200 Expertinnen und Experten der Gesundheitsbranche verließen n i c h t den Saal. Danke dafür.

Bleiben Sie uns gewogen,

Josef Ruhaltinger
Chefredakteur

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